Berlin. Wissenschaftler erklären die Frage nach der Rettung des Weltklimas zur drängendsten unserer Zeit. Der zugehörige öffentliche und politische Diskurs ist dennoch allzu häufig durch Ausflüchte geprägt. Die Politik versichert das Nötige so schnell wie möglich umzusetzen, und vergeudet mit langatmigen Debatten wertvolle Zeit. Die Protestkulturen unserer Zeit stehen sinnbildlich für eine ganz reale Dringlichkeit. Sie legen den Finger in die Wunde, wenn es darum geht, Ziele zu definieren, Entscheidungen zu treffen und einen radikalen Kurswechsel vorzunehmen. Und das ASAP!
Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der re:publica: „Auf der #rp20 werden wir zusammen das ,Mögliche‘ ausloten, gute Ideen hervorheben und leere Worthülsen entlarven. Wir wollen herausfinden, wer bestimmt, wie bald ,soon‘ und was überhaupt ,possible‘ ist.“
Wann ist ASAP? Welche Auswirkungen hat die Unmittelbarkeit von ASAP auf das heutige Miteinander? Während sie in unserer durch die Digitalisierung geprägten Konsumgesellschaft für Befriedigung und Bequemlichkeit steht, kann ASAP im beruflichen Kontext schnell hohen Druck ausüben. Das in der Arbeitswelt geprägte Akronym mutiert häufig zu einer Floskel, die entweder Macht demonstrieren will und dadurch Stress auslöst, oder Gehorsam aufzeigt und damit (vermeintlich) Performance beweist. ASAP verkommt hier zu oft zu einem drohenden und verkehrten Mantra, in dem die Dringlichkeit das Ziel aushebelt. Dabei geht es vor allem um die Dialektik zwischen Geschwindigkeit und Qualität: Nicht immer ist ASAP die beste Entscheidung, wenn es durchdachte Lösungen fordert.
Die ansteigende Geschwindigkeit macht der Gesellschaft zunehmend zu schaffen. Wir leben mehr denn je im Jetzt und denken dabei oft nicht an die Konsequenzen für uns, unsere Daten, unsere Umwelt und die uns nachfolgenden Generationen.
„ASAP symbolisiert Aufbruchstimmung, Aktionismus und Bewegung“, sagt Jeannine Koch, Direktorin der re:publica. „Mit noch größerem Nachdruck als sonst beleuchtet die vierzehnte re:publica Berlin Fragestellungen zur nachhaltigen digitalen Infrastruktur als Menschenrecht, die heutzutage eine gesellschaftliche Teilhabe erst ermöglicht. Wir suchen dabei den Dialog zu Themen des globalen Klimawandels, der Migrationspolitik, des Nationalismus und Rassismus und diskutieren die Parameter, die ausschlaggebend für gesellschaftspolitische Turbulenzen und wirtschaftliche Dynamiken sind.“
Die #rp20 wird sich deshalb auch mit der Frage beschäftigen, welche Gefahren und neue Verantwortungen ASAP für jeden Einzelnen und für die (digitale) Gesellschaft implizieren. Wie kann eine neue, bewusste Verlangsamung unserer Lebenswelt aussehen und eine neue Form der Achtsamkeit entstehen? Und welche Mechanismen können unsere ASAP-Gesellschaft vor Entfremdung, Stress- und Geschwindigkeitssucht schützen?
re:publica Berlin 2020 wird geprägt sein von Menschen, die Aufbruchstimmung verbreiten und von jenen, denen die aktuellen Entwicklungen nicht schnell genug gehen. Menschen, die wohlüberlegte Lösungen präsentieren und zum Dialog einladen. Aber ebenso von denen, die für eine neue, bewusste Verlangsamung unserer Lebenswelt einstehen.
„Die re:publica soll mehr denn je zum Mitmachen einladen“, sagt Andreas Gebhard. „Dabei wollen wir diskutieren, was uns zum besseren Handeln motiviert und herausfinden, was es bedarf, daraus konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Gemeinsam mit unseren Teilnehmer*innen, unseren Speakern und Partnern wollen wir zivilgesellschaftliche Verantwortung übernehmen und Gestaltungsprozesse beschleunigen.“
ASAP: Call for Participation zur #rp20 startet am 15. Oktober 2019. Die #rp20 aktiv mitgestalten: Jeder Interessierte ist ab dem 15. Oktober 2019 eingeladen spannende Themen, Ideen, Projekte, Paneldiskussionen oder auch Performances und Installationen beim Call for Participation einzureichen, die damit selbst Teil des Programms werden können. „Wir geben den Ideen aus unserer Community eine Bühne – den Themen, Projekten und Visionen, die ihr am Herzen liegen“, sagt re:publica Festivalleitung Alexandra Wolf. „Wir freuen uns darauf zu sehen, was die Menschen antreibt und zum Motto ASAP bewegt.“
Über ein Drittel des Programms kuratiert das Team jedes Jahr aus den Einsendungen des Call for Participation. Unter anderem dadurch erreicht die re:publica eine hohe Themen-Diversität und außergewöhnliche Vernetzungsmöglichkeiten.

