CIM 2019/6 Fokus

Pro Gast: 176,7 kg CO2

// Johanna Müdicken

Die vielschichtige Welt der Veranstaltungen mit all ihren Beteiligten hat ihren Anteil an der komplexen Klimakrise. Die Branche muss – und will – Verantwortung übernehmen.

SDG-Unterstützer treffen sich im Mai beim SDG Global Festival of ACtion in Bonn. Photo: SDG Global Festival of Action/alesse Nunes

Photo: United Nations Sustainable Developement Goals - Time for Global Action for People and Planet.

Jürgen May, CEO und Inhaber von 2bdifferent. Photo: 2bdifferent

Die Zeit drängt. „Die Wissenschaft sagt uns, dass wir auf unserem derzeitigen Weg bis zum Ende des Jahrhunderts mit einer Erderwärmung von mindestens drei Grad rechnen müssen“, mahnt UN-Generalsekretär António Guterres im September auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen (UN) in New York.

Eine außerordentlich deut­liche Botschaft, gehen Forscher doch bereits ab einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad von weitreichenden Risiken für Mensch und Natur aus. Damit elementare Klimaschäden vermieden und unser Lebensraum geschützt wird, müssten, nach Schätzungen der UN, die Länder dieser Welt ihre Anstrengungen um das Drei- bis Fünffache verstärken.

Die Branche ist hier nicht die Ausnahme. Im Gegenteil: Nach den Untersuchungen der Event­agentur MeetGreen und des Eventmanagerblogs produziert der Eventteilnehmer im Schnitt pro Tag 176,7 kg an CO2-Emis­sionen. Bei einer durchschnitt­lichen, dreitägigen nationalen Veranstaltung mit 1.000 Personen entspricht das 530 t CO2.

Folgerichtig ist beim Klimagipfel 2019 erstmals auch über Verpflichtungen der globalen Eventindustrie gesprochen worden, initiiert von Fiona Pelham, der engagierten CEO von Positive Impact Events. Mit viel Leidenschaft will sie dazu beitragen, die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (UN SDGs) zu erreichen (siehe auch Seite 82). In 2015 verabschiedet, sollen diese bis 2030 umgesetzt sein. Neben Bildung und die Korruptionsbekämpfung stehen der Schutz der Umwelt und des Klimas ganz klar im Vordergrund.

Wie sehr nachhaltiges Handeln auch im Kundenfokus steht, zeigt die aktuelle Untersuchung „Meeting Room of the Future“ der International Association of Conference Centres (IACC). Dort geben 62 Prozent der befragten Eventmanager an, dass sie beispielsweise vor dem Buchen einer Location prüfen, was mit überschüssigen Lebensmitteln geschieht. Jüngste Ergebnisse des GCB Meeting- und Event­barometers zeigen, dass bei Anbietern immer häufiger Nachhaltigkeits-Managementsysteme zum Einsatz kommen: plus 13 Prozent in acht Jahren, das ist ein Anstieg von 27 auf 40 Prozent.

Zusammenhänge lassen sich mit der EU-weiten Berichts­pflicht für die Corporate-Social-Responsibility (CSR) herstellen: Seit 2017 müssen große börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen nachhal­tiges Wirtschaften transparent machen. Die Branchen-Dienstleister, wie Hotels oder Catering-Firmen, sind somit aufgrund von Kunden-Anforderungen indirekt betroffen.

„Die Nachhaltigkeit der Meetingindustrie steht 2020 im Vordergrund der Überlegungen von Firmen und Planern“, weiß Derek Sharp, Senior Vizepräsident und Geschäftsführer CWT Meetings & Events. Katalysiert würde diese Entwicklung auch von der kommenden Generation, den Millennials. Diese werde ab 2024 die größte Gruppe der Geschäfts­reisenden stellen, mit einem gewachsenen Anspruch auf gute Nachhaltigkeit.

Mit dem Ziel, bis 2050 klima­neutral zu sein, könnte das zur „Green Capital 2019“ gekürte Oslo zum bevorzugten Aus­tragungsort werden. Schon derzeit verzeichnet das Convention Bureau steigende Nachfrage. Wenig überraschend für Guy Bigwood, dem Geschäftsführer des Global Destination Sus­tain­ability (GDS) Index. Bigwood ist sicher: „Angetrieben durch sorgenvolle Studenten, Bürger, Kommunen und Unternehmen bricht eine neue Ära der Nachhaltigkeit an und wird jeden Winkel der Veranstaltungsbranche erfassen.“

Der GDS-Index, gegründet und unterstützt von IMEX, MCI, ICCA und ECM, misst und listet Destinationen in puncto Nachhaltigkeit. Bewertet werden ökologische, soziale und ökonomische Elemente. An der Spitze des Indexes steht 2019 zum vierten Mal in Folge Göteborg. Anlauf nimmt das Berlin Convention Office (BCO): Das Team hat nun das Ziel, im GDS-Index zu erscheinen. Somit richtet das BCO mit „Sustainable Meetings Berlin“ das Scheinwerferlicht auf die nachhaltige Entwicklung. Zusammen mit seinen Partnern will das BCO erreichen, dass sich die Akteure der deutschen Hauptstadt zu einer rundum grünen Eventplanung verpflichten.

„Es genügt nicht, nur einzelne Events nachhaltig zu gestalten“, betonen Luisa Mentz und Kyra Reiter von Sustainable Meetings Berlin. „Alle Veranstalter sowie ausnahmslos alle Dienstleister, von der Agentur über die Hotels bis hin zum Caterer, müssen nachhaltig arbeiten.“

                                                            

„Wer bei Events, insbesondere bei Messen, hinter den Kulissen arbeitet, weiß wie viel Abfall sich ansammelt. Hier erfolgt nur sehr selten ein verantwortungsbewusster Umgang mit Rohstoffen und deren Wiederverwertung. Gleiches gilt für die Lebensmittelverschwendung beim Catering. Bei einer Veranstaltung werden bei konventioneller Planung über 30 kg Speisen pro 100 Personen vernichtet. Deshalb sehe ich alle in der Veranstaltungswirtschaft Tätigen mit in der Verantwortung, ihren Beitrag für den Klimaschutz zu leisten.“ Jürgen May, CEO und Inhaber von 2bdifferent