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Es muss nun schnell vorangehen

// Johanna Müdicken

Barbara Weizsäcker, Generalsekretärin der European Exhibition Industry Alliance (EEIA), vertritt in Brüssel die Interessen der europäischen Messewirtschaft.

Barbara Weizsäcker ist seit 2012 General­sekretärin des europäischen Messeverbands European Major Exhibition Centres Association (EMECA) und der European Exhibition Industry Alliance (EEIA). Photo: Barbara Weizsäcker

CIM: Frau Weizsäcker, mit welcher Strategie ist die europäische Messewirtschaft der Corona-Krise begegnet?

Barbara Weizsäcker: Die europäische Messewirtschaft hat sich von Beginn der Pandemie an solidarisch unterstützend eingebracht, mit Covid-Krankenhäusern oder anderer logistischer Hilfe, dann mit Test-Zentren und aktuell sind viele Impfzentren an Messe- oder Kongresszentren eingerichtet. Parallel haben alle Player der Messewirtschaft proaktiv und kollaborativ an Corona-konformen Health and Safety-Konzepten gearbeitet, um sichere Veranstaltungen schnell wieder zu ermöglichen. Enge Kontakte mit der Politik und Administration auf EU-, nationaler und lokaler Ebene führten zu einem positiven Austausch und einem Grundverständnis für die Rolle, Bedeutung und Bedürfnisse von Messezentren, Veranstaltern und aller beteiligter Dienstleister. Mit Verlauf der Pandemie wurde das Bild in Bezug auf Öffnungsperspektiven allerdings diverser und nach einem kurzen Lichtblick im Herbst befinden wir uns inzwischen in der dritten Welle wieder in einer Situation, in der alle Veranstaltungen untersagt sind.

Messen wurden zunächst verschoben, viele dann doch abgesagt, was zu Komplikationen in den Messekalendern führte. Dies wiederholt sich nun 2021. Nachdem zunächst der Fokus auf einer schnellen Wiederöffnung lag, bestimmen die digitalen Messe- und Konferenz-Angebote für die Kunden der jeweiligen Branchen die Agenda sowie der Kampf um finanzielle Lösungen und Hilfen – inzwischen für viele eine Frage des Überlebens.

Da nun die Impfungen an Fahrt aufnehmen, unterstützen wir alle Initiativen, die sichere (Geschäfts-)Reisen innerhalb der EU sowie international wieder möglich machen, sowohl auf regulatorischer wie auch auf praktischer Ebene. Unsere Kunden brauchen Klarheit über die Reisebedingungen, nur so können die Veranstalter für den Herbst planen.
 

Für die europäische Wirtschaft spielen Messen eine bedeutende Rolle. Spiegeln die bisher genehmigten EU-Beihilfen für die Branche diese Relevanz wider?

Man muss zunächst erklären, dass staatliche Beihilfen immer von den einzelnen Mitgliedstaaten getätigt werden, die EU-Kommission muss diesen zustimmen. Die EU hat schnell einen befristeten Rahmen für staatliche Beihilfen zur Stützung der Wirtschaft erlassen, diesen mehrfach erweitert und verlängert, sowie verschiedene Finanzierungshilfen für die Mitgliedsstaaten zur Verfügung gestellt. Die beantragten Beihilfen werden sehr schnell freigegeben.

Allerdings entspricht die Unterstützung für die Messewirtschaft in den meisten Ländern Europas in keiner Weise der Bedeutung der Branche und dem tatsächlichen Bedarf – 2020 hat die Europäische Messewirtschaft 68 % des Vorjahresumsatzes verloren. 2021 droht ähnlich desaströs zu werden. Währenddessen investieren Gelände und Veranstalter derzeit in die digitalen Veranstaltungstools und in die Health and Safety-Maßnahmen vor Ort. Der Finanzierungsbedarf ist also hoch, damit die Messebranche – vor Ort, hybrid oder digital – ihren entscheidenden Beitrag zum Wiederaufbau leisten kann!
 

Die EU-Kommission hat die Einführung eines digitalen grünen Zertifikats vorgeschlagen, um Reisen in der EU zu erleichtern. Ist dies das Zeichen für den Restart der europäischen Messewirtschaft?

Das hoffen wir sehr und drängen auf schnelle Verabschiedung der Verordnung wie auch auf die technische Umsetzung, die parallel dazu schon anläuft. Das wichtigste Instrument sind aber die Impfkampagne und die gegenseitige Anerkennung der Impfungen und Tests. Das „Green Certificate“ wird ja nur ein Nachweis dafür sein, die Reisebedingungen werden separat festgelegt. Es muss nun schnell vorangehen, damit wieder Messen mit europäischer und internationaler Beteiligung stattfinden können.
 

Auch mit erleichterten Reisebedingungen bleiben länderspezifische Vorgaben bestehen. Brauchen wir auch hier eine einheitliche europäische Vorgehensweise?

Die EU-Kommission hat ganz konkrete Vorschläge für ein harmonisiertes Vorgehen und klare europaweit gültige Regeln gemacht. So definiert sie auch die Einreise zu Messen von außerhalb der EU als „essential travel“ und plant die Einreise für alle Geimpften ab Inkrafttreten des Green Certificate. Die Umsetzung der Empfehlungen liegt aber auch hier wieder auf der Ebene der Mitgliedsstaaten, die sich aktuell noch keinem einheitlichen Vorgehen anschließen wollen. Die EU hat in diesem Feld kein Durchgriffsrecht. Spanien beispielsweise wird allen internationalen Teilnehmern des Mobile World Congress im Juni in Barcelona die Einreise ermöglichen, im Kontext von Test-Szenarien. Länder, deren Einnahmen vom Tourismus abhängen, werden für die Sommersaison gute Reisebedingungen schaffen, aktuell prescht beispielsweise Griechenland vor. Dies erhöht den Druck auf alle anderen Staaten und führt hoffentlich – so es das Pandemiegeschehen zulässt – zu einer höheren Bereitschaft, die Regeln anzupassen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Weizsäcker!