CIM 2019/2 Produkt

Events interaktiver gestalten

// Johanna Müdicken

Die Ansprüche an Veranstaltungen verändern sich. Teilnehmer wollen oft und zunehmend aktiv am Geschehen mitwirken. Digitale Tools unterstützen Kommunikation und Interaktion.

Das Abstimmungstool ist eine der Funktionen von Mentimeter. Photo: Mentimeter

Die Social Wall von Walls.io im Einsatz. Photo: Walls.io/Maik & Bettina Uhlig

Prozesse. Mit der Digitalisierung ergeben sich neue Möglichkeiten, die Interaktion zwischen Plenum und Podium zu fördern. Diese digitalen Lösungen kommen den Teilnehmerwünschen entgegen. Die Xing-Events-Studie „Kongresse & Konferenzen im Wandel“ 2018 zeigt: drei von vier Besuchern finden, dass digitale Tools das Eventerlebnis verbessern.

Eine Option sind sogenannte Social-Media-Walls. Dabei legt der Veranstalter zunächst einen Hashtag fest und kommuniziert ihn breit. Dann werden so markierte Beiträge, wie Tweets oder Instagram-Posts, live auf einen Bildschirm und/oder die mobilen Endgeräte übertragen. Populäre und in der Basisversion kostenlose Anbieter sind beispielsweise socialwall.me, walls.io oder Tagboard. In den Pausen können solche Live-Feeds einen Überblick geben und Diskussionen anstoßen. Während einer Session können Redner das Feedback aufnehmen. Damit Referenten schnell genug auf relevante Inhalte reagieren können, sollte ein Moderator diese filtern und weitergeben.

Bessere Voraussetzungen bieten Plattformen wie eventmobi, Tedme oder Sli.do. Mithilfe solcher Audience-Interaction-Tools können Anwesende Fragen stellen, an Umfragen teilnehmen, kommentieren oder gemeinsam brainstormen. Das virtuelle Geschehen wird auf den Smartphones oder Tablets, wahlweise auch auf einen Monitor bzw. die Leinwand übertragen. Das regt sogar eher introvertierte Personen zum Mitmachen an. Dank intuitiven Designs sind die meisten Tools leicht bedienbar. Die technische Hürde ist niedrig.

Über 25 Mio. Menschen nutzen nach Firmenangaben bereits die interaktive Präsentationssoftware Mentimeter. Die App des gleichnamigen schwedischen Start-Ups kann über den Browser abgerufen und per Code freigeschaltet werden. Teilnehmer reagieren direkt auf Präsentationsfolien, beteiligen sich an anonymen Abstimmungen, quizzen oder erstellen Wortwolken.

„Mentimeter macht es einfacher, während eines Events zuzuhören und gehört zu werden“, erklärt Gründer und CEO Johnny Warström: „Sie erhalten die Aufmerksamkeit Ihres Publikums während der gesamten Veranstaltung aufrecht, erhöhen das Engagement und inspirieren das Publikum, indem Sie seine Ideen und Meinungen einbringen und so gemeinsam ein lustiges und lohnendes Erlebnis schaffen.“

Für Vortragende und den Veranstalter bieten Audience-Interaction-Tools die Möglichkeit, direkt auf Feedback zu reagieren und zumeist auch, das Feedback im Nachhinein auszuwerten. Sämtliche Nutzerdaten werden gespeichert, was Datenschutz-Fragen aufwerfen kann. Bei der Wahl des Tools sollten sich Planer informieren, was wo gespeichert wird – und wie transparent dies für den Gast ist.

Networking ist nach wie vor ein elementarer Event-Bestandteil. Hier setzen Matchmaking-Tools wie Converve, b2match oder Swapcard an. Sie verstehen sich als digitale Antwort auf analoges Netzwerken und fördern die Interaktion. Die Plattform Event-Showcase von Ungerboeck basiert auf einem Algorithmus, der die Interessen der Besucher vor allem durch das jeweilige Nutzen der App-Inhalte erkennt. Ihnen werden daraufhin entsprechende Referenten, Sessions, Aussteller und ähnlich interessierte Personen vorstellt.

Auch die Anwendung Congreet fokussiert das Networking. Sobald die eigenen Interessensbereiche im Profil hinterlegt sind, erhalten Nutzer Kontaktvorschläge für ihr Netzwerk. Je mehr Schlüsselworte übereinstimmen, desto höher die Position in der Vorschlagliste. „Gerade für größere Veranstaltungen ist das hilfreich“, sagt Congreet-Gründer Alexander Krapp: „Stellen Sie sich vor, Sie müssten aus 500 Teilnehmern diejenigen rausfinden, deren Interessen Sie teilen – ohne Glück und Zufall nahezu unmöglich. Mit den Kontaktvorschlägen in der App werden diejenigen herausgefiltert, mit denen sich ein Gespräch lohnt.“

Noch einen Schritt weiter gehen Veranstalter mit dem Einsatz von Augmented und Virtual Reality. In Deutschland versprechen Agenturen wie Demodern interaktive Lösungen für Events (siehe S. 129). Diese besonderen Erlebnisse spielen dann allerdings auch in ihrer eigenen Preisklasse.