CIM 2020/5 Fokus

Licht und Schatten

// Katharina Brauer

Das Gebot sozialer Distanz verstärkt das Bedürfnis nach Vernetzung. Branchenverbände, virtuelle Events und Apps bestärken die Verbundenheit der Veranstaltungsindustrie.

Gemeinsam stark: Studienreise „Grenzenloses Eventdesign“, Bodensee, 2019 Photo: Thomas Loris

In einem Boot. „Niemand ist sicher, so‧lange wir nicht alle sicher sind“, lautete das Resümee des 12. World Health Summits (WHS), der vom 25. bis 27. Oktober 2020 online mehr als 6.000 Teilnehmende aus über 100 Ländern mobilisiert hat. „Nur wenn wir eng zusammenarbeiten, können wir die Krise überwinden, nur gemeinsam können wir globale Gesundheit verbessern, unser großes, gemeinsames Ziel“, betonte WHS-Präsident Detlev Ganten. Der Pharmakologe und frühere Vorstandschef der Charité in Berlin unterstrich die WHS-Kernbotschaft: „Bildung ist die beste Prävention“. Wer die Infektionswege versteht, hält physische Distanz.

Die von dieser notwendigen Distanz‧regel massiv getroffene Veranstaltungs‧industrie bekennt sich zu ihren gemeinsamen Zielen und spricht mit einer Stimme bei der konzertierten Aktion #AlarmstufeRot am 28. Oktober 2020 in Berlin.

Für die globale Business Events-Industrie formuliert das aus 18 weltweiten Branchenverbänden bestehende Netzwerk Joint Meeting Industry Council (JMIC) in ihrem im Juli 2020 veröffentlichten Meetings Industry „Manifesto“, welchen Beitrag die Branche für die ökonomische Erholung und die gesellschaftliche Erneuerung in der Post-Corona-Ära leisten kann. „Wir haben jetzt die Gelegenheit, Regierungen nicht nur den direkten wirtschaftliche Nutzen von Business Events, sondern auch deren langfristiges Vermächtnis für die Wissensgesellschaft in ihrer Destination zu erklären“, erläutert Imex-CEO Carina Bauer in einem Webinar zum JMIC Manifesto. Die Business Events-Industrie hat das Potential, der Gesellschaft Impulse zu geben für ihren aufgrund der Pandemie notwendigen Transformationsprozess.

Der gemeinsame Auftritt der deutschen Repräsentanzen von zwölf Kongress- und Event-Destinationen aus Europa, Asien, Südamerika, Afrika und dem Mittleren ‧Osten ist das Anliegen der Plattform Destinations Circle. Planer internationaler Ver‧anstaltungen konnten sich am 25. November 2020 auf der ersten virtuellen MICE Plattform über aktuelle Angebote und Neuigkeiten der zwölf Partner online informieren.

Auch die Locations Messe Rhein-Main-Neckar ist am 4. und 5. November 2020 rein virtuell im digital Twin des Mannheimer Congress Centers Rosengarten über die Bühne gegangen. „Wir zeigen gemeinsam mit den Ausstellern und Partnern, dass es Messe- und Veranstaltungskonzepte gibt, die im Rahmen der geltenden Regeln auch weiter funktionieren können“, erklärt Veranstalterin Nicole Stegmann. „Die virtuell nachgebaute Rosengartenwelt hat ein perfektes Messe-Feeling suggeriert und mir erlaubt, als Avatar Kontakte zu machen und mich an live stattfindenden Chat-Gruppen zu beteiligen“, erzählt Silke Fontius. Die Referentin des Convention Bureaus Rhein-Neckar verbucht die Locations, sowohl für den eigenen Stand als auch für die Stände von zwölf CVB-Partnern, als Erfolg.

„Die Corona-Krise hat den Zusammenhalt der Mitglieder sowie unser Netzwerk definitiv gestärkt. Zum positiven Umgang hat auch die intensivere Kommunikation mit virtuellem Austausch alle drei Wochen beigetragen“, sagt Fontius. So konnte das CVB Rhein-Neckar seit Beginn der Pandemie sogar vier neue Mitglieder begrüßen.

Dass der Netzwerk-Spirit in Zeiten von Social Distancing einen sehr hohen Stellenwert hat, zeigt der von der Munich Congress Alliance und Landeshauptstadt München veranstaltete ProfTreff 2020. Am 6. Oktober 2020 haben sich im Münchner ‧Kino Gloria-Palast 80 Wissenschaftler und Ver‧treter der Münchner Kongressindustrie vor Ort getroffen, während 100 Teilnehmende virtuell zu Gast waren. Die unter dem Motto „Zukunft.Jetzt. Live trifft Digital“ organisierte Veranstaltung hat Trendhouse Event Marketing initiiert.

Das in Kooperation mit dem Anbieter Eventmobi organisierte 2. Female Future Festival, das ursprünglich bereits im März 2020 in Bregenz stattfinden sollte, hat als rein virtuelles Event am 1. Oktober 2020 600 Teil‧nehmerinnen mobilisiert. Bei dem größten Event für Frauen in Österreich, das Job-Chancen, Zukunft, Innovation und Karriere in den Blick nimmt, erfolgte die Ver‧netzung der Teilnehmenden mithilfe der App „Events Vorarlberg“. Bereitgestellt ‧wurde die App von Convention Partner Vorarlberg, der damit „sinnstiftende Begegnungen ermöglichen“ will, erklärt Geschäftsführer Urs Treuthardt. Conv‧en‧tion Partner Vorarlberg ist Mitglied im Netzwerk BodenseeMeeting, das den gemeinsamen MICE-Spirit in seinen Forschungsmodulen Micelab:explorer vorantreibt und den Anforderungen des geänderten Zeitgeists anpasst.

Die Resultate der dritten Explorer-Ver‧anstaltung sind in das Micelab:extract „Ich & Wir“ eingeflossen, das jetzt als Buch vorliegt. Darin erörtert Micelab:bodensee-Kurator Michael Gleich die Fragen, wie Druckerhöhung ein Wir-System verändert, und ob sich ein Wir-Gefühl auch in virtuellen Räumen herstellen lässt. „Corona sorgte für mehr Licht und mehr Schatten gleichzeitig“, so sein vorläufiges Resümee.