CIM 2019/2 Fokus

Brücken bauen

// Julie Freeman

Auch die MICE-Branche bleibt vom Fachkräftemangel nicht verschont. Arbeitgeber kämpfen um (junge) Talente. Initiativen rund um Weiterbildung und Mentoring sollen Abhilfe schaffen.

Die TALENTpro berät Recruiter der Hotellerie. Photo: Klaus D. Wolf

Nachwuchs trifft Profis beim FBMA "Meet the Best". Photo: FBMA

Prof. Dr. Cornelia Zanger, TU Chemnitz. Photo: TU Chemnitz

Das IMEX-MPI-MCI Future Leaders Forum wurde 2003 gegründet. Photo: IMEX Group

Der Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften in der Event- und Messebranche wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Das prognostiziert eine neue Studie der TU Chemnitz, des Studieninstituts für Kommunikation und der Westfalenhallen Dortmund. Dank langer Arbeitszeiten und Wochenendschichten verliert die Branche an Attraktivität. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Nachwuchskräfte an ihren Arbeitgeber. Dieser wünscht sich wiederum Qualitäten, die eine akademische Ausbildung alleine nicht hervorbringt. Das Resultat: ein Mangel an Interesse und Qualifizierung seitens der Kandidaten und schließlich leere Stellen, die nicht besetzt werden können.

Diese Lücke gilt es zu überbrücken. Interne Weiterbildung spielt eine wichtige Rolle. „Momentan ist es nicht einfach, gute Leute zu finden. Wir planen hier grundsätzlich langfristig und setzen konsequent auf Ausbildung im eigenen Unternehmen“, sagt Markus Preußner, Vorstand des Münchner Professional Congress Organisers (PCO) Interplan. So unterstützt auch das Kuala Lumpur Convention Centre seine Teams mit einer E-Learning-Plattform beim Verbessern ihrer Fähigkeiten.

Sind passende Kandidaten für den Job gefunden, ist das Problem jedoch nicht unbedingt gelöst. Eine Studie des Personaldienstleisters Robert Half warnt vor Kündigungen innerhalb des ersten Monats. Dazu seien 91 Prozent der neuen Unternehmensangestellten bereit, sollte die Stelle ihren Erwartungen nicht entsprechen.

Auch Wolfgang Altenstrasser, Direktor Unternehmenskommunikation der Eventagentur Vok Dams, weiß dass Berufseinsteigern heute viel geboten werden muss: „Das hohe Maß an Eigenverantwortung ist gerade für die junge Zielgruppe ein wichtiger Faktor. Dazu gehören natürlich auch flexible Arbeitszeitgestaltung, intensive Feedback-Gespräche und die Möglichkeit beruflicher Weiterbildung.“ Das Einführen des agilen Managements erweise sich als erfolgreich.

Erfolgsstrategien im Management diskutierten im März 2019 knapp 1.700 Personalverantwortliche der Hotellerie beim Münchner Expo-Festival TALENTpro. Das „Agency Directors Forum“ am 20. Mai 2019, dem Vortag der IMEX Frankfurt, lädt Agenturchefs zum Austausch ein. Um die Kompetenzen der MICE-Einsteiger zu fördern, gibt es messebegleitende Aus- und Weiterbildungsangebote. Dazu zählen das IMEX-MPI-MCI Future Leaders Forum, die SITE Young Leaders Conference und das GCB Learning Lab. Diese Formate erleichtern Anfängern mit Workshops, Vorträgen und Networking-Möglichkeiten den Einstieg ins Berufsleben.

Startups, die mit frischen Ideen und innovativen Produkten überzeugen, treffen bei Messen auf potenzielle Investoren. Die amerikanische Professional Convention Management Association (PCMA) unterstützt Studenten und talentierte Fachkräfte mit Stipendien. Auszeichnungen wie der AIME Rising Star Award und der Deutsche Hotelnachwuchs-Preis ehren glänzende Leistungen. Wozu die junge Generation in der Lage ist, zeigt das Projekt Restaurant und Hotel Schloss Britz: Seit zehn Jahren wird es eigenständig von den Azubis des Berliner Estrels geleitet.

Neben Nachwuchskräften sollten auch erfahrene Talente im Arbeitsmarkt zum Quer- oder Neueinstieg ermutigt werden: Berufsbegleitende Ausbildungsangebote an der TU Chemnitz sowie der Internationalen Event- und Congress Akademie in Mannheim bieten Möglichkeiten. Das Pilotprogramm step2mice des Erasmus+-Konsortiums „Event Industry Integration“ fördert das Beschäftigen und Integrieren von Geflüchteten, Migranten und ausländischen Arbeitskräften in der Meeting-Branche.

Diskrepanzen zwischen Jung und Alt spielen heute im Arbeitsalltag eine gewichtige Rolle. Beim Brückenbauen hilft ein Mentoring-Programm: Neueinsteiger werden von erfahrenen Branchenexperten unterstützt. Beim „Reverse-Mentoring“ funktioniert das umgekehrt. „In dieser hart umkämpften Branche können wir diejenigen, die eine persönliche Betreuung wollen, mit Mitgliedern zusammenbringen, die einmal in derselben Lage waren und bereit sind, sie unter ihre Fittiche zu nehmen”, so Purvi Panwala von der Asian American Hotel Owners Association über das AAHOA-„Mentor Match Programm“.

Ähnliche Initiativen bieten das europäische Mentorprogramm der Hospitality Sales and Marketing Association International (HSMAI) und das Londoner MICE-Mentoring-Progamm „Elevate“. Unter dem Motto „Meet the best“ vereint die Food & Beverage Management Association FBMA im Mai Hospitality-Nachwuchs und Brancheninsider im Europa-Park Rust.

Prof. Dr. Cornelia Zanger, Leiterin des Fachbereichs Eventforschung an der TU Chemnitz, ist optimistisch, dass die MICE-Branche den Fachkräftemangel bekämpfen kann. Als Strategie empfiehlt sie vor allem eine gezielte Personalentwicklung und -bindung: „Die Event-und Messebranche ist eine sich dynamisch entwickelnde Branche, die moderne und spannende Arbeitsaufgaben bietet und hervorragende Karrierechancen für die Zukunft bereithält.“