CIM 2019/2 Destination

Magnetisches Lettland

// Christian Boergen

Vom 4. bis 8. April 2019 ist der MICE Peak erstmals in Osteuropa zu Gast. Kreative Gastgeber, tolle Venues und ein abwechslungsreiches Programm begeistern die Planer.

Organisator Peter Cramer und die Partner des MICE Peaks in Riga. Photo: CIM/C.Boergen

Tanz beim Galaabend in Rigas Schwarzhäupter-Haus. Photo: CIM/C.Boergen

Der Gipfel. Dass seine Teilnehmerliste nicht alphabetisch sortiert ist, kommentiert MICE-Peak-Organisator Peter Cramer (Panem et Circenses) mit: „Ich bin doch kein Event-Planer.“ Nach dem Empfang an Rigas Flughafen läuft für knapp 100 Gipfelstürmer in Lettland aber alles wie am Schnürchen. Hervorragend orchestriert, dafür sorgen Lettlands Investment- und Entwicklungsagentur LIAA, das Meet-Riga-Team um Direktor Aigars Smiltans, das Radisson Blu Latvija Conference & Spa Hotel sowie die DMCs Con-ex, Global Events Group und 3K Management.

„Das ganze Land ist unser größtes Venue, voller Incentive-Ideen“, erläutert 3K-Chef Edgars Kuzmans auf dem Weg nach Sigulda. Dieser führt durch einen sowjetischen Zivilschutzbunker in Ligatne, gebaut für die Partei- und Staatsführung im Falle eines Atomkriegs. Die Einrichtung aus den 1980er Jahren mit Wählscheibentelefonen ist original erhalten. Für zwei 50er-Gruppen gleichzeitig sind historische oder technische Führungen möglich. Stilecht genießen die Planer in der Sowjetkantine zum Wodkamariniertes Sardinenfilet mit Ei, Zwiebel und Schnittlauch.

„Außerhalb Rigas sind Wälder-Felder-Wälder typisch, ab und zu ein Haus“, so präsentiert Führerin Gitta ihre Heimat von der Größe Bayerns mit dem schnellsten Internet der EU. Wie Ligatne, liegt Sigulda im Gauja-Nationalpark. Dort führt kein Weg an der Bob- und Rodelbahn vorbei, die sommers wie winters in Betrieb ist. Für Educationals offeriert Kuzmans Olympiasieger, ergänzend zu Bobmitfahrten, Schneeschaufel-Rodeln oder dem Softbob „Vucko“. Erlebnisalternativen bieten die Schwertbrüder-Ordensburg Segewold mit großer Freilichtbühne und die Seilbahn mit Bungee.

Gipfelteilnehmer wie Saertex-Marketingchefin Gabriele Droste, Roadtrack-CEO Agnieszka Zwiefka und Euromicro-Direktor Konrad Klöckner führen nur Gespräche mit Partnern, bei denen das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht. Unterhaltsam gestalten sich die Gruppenpräsentationen.

„Kultur und Tradition“ ist das Motto für Aida, Alpine Sterling DMC Malta, die CBs von Den Haag, Finnland, Rotterdam, Sankt Gallen, das Wiener ACV und das Luxemburger ECC. Sie laden zum Quiz „1, 2 oder 3“. Alle hüpfen in Zahlenreihen, gewinnen und können sich am Werbeartikel-Büfett bedienen.

Die Spanier haben mit „Diversität und Kompetenz“ ein anspruchsvolles Thema erwischt. Tapfer kritisieren die Vertreter der Hotelgruppen NH und Palladium, des Hesperia Tower und des Villa Padierna Palace Hotels, der Tagungszentren Port Aventura und ICC Barcelona sowie der CBs Barcelonas und Valencias vielen Venues fehlende Pläne für Rollstühle. Deren Fahrer hätten in Kaffeepausen ein Augenhöhe-Problem. Gleichbehandeln der Geschlechter, Inklusion und Zugänglichkeit thematisiert diese Gruppe.

Den Vogel schießen jedoch die Gastgeber mit „Symbolen, Ritualen und Geschichte“ ab. „Wir gehen die Extrameile“ verspricht Silvija Freimane von Goal Events im Zeichen des Wissens und fließendem Deutsch. Allianz, BMW und Henkel zählen zu ihren Kunden. Janis Priede vom Radisson Blu Hotel Latvija wählt den Mond, weil dem die Skyline-Bar im 26. Stock so nahekommt. Bei lettischen Spezialitäten haben die Gipfelstürmer das Panorama bereits genossen.

Im Zeichen des Wohlbefindens preist Oleg Blinov das Wellness-Angebot von Jurmalas Baltic Beach Hotel. Neben der Sonne liebt Monta Kvjatkovska von Con-ex ihre Konferenz- und Incentivekunden, den Birkensaft und das Meer. Ganz leichtes Spiel hat Kristin Bernd von der pünktlichen Air Baltic, die als Carrier dieses MICE Peaks mit ihrer jungen Flotte im Zeichen des Sterns wachsen möchte.

Die Abendveranstaltungen sind echte Highlights. Im ehemaligen Heizkraftwerk reißt die Band Dagama mit zwei Cellisten und Klassikrock alle von den Stühlen. Ebenfalls, aber nicht bloß kulinarisch überzeugt die Gala im 1999 wieder errichteten Schwarzhäupter-Haus von 1334. Deutsche Truppen und die Sowjets hatten das tolle Venue Mitte des 20. Jahrhunderts zerstört.

Stickig geht es hingegen im Kleinen Saal von Rigas neobarockem Kino Splendid Palace zu, wo die Keynotes gehalten werden. Im engen Rund ist Colja Dams von Vok Dams der Star. „Ich lerne noch, vor Event-Zusagen das Team entscheiden zu lassen“, räumt der Agenturchef in Sachen agiles Management (CIM 4/2018, S. 90) ein. Bei Vok Dams seien inzwischen „60 Prozent der Prozesse agil“ und mehr als eine Drittel der Kunden frage gezielt nach agilen Momenten. Dams freut sich über weniger Briefings sowie um 20 Prozent reduzierte Kosten.

Auf Teilnehmerkenntnis setzt Florian Haselmayer von American Express: Technisch versierte Netzwerker bräuchten Listen vorab, Apps und „Speed Sessions“. Auch Wissenssucher seien App-geneigt sowie an Vorabstudien interessiert. Da gelte es, in den Hauptredner zu investieren, rät der Amex-Manager. „Sprecht nicht zu Inspirations‧suchern, sondern mit ihnen“, lautet ein weiterer Hinweis. „Soziale Schmetterlinge“ sind für Haselmeyer „einflussreiche Influencer“, die auf Interaktion, Unterhaltung und Freizeitaktivitäten stehen.

Vor „green and blue washing“ (Öko-Schwindel und sozialer Schönfärberei) warnt in Sachen CSR Tanja Knecht von der IMEX Group. Alles müsse doppelt gecheckt, per „Storytelling“ mit Mitarbeitern und Kunden als Botschaftern vermittelt und nachhaltig gelebt werden. „Niemals lügen“, ergänzt die PR-Expertin und sieht sich mit Kritik an der Nachhaltigkeit der IMEX America in Las Vegas konfrontiert.

Abschied von Lettland feiern die Gipfelstürmer am Flughafen-nahen Jurmala-Strand. Dort überzeugt Lauris Aleksejevs Restaurant „36. Line“ mit baltischem Sushi, Rot-Weiß-Rinderfilet und karamellisiertem Ziegenkäse.