Industrie

PFF wird noch internationaler

Datenschutz, Preisgestaltung medizinischer Kongresse sowie die Zusammenarbeit aller Branchen-Stakeholder standen auf der Agenda des Pharma FortbildungsForums in Konstanz.

Das 34. PFF organisiert den Austausch aller Branchen-Stakeholder. Photo: CIM/Katharina Brauer

Rhein- und Einblick. Das 34. Pharma Fortbildungs-Forum (PFF) tagt am 3. und 4. Juli 2018 im Bodenseeforum Konstanz. Gastgeber Jochen A. Lohmar bietet den 60 Delegierten, neben den lichten Räumlichkeiten in Konstanz, engagierte Expertise im Bereich Veranstaltungsplanung. „Unser Team hat gerade ein Training der Event-Canvas-Methode absolviert, so dass wir unseren Gästen maßgeschneiderte Lösungen anbieten können“, so Lohmar.

Dr. Mandy Risch-Kerst, Event Lawyers, Berlin, erläutert die Regeln der EU Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO), die seit dem 25. Mai verbindlich gilt. „Geh-Spräche“ am Rhein- und Bodenseeufer bieten Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Die Experten beschäftigen drängende Fragen zum Pharmakodex.

Ein Update gibt der aus Brüssel zugeschaltete Dr. Holger Diener, Geschäftsführer der „Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie“ (FSA). Er begrüßt die allgemeine Versachlichung der Diskussion. Diener mahnt, den durch Unternehmen unterstützten Wissenstransfer strafrechtlich abzusichern und transparent zu gestalten. Einblicke in die Regularien des internationalen Marktes geben Dr. Cerstin Steindorf, Direktorin MCI Global Healthcare, und Dr. Christian-Claus Roth, Novartis Pharma und Co-Präsident der International Pharmaceutical Congress Advisory Association (IPCAA).

Den 33 verschiedenen, derzeit in Europa geltenden Pharmacodes übergeordnet ist der Code der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EF-PIA). „Die Komplexität nimmt derzeit massiv zu. Die Länder beginnen, eigene Regeln zu etablieren. Kompliziert wird das Einordnen grenzübergreifender medizinischer Veranstaltungen“, konstatiert Roth. Welche Ländercodes für die einzelnen Stakeholder gelten, erläutert Dr. Cerstin Steindorf. „Gut gemeinte Aufmerksamkeiten können zu großen Compliance-Problemen führen. In Welcome Packs dürfen jetzt keine Stadtpläne mehr inkludiert werden, da es nicht darum geht, Teilnehmern touristische Attraktionen schmackhaft zu machen“, so die Expertin. Dies provoziert eine Wortmeldung von Bastian Fiedler, m:con mannheim:congress. Er fragt, ob sich Delegierte nun nicht einmal mehr orientieren dürfen.

Die Preisgestaltung medizinischer Kongresse ist Thema einer Podiumsdiskussion. Nicht zuletzt hohe Hotelpreise in Wiesbaden haben dazu geführt, dass der Internisten-Kongress um einen Tag verkürzt wurde. „Ärzte werden sich daran gewöhnen müssen, Fortbildungen mehr und mehr selbst zu bezahlen“, urteilt Maximilian Broglie, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin. „Drei Tage Minimum-Aufenthalt sind Vergangenheit. Die Hotellerie wird sich auf indivi duelle Buchungen einstellen müssen“, pflichtet ihm Bastian Fiedler bei.

„Dass der Kongressgast nur noch eine Nacht bleibt, wird die Hotellerie vor große Herausforderungen stellen“, vertritt Ulrich Schreiber, Atlantic Congress Hotel Messe Essen, die Hotellerie. Eine Belegung von 60 Prozent sei für sein Haus bereits ein sehr gutes Jahr. Fabienne Wild, Ashfield Healthcare, macht viele Zwischenagenten mitverantwortlich für überteuerte Hotelpreise.

Wie gut die Umsetzung der neuen EU-DSGVO bei verschiedenen Branchen-Stakeholdern funktioniert, können diese in einem Workshop testen. Den Wissensinput liefert Dr. Mandy Risch-Kerst in ihrem Vortrag „Best Practice und Erarbeitung von Guidelines zur Umsetzung der EU-DSGVO“. Sehr aufmerksam nehmen die Teilnehmer ihre Ausführungen zur „Königsklausel“ „Berechtigtes Interesse“ zur Kenntnis. „Allen Teilnehmern an unserem Kongress der letzten fünf Jahre den Newsletter zuzuschicken, ist ein berechtigtes Interesse“, so David Friedrich Schmidt, Deutsche Neurologische Gesellschaft. „Die Feststellung der Berechtigung eines Interesses liegt in der Zweckbindung“, präzisiert Dr. Risch-Kerst. Wichtig ist, den Kunden bei Erstkontakten zu informieren und ihm Widerspruchsrechte zu ermöglichen, etwa mit der Frage, ob er namentlich auf der Teilnehmerliste stehen möchte.

Die optimierte Zusammenarbeit aller Branchen-Stakeholder liegt PFF-Organisatorin Daniela Thom sehr am Herzen. Deshalb werden die Ergebnisse der Workshops vom 33. PFF am 6. Dezember 2017 erneut analysiert. Dr. Christina Buttler, Direktorin Experience Development MCI, moderiert die Gesprächsrunden, die Vorschläge an die einzelnen Branchen-Stakeholder präzisieren.

Zu den Vorschlägen an den FSA bezieht Dr. Holger Diener via Skype Stellung: „Aus kartellrechtlichen Gründen veröffentlichen wir keine Liste Compliance-konformer Hotels“, so Diener. Er votiert für eine gemeinsame Datenbank, die jedoch Einwilligungserklärungen erfordere. Zudem begrüßt der FSA-Geschäftsführer die Fortsetzung des Austauschs mit allen Akteuren der Branche. Das 35. PFF findet am 4. und 5. Dezember 2018 in Leipzig statt.