CIM 2019/2 Destination

Ganzjährig Saison

// Christian Boergen

Zum MICE-Magneten entwickeln sich Lettland und seine Hauptstadt Riga. Kulinarische Innovationen, ein schnelles Internet und außergewöhnliche Locations sorgen dafür.

Panorama des Stadtzentrums von Riga vom Freiheitsdenkmal aus.

Fünfstöckiges Bücherregal im Atrium der Nationalbibliothek Lettlands.

Die Event-Scheune des Gutshofes Mazmezotne.

Fischräuchern am Meer.

Turaida Museum Reserve im Gauja Nationalpark.

Grüner Cyberstaat. Etwas kleiner als Bayern, mit knapp zwei Mio. Einwohnern und 500 km Ostseestrand offeriert Lettland ebenso viele wie unkonventionelle Tagungsmöglichkeiten. Die Hälfte des Landes besteht aus Wald und macht Lettland zum zweitgrünsten Land der Europäischen Union. Neben Eishockey ist „Pilzen“ Nationalsport der Letten. Beim schnellen, flächendeckenden Internet markiert die junge Nation, die gerade erst 100 Jahre Staatsgründung gefeiert hat, Europas Spitze.

MICE hat in Lettland ganzjährig Saison, Sigulda im Gauja-Nationalpark ist seine Incentive-Hauptstadt. Dort erinnern die Burgen Segewold und Turaida an das Unterwerfen der letzten freien Ureinwohner im Mittelalter. In der Gutmanns-Höhle spielt Anfang des 17. Jahrhunderts die tragische Liebesgeschichte der Rose von Turaida, die lieber starb als ihre Ehre zu opfern. Rasend schnell sausen Mutige heute durch die 14 Kurven der Bob- und Rodelbahn. Während Siguldas Gondelbahn ein normales Nahverkehrsmittel ist, versprechen Bungee, Fatbikes sowie der Windtunnel Aerodium Abenteuer.

Nur eine Stunde entfernt, lebt die Hälfte der Bevölkerung in der Haupt- und Hansestadt Riga sowie in deren Umland. Am Fluss Daugava vereint die Baltenmetropole historische Holzhäuser, spektakuläre Jugendstil-Bauten und die Moderne. Diese repräsentiert exemplarisch die 2014 eröffnete Lettische Nationalbibliothek (LNB) des Architekten Gunnar Birkerts. Auch als „Lichtburg“ und „Glasberg“ bekannt, ragen ihre 13 Stockwerke 68 Meter hoch am Flussufer auf. Über vier Mio. Medien, die Hälfte davon Bücher, zählen zum Bestand. Das Atrium prägen „Bücherregale der Bürger“ mit gespendeten Lieblingswerken; weiter oben steht das Welterbe Daina-Schrank voller lettischer Volkslieder, gesammelt von Krišjanis Barons (1835 bis 1923).

Mit modernster Veranstaltungstechnik ausgestattet, ist die LNB ein Venue mit Ausstellungsflächen sowie 462 Sitzen im Ziedonis-Audimax. Das LNB-Konferenzzentrum mit großem Foyer verfügt über acht Räume, deren größere vier ohne Unterteilung auch als einer vermietet werden. Für Catering sorgt das Bibliotheks-Restaurant Kliversala. Weitere Räume auf der 11. und 12. Etage glänzen mit einem 360-Grad-Riga-Panorama.

Das offeriert auch die Skyline Bar im noch zu Sowjetzeiten erbauten und seither fortlaufend modernisierten 571-Zimmer-Hotel Radisson Blu Latvija. Dessen Konferenzzentrum fasst in 16 Räumen bis zu 2.500 Gäste. Im Sommer eröffnet Marriott sein AC Riga Hotel mit 439 qm Veranstaltungsfläche in sechs Räumen. Im Ballsaal des 5-Sterne-Grand-Hotels Kempinski Riga mit 141 Zimmern und fünf weiteren Räumen neben der Oper haben bis zu 300 Gäste Platz.

Ungewöhnlichere Venues hat das MEET-RIGA-Team um Direktor Aigars Smiltans ebenfalls im Portfolio. Sei es das ehemalige Heizkraftwerk, das wiederrichtete mittelalterliche Haus der Schwarzhäupter-Gilde, oder das Trainingszentrum der Air Baltic. Dort wird demnächst ein weiterer Flugsimulator für Airbus aufgestellt. Gerade erst hat die nationale Airline Stuttgart viermal wöchentlich in den Flugplan aufgenommen. Ab Frankfurt startet Air Baltic täglich, ab Düsseldorf täglich außer Samstag, außerdem ab Berlin, Hamburg und München. Insgesamt bedient die mehrfach für ihre Pünktlichkeit ausgezeichnete Gesellschaft ab Riga, Tallinn und Vilnius über 70 Ziele in Europa, Russland und dem Nahen Osten.

Knapp 20 Minuten von Rigas Flughafen entfernt liegen die breiten, weißen Strände des Seebades Jurmala. Dort vermietet Lettlands Universität die 1885 errichtete, neogotische Sommerresidenz Augusta Morbergs mit großem Garten für Firmenevents. Der Kurort ist ferner für seine historischen Holzvillen bekannt. Das moderne 5-Sterne-Hotel Baltic Beach glänzt direkt am Strand mit 165 Zimmern, mehr als 400 Spa-Behandlungen sowie 1.100 qm Fläche in zwölf flexiblen Räumen. Nur eine von vielen möglichen Aktivitäten im örtlichen Fischereimuseum ist Fischräuchern.

Wild und aromatisch. Das ist ein schönes Beispiel des leckeren Lettlands, wo viele Restaurants mit frischen, regionalen Zutaten kochen. Für Abwechslung sorgen Birken- und Ahornsaft, Rhabarber und Sauerampfer im Frühjahr, Moltebeeren, Sauerkirschen und Wels im Sommer, Steinpilze und Wildbret im Herbst sowie Roggenbrot, Rüben und Vogelbeeren im Winter.