CIM MagazineCIM 2020/5 Industrie

Hybrid ist gekommen, um zu bleiben

// David Friedrich-Schmidt

Was für eine 180-Grad-Wendung! Aus einer Worthülse ist Wirklichkeit geworden, die funktioniert, beliebt ist und einen Großteil der Bedürfnisse der Teilnehmenden abdeckt. Ein Plädoyer.

David Friedrich-Schmidt,Leiter Projekte & Administration,Deutsche Gesellschaft für Neurologie Photo: DGN

Endlich hybrid. Zu Beginn der Pandemie, als wir unsere Events alle auf online umstellten, telefonierte die Branche viel miteinander. Ein Telefonat blieb mir im Gedächtnis: „David, wenn die Pandemie vorbei ist, wird es kaum Einfluss auf unsere Kongresse gegeben haben. Die finden weiterhin ohne große Änderungen statt!“ Wären wir im Fußball, würde es für derartige Aussagen einen Platzverweis oder mindestens eine rote Karte geben. Wer bis heute nicht verstanden hat, wie man mit sinnvollen Online-Formaten auch sehr gutes Geld verdienen kann, der hat nicht nur die Pandemie verschlafen, sondern vermutlich auch die letzten 20 Jahre.

Es wird nach der Pandemie weiter Präsenzveranstaltungen geben. Die Menschen sehnen sich danach und der persönliche Austausch, Emotionen, Mimik und Gestik sind online nur sehr schwer transportierbar. Und dennoch wird es immer Menschen geben, die zwar am Content interessiert sind, aber nicht zum Event kommen können oder wollen. Niedergelassene Ärzte, die für eine Kongressteilnahme mal drei Tage die Praxis schließen müssten. Kliniker, die in ihren Häusern die Stellung halten, weil eben nicht alle zum Kongress fahren können. Oder Menschen, denen Online-Content reicht und die auf Zwischenmenschlichkeit nicht so abfahren – für alldiejenigen sind hybride Events eine echte Alternative. Das setzt natürlich voraus, dass konsequent alles, was vor Ort geboten wird, live gestreamt und im Anschluss verfügbar ist.
 

Und wir können unsere Events mal richtig ausmisten: Kongresse mit bis zu 20 paral‧lelen Sessions sind teilnehmerunfreundlich. Beschränken wir uns auf wenige Live-Sessions, überführen wir Fortbildungen konsequent in die Online-Welt, weil sie dort gut funktionieren, und lassen wir die aus persönlicher Eitelkeit ins Programm auf‧genommenen Sessions einfach sterben. Geben wir den Teilnehmenden mehr Raum für Networking und Austausch. Noch nie gab es einen besseren Zeitpunkt als jetzt. Seien wir mutig!