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Außer Rand und Band

Anke Pruust, GCB (li.), Jutta Weisbrod, Frankfurt Convention Bureau (Photo: ICCAWORLD)

Leipzig beeindruckt die ICCA bei ihrem 50. Jahreskongress mit grünen Männchen, Live-OP am Herzen und Perspektiven auf eine Welt, die nicht einmal mehr 007 versteht.

Orientierung.
„Die Welt ist so unübersichtlich geworden, dass selbst James Bond einen Psychiater braucht“ – mit dieser Anleihe aus der Popkultur brachte Key-Note-Redner Dr. Kjell Nordstrom die Delegierten im Congress Center Leipzig (CCL) zum Schmunzeln und Nachdenken. Seine Rede am Abschlusstag war einer der Höhepunkte beim 50. Jahreskongress der International Congress und Convention Association (ICCA). Denn Agent 007 ist in den neueren Filmen der Agentenreihe nicht mehr der Alte – er wirkt verwirrt von einer zunehmend komplexeren Welt. Damit wird er zum Symbol für eine Welt außer Rand und Band, die so multipolar, widersprüchlich und ambivalent wie noch nie zuvor erscheint. Das deckt sich offenbar mit der Gefühlswelt der Delegierten, die Nordstrom mit Szenen-Applaus und Standing Ovations danken. Das Fazit der Rede des schwedischen Wissenschaftlers war schließlich ein durchweg optimistisches: Er beschrieb Demokratie, Offenheit und Liberalität als echten Wettbewerbsvorteil im derzeitigen weltökonomischen Kräftemessen. Die autoritär und gleichzeitig marktwirtschaftlich ausgerichteten Staaten wie China, Russland oder die arabischen Scheichtümer seien wegen vielfacher Einschränkungen bürgerlicher und individueller Freiheitsrechte in ihrer Innovationsfähigkeit begrenzt. Offenheit gegenüber Einwanderung und die Fähigkeit fremde Kulturen, Religionen und Ideen aufzunehmen, um sie in einer kreativen Synthese zu verwandeln, seien dagegen Nährboden für Innovationen. Diese kultur-übergreifende Herangehensweise verkörperte die ICCA bei ihrem Gastspiel in Leipzig selbst vorbildlich. Vom 22. bis 26. Oktober 2011 durchbricht sie mit 1.041 erstmals die 1.000er-Grenze bei den registrierten Delegierten. Über 40 Sessions mit mehr als 100 internationalen Referenten bildeten das Tagungsprogramm. Social Media und Nachhaltigkeit waren viel diskutierte Themen.

Leipzig zeigte sich bestens vorbereitet: Bereits neun Monate zuvor war die Stadt mit gezielter Öffentlichkeits- und Medienarbeit auf die Ankunft der internationalen Besucherschar vorbereitet worden, wie André Kaldenhoff berichtet, Geschäftsbereichsleiter Kongresse der Leipziger Messe GmbH. So wunderte sich keiner über englische Ansagen im öffentlichen Nahverkehr und den Sonderhalt der Straßenbahnlinie 16 auf Höhe des Westin-Hotelhochhauses, in dem fast 50 Prozent aller Teilnehmer untergebracht waren (siehe auch Extra-Kasten „Grüne Männchen“). Daneben gab es sechs weitere offizielle Kongresshotels in unterschiedlichen Kategorien. Banner mit dem Schriftzug „Leipzig welcomes ICCA“ spannten sich über Straßen. Großwerbeflächen in der Stadt waren zahlreich für die ICCA reserviert.
Große Rückendeckung durch die gesamte deutsche Meetingbranche hatte das Leipziger Konzept im ICCA-Bewerbungsverfahren zum Sieg getragen. Einen besonderen Akzent im Bid Book setzten aber auch zwei Offsite-Sessions, von der ICCA „Outside the box“ getauft. Sie führten Teilnehmer zum Vor-Ort-Termin in die Leipziger Porsche-Niederlassung und zu einer Operation am offenen Herzen. „Für viele Teilnehmer war es eine große Überraschung, dass tatsächlich eine Live-Operation zu sehen war“, erzählt André Kaldenhoff. Er habe selbst auch noch nie gesehen, wie ein Herz stillgelegt und der Körper an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird. „Für mich war es ein absolutes Highlight, wie Professor Mohr und sein Kollege aus Toronto sich über die OP-Themen live unterhalten haben“, so André Kaldenhoff weiter. Die 30 Teilnehmer der Exkursion waren ebenso nachhaltig beeindruckt.

Ein rauschendes Galadinner in der Glashalle der Leipziger Messe unter dem Motto „1920s Cabaret Style“ gehörte zu den Highlights des Gesellschafts- und Rahmenprogramms. Zylinder, Federboa und Zigarettenspitze gehörten zu den beliebtesten Accessoires des Abends.
Den zahlreichen ICCA-Neulingen und First-Timern als Mentor angenommen hat sich Edgar Hirt, Bereichsleiter Kongresse im Congress Center Hamburg (CCH). Der Präsident des Weltverbandes der Kongresszentren AIPC lobte: „Leipzig hat die Gastgeberrolle perfekt ausgefüllt. Es ist faszinierend, wie die ICCA es schafft, Menschen aus 70 Nationen auf einen Termin einzuschwören und dann alle auch tatsächlich kommen – das spricht für wertvolle Tools und Informationen, von denen sie in Leipzig profitierten.“

www.iccaworld.org
www.leipziger-messe.de
www.porsche-leipzig.de

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