No, we cannot!

Burn-out, haben wir uns in der Redaktionskonferenz gefragt, soll das unsere Titelgeschichte zum Jahresende sein? Gefühlt hatten wir, dass das Thema in der Luft liegt. Seither verfolgt es uns. Und wir müssen einsehen, dass unsere Leistungsgesellschaft mit „Ich kann nicht mehr“ an ihre Grenzen stößt, alles perfektionieren zu wollen: das Leben, den Beruf, die Familie, die Figur.
Akteure in der Meetingindustrie scheinen mir gefährdet. Nicht nur, weil sie so oft weit weg von zu Hause sind und nach der Show immer schneller vor der Show ist, sondern weil im Schaffen von Begegnungen Erfüllung und Erschöpfung fließend sind. Wer sein Event erfolgreich über die Bühne bringt, erlebt ein Flow-Gefühl und strebt fortan nach diesem Glückserlebnis. Jedoch bedingt es die ständige Steigerung und birgt die Gefahr, dass die Anforderung in Überforderung umschlägt.
Gefordert fühlt sich auch der Teilnehmer. Statt vier Tage bleiben ihm nur noch zwei, um alle Geschäfts-, nicht Gesprächspartner, in der Kaffeepause zu treffen. Im Konferenzsaal fällt er auf, wenn er nicht an iPad oder iPhone fingert; nicht twittert, was er sich nicht zu sagen traut, noch vier Fotos macht und die „Friends“ auf Facebook informiert, wo er heute Nacht schläft. Nur, kann Mr. Multitasker dabei zuhören, verstehen und denken? Erkennt er jenen Aha-Moment, der ihn durch den Arbeitsalltag trägt?
Benediktinerpater Anselm Grün redet von Flow, „wenn wir uns an die Arbeit und an die Menschen hingeben, uns bei der Arbeit selbst vergessen“. Er spricht mir aus der Seele. Denn ich brenne für die Begegnungsindustrie und brenne nicht aus, wenn ich im Gedankenaustausch ganz bei meinem Gegenüber sein kann – und damit bei mir.





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