CIM 2019/2 Industrie

Digitaler und emotionaler

// Christian Boergen

Der EVVC holt Carsten Müller in den Vorstand und startet Phase drei des Future Meeting Rooms. Der Hirnforscher Dr. Hans-Georg Häusel empfiehlt einfache Lösungen.

Abends feiert die EVVC-Familie im Depot 1899. (Photo: EVVC)

Wieder komplett ist der Vorstand des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren (EVVC). Einstimmig wählen 56 Stimmberechtigte bei der Jahreshauptversammlung am 3. April 2019 Jenakultur-Geschäftsführer Carsten Müller zum Nachfolger Uwe Leitermanns, der die Branche verlassen hat. Damit verbunden ist ein neuer Ressortzuschnitt. Statt Marketing verantwortet Müller nun Kommunikation und Digitalisierung, worauf er nach eigenen Worten „echt Bock“ hat. In diesem Bereich tut sich beim EVVC sehr viel. Nach dem Wechsel des Buchhaltungssystems mit Perspektive „Reporting statt Excel-Tabellen“, ist der Relaunch der Webseite in Arbeit.

Räume werden künftig über eine Online-Plattform gebucht, erwartet Ilona Jarabek. Seit zehn Monaten EVVC-Präsidentin, steuert die Geschäftsführerin der MuK Lübeck einen klaren Kurs: „Terroranschläge in Neuseeland und Utrecht, Naturkatastrophen in Indonesien und Mozambik, die Grundrechte in Polen, Ungarn und der Türkei sowie der Brexit – das berührt und bewegt uns. Wir stehen für Weltoffenheit und Begegnung – egal, ob Kongresshalle, Arena oder kleines Bürgerhaus.“ Jarabek vertritt 327 Mitglieder und 750 Locations sowie 69 Partnerfirmen.

Gastgeber Michael Biwer, Bereichsleiter Entertainment der Messe Frankfurt, denkt darüber nach, weitere Veranstaltungen im Rahmen der Prolight + Sound an die EVVC-Jahreshauptversammlung anzudocken. Ausgerechnet die Tontechnik im Saal findet bei Jarabek und ihren Mitgliedern wenig Anklang. Umso mehr Zustimmung erntet der neue EVVC-Geschäftsführer Timo Feuerbach (siehe Interview auf S. 54, mehr hier).

Mit GCB-Chef Matthias Schultze präsentiert er Phase 3 des Projekts Future Meeting Space mit dem Fraunhofer Institut. Deren Forschungsziele werden aktuell definiert. Dem Kick-off im Juli 2019 in Berlin folgen weitere Forschungstreffen bis zur Abschlusstagung im Herbst 2020. „Zukunftsfähige Raumkonzepte für die grenzenlose Kommunikation im Digitalzeitalter entwickeln“, lautet das Ziel. Weil räumlich verteilte Kongresse verstärkt gefragt sind, findet die Abschlusstagung voraussichtlich an drei Standorten auf verschiedenen Kontinenten statt.

Die Welt entwickelt sich nicht weiter, unterstreicht Keynoter und Neuromarketing-Experte Dr. Hans-Georg Häusel mit Fotos von Donald Trump und Schimpansen. Unbewusst fielen 70 bis 80 Prozent aller Entscheidungen, „selbst der Rest bewegt sich im emotionalen Bereich“, so der Hirnforscher. Was keine Emotionen auslöse, bleibe „bedeutungslos – und die Menschen in der digitalen Welt werden ungeduldiger“. Der Buchautor („Brain View“) hat sich die Webseiten des EVVC und seiner Mitglieder angesehen. Sein Fazit: „Zu viel Info, das Hirn kotzt!“ Häusel rät zu mehr Emotion und Organisation, „aber haltet es so einfach wie möglich.“

Wenn der Vertrag mit Dr. Hubert Koch als Berliner EVVC-Lobbyist zum Jahresende ausläuft, werden Jarabek und Feuerbach in der Hauptstadt stärker Flagge zeigen.

„Fokussierung und auf den Kern dessen besinnen, was die Mitglieder brauchen“, ist die neue Linie des EVVC-Vorstands. Die nächsten Fachtagungen finden vom 15. bis 17. September 2019 im Mannheimer Rosengarten sowie vom 20. bis 22. September 2020 in Dortmund statt. Die Meeting Experts Conference (Mexcon) gastiert vom 29. bis 30. Juni 2020 im neuen hub27 der Messe Berlin.