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Interview: "Da steckt eine kleine Friedensbotschaft drin."

Photo: CIM

18.10.10

Heinz-Günther Hunold ist seit 2001 Präsident der Karnevalsgesellschaft „Kölsche Funke rut-wieß“. Der 51-Jährige arbeitet als Steuerberater mit 80 Mitarbeitern.


 

CIM: Sie sind mit den „Roten Funken“ von 1823 eine Institution des Kölner Karnevals. Wieso treten Sie in China auf?
Heinz-Günther Hunold:
Wir haben den politischen Auftrag, den Karneval noch bekannter zu machen. Es ist für uns dafür wichtig, Einflüsse von außen aufzunehmen und wahrzunehmen, wie die Welt sich entwickelt. Brauchtum, Karneval und Sprache gilt es zu bewahren, gleichzeitig aber offen zu sein für Neues, das auch in die eigene Arbeit einfließt. Tradition bewahren heißt ja nicht das Verwalten der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers! So führen wir bei den nächsten Karnevals-Sessionen in Köln einen hier erlernten Chinatanz auf.

Verstehen die Chinesen Ihre Botschaft?
Im europäischen Sinne verstehen sie diese wohl eigentlich nicht – aber die Botschaft lässt sich in den Augen und den Herzen der Menschen ablesen. „Nehmt Euch alle nicht so ernst“, lautet die traditionelle Funken-Botschaft. Dies ist geboren aus einer antimilitaristischen Haltung gegenüber den preußischen Besatzern, da steckt eine kleine Friedensbotschaft drin.

Wie reagieren die Menschen hier in China auf Sie?
Ich glaube die Chinesen haben 1,3 Mrd. Menschen, aber 2,6 Mrd. Kameras! Das Fotografieren ist das eine, aber wie oft auch traditionelle Tänze mitgemacht wurden, also, dass so ’ne Spontanität ausbricht, hat uns schon überrascht. Wenn wir mit den Höhnern zusammen chinesische Volkslieder vortragen und die chinesischen Zuschauer mit uns „Stippeföttche“ tanzen, dann hat man doch alles erreicht, oder? Das zeigt, dass wir eine emotionale Brücke bauen, die einfach und einladend ist.

Was sind die größten organisatorischen Herausforderungen hier in China für Ihre 116 mitgereisten Mitglieder?
Wir sind schon sehr anspruchvoll und empfinden uns als Dienstleister für unsere Reiseteilnehmer. Unser Ziel ist zum Beispiel, dass die Koffer auf dem Zimmer liegen, wenn unsere Mitglieder das Zimmer betreten. Das war nicht so einfach hier. Mit Geschenken auf den Zimmern überraschen wir die Teilnehmer, um den kleinen Ärger vergessen zu machen. Unsere eigenen Mitglieder sind die Kunden, die müssen jubeln!

Wo waren die „Roten Funken“ schon auf Auslandstournee?
In den 20er-Jahren in Paris, später auch in Amerika oder in Namibia. Seit den 90er-Jahren gibt es alle fünf Jahre größere Reisen, zuletzt nach Brasilien und Japan.

www.rote-funken.de

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AUSGABE 3/2012

 

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