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FAMA Messefachtagung war in Dresden zu Gast

// CIM-Redaktion, ks

Neues Selbstbewusstsein: Messen zwischen digitaler Transformation und mehr Live-Erlebnissen. FAMA-Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Erbel: „Messen werden zwar ihr Gesicht verändern, in ihrer Bedeutung aber nicht an Gewicht verlieren.“

Screenshot: www.fama.de

Dresden. Ziemlich beste Freunde waren die zwei lange Zeit nicht. Ob sie es jemals werden? Auch das ist ungewiss. Zumindest nähern sich beide „Welten“ an – die analoge und die digitale: Deutlich sachlicher, deutlich produktiver und vor allem ohne die ursprüngliche Attitüde, eine digitale Hegemonie gegenüber allen analogen Medien einnehmen zu müssen. Das war nicht immer so.

Denn als vor inzwischen 20 Jahren der aus Bits & Bytes erschaffene Prometheus auf die Erde kam, tat er es mit einem Heilsversprechen und einer Prophetie, die im Kern eine Kampfansage war: Das Ende der analogen Medien, zu der auch die digitale Überwindung physisch existierender Messen und Veranstaltungen zählte. Wer das Platzen der ersten Dotcom-Blase erlebt hat, der weiß, wohin viele dieser Phantasmagorien der Allmacht führten.

Und heute? Wer die FAMA-Messefachtagung besucht hat, die auf Einladung der Messe Dresden am 1. und 2. Juli in der sächsischen Landeshauptstadt stattgefunden hat, der bekam ein sehr eindrückliches Bild davon, mit wieviel neuem Selbstbewusstsein sich die im FAMA organisierten Messeunternehmen aktuell entwickeln. Von Verlustängsten war bei den mehr als 200 Tagungsteilnehmern jedenfalls nichts zu spüren.  

Speziell der Markt für B2B-Messen entwickelt dynamisch. Messen behaupten hier mit Erfolg ihren Anspruch, Weltmärkte auf Zeit zu veranstalten und internationalen Märkten ein reales Gesicht zu geben. Hier hat sich nach Einschätzung zahlreicher Tagungsteilnehmer der Abstand zu digitalen Vermarktungsformen zugunsten der Messen eher vergrößert als verkleinert. Das unterstreicht auch der FAMA-Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Erbel: „Messen werden zwar ihr Gesicht verändern, in ihrer Bedeutung aber nicht an Gewicht verlieren.“

Die Messe der Zukunft, sie wird sich also nicht in Pixel auflösen. Der analoge HUB bleibt bestehen. Aber es wird eine deutlich stärkere Verzahnung von Onsite-Veranstaltungen und Online-Aktivitäten geben.  Denn wer – wie Amazon, Facebook, Google & Co. – nicht digital geboren ist, für den spielt die digitale Transformation eine besondere Rolle, wenn es darum geht, Prozesse im digitalen Workflow neu zu definieren, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Kundenkommunikation neu auszurichten.  Wieviel Big Data ist im Messegeschäft bereits heute Realität? Wie haben sich Touchpoints in der Customer Journey geändert? Wie gelingt es, das singuläre off-Ereignis Messe zeiträumlich ins „on“ zu verlängern? Und wie agil müssen Messeorganisationen in Zukunft sein?

Ein Themenkreis, der speziell am ersten Tag der Messefachtagung in Keynotes und Podien intensiv diskutiert wurde. Einerseits mit der Einschätzung, dass Messen auf ihrem Weg der digitalen Transformation deutliche Schritte nach vorne gemacht haben, wenn es darum geht, Warenwelten zu digitalisieren und zunehmend größer werdende Teile des gesamten Wertschöpfungs-, Vermarktungs- und Serviceprozess abzubilden.

Andererseits aber auch mit der durchaus bangen Frage, wie sich Messen, speziell im B2C-Bereich verändern (müssen), wenn die Generationen Y nachrückt. Was wissen wir über Millennials wirklich? Über ihr Kommunikationsverhalten, über ihre Erwartungen an Events und ihre Vorstellungen von Live-Erlebnissen? So viel steht fest: Messen werden dafür ein neues Narrativ brauchen, das immer weniger über die Tradition definiert. Auch Messen werden sich dem Signum der Moderne zu stellen haben, dass sie nie ihr Ende erreicht. Das Offene, sich Wandelnde ist ihr Charakteristikum.

Die nächste FAMA-Messefachtagung findet mit dem B2C-Competence-Day am 25./26. November 2019 in der Messe Essen statt.