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Abschied vom Plastik

Plastikmüll ist ein brandaktuelles Thema – dem Veranstalter Beachtung schenken sollten. Nicht zuletzt, um Erwartungen von Teilnehmern und geplante EU-Auflagen zu erfüllen.

Die Veranstaltungsbranche muss jetzt handeln: Simon Bernard von Plastic Odyssey. Photo: Laurent Lachelvre

Letzter Strohhalm. Bald werden Gäste in mehr als 6.500 Hotels von Marriott weltweit ihr letztes Getränk durch einen Trinkhalm aus Plastik schlürfen, so die jüngste Ankündigung des Unternehmens. Auch auf Einwegflaschen, Rührstäbchen und Badartikel aus Plastik will das größte Hotelunternehmen der Welt verzichten.

Außer Marriott haben sich Marken wie Hilton oder die Sino-Gruppe aus Hongkong dem globalen Kampf gegen Plastikmüll angeschlossen. Aus gutem Grund: Kunststoffe brauchen zum Zersetzen auf der Müllhalde bis zu 1.000 Jahre, werden größtenteils nicht recycelt. Damit bedrohen sie Wasserversorgung, Natur, Meeresökosysteme, Nahrungsketten und unsere Gesundheit.

„Die Welt erzeugt immer mehr Plastikmüll. Nur ein kleiner Teil wird recycelt – zwei Prozent werden in einem geschlossenen Kreislauf wiederverwertet“, so Simon Bernard, Ingenieur und Mitbegründer von Plastic Odyssey. „Der Großteil landet in der Natur, wo er zunehmenden Schaden anrichtet. Produktion, Verbrauch, Verwendung und Lebensdauer von Kunststoffen müssen neu überdacht werden, um dieses globale Problem zu lösen.“

Neben Hotels werden Festivals offenbar zum Vorreiter im Kampf gegen Plastikmüll, wie der im März erschienene „Plastic Free Festival and Event Guide“ bezeugt. Ähnliche Programme für Geschäftsevents sind nicht leicht zu finden. Veranstaltungen der IMEX-Gruppe gehören zu den wenigen, die unter anderem auf Namensschilder aus Plastik für Besucher und Hosted Buyer sowie möglichst auf Kunststoff-Becher verzichten. Ein branchenweiter Ansatz für Geschäfts -events lässt sich kaum ausmachen.

Die Wegwerfgesellschaft und Bequemlichkeit sind die größten Hindernisse beim Plastikverzicht. Nicht zuletzt in einer temporären Umgebung, wie einer Veranstaltung, wo Wegwerfartikel aus Plastik, wie Namenschilder, Sticker, Banner, Wegweiser, Laminierung und Werbeartikel verwendet werden. Gleichwohl ist die Veranstaltungsstätte auch meist ein geschlossenes Ökosystem, wo Veranstalter bestimmen können, was zum Einsatz kommt und somit Einfluss auf das Angebot ausüben. So bewirkt Kaufkraft den Wandel.

Die beste Lösung für das Müllproblem ist erst gar keine Abfälle entstehen zu lassen, was oft nicht möglich ist. Der Events Industry Council empfiehlt, vor allem beim Einkauf für eine Veranstaltung „alles“ zu überdenken und nur Artikel auszuwählen, die den Veranstaltungszielen entsprechen. Zu oft werden Produkte bloß aus Gewohnheit gekauft.

Ferner sollten Planer sich für die besten Möglichkeiten entscheiden – was zugegebenermaßen knifflig sein kann. Die viel gelobten Biokunststoffe werden zum Beispiel auf Basis nachwachsender Rohstoffe erzeugt. Jedoch gibt es noch keine Infrastruktur für das Sammeln und Weiterverarbeiten. Nur wenige Anlagen stehen für das Trennen und Entsorgen bereit. Ein weiterer Tipp: sich über die Ökobilanz informieren. Mehrwegbecher sind die optimale Lösung, aber nur wenn sie nicht weniger als 15mal zum Einsatz kommen, wie die belgische „Studie zu Szenarien für Ess- und Trinkgeschirr bei Veranstaltungen” (OVAM 2018) aufzeigt. Bei weniger häufigem Einsatz ver -dienen recycelte PET-Becher (rPET) den Vorzug, sofern sie wieder -verwendet werden. Das ist – unabhängig vom Produkt – ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium.

Trotz der Herausforderungen sollten sich Veranstalter dringend des Themas annehmen. Je eher, desto besser! Im Frühjahr präsentierte die EU Pläne zum Reduzieren von zehn Einwegprodukten aus Plastik, darunter Besteck, Teller, Trinkhalme und Rührstäbe. Da Plastikmüll heute in den Medien zu einem überraschend aktuellen Thema geworden ist, werden Teilnehmer von Veranstaltern ein umsichtiges Handeln und entsprechende Maßnahmen erwarten. Simon Bernard bilanziert: „Die Veranstaltungsbranche produziert riesige Abfallmengen, die vermieden, wiederverwendet oder schließlich recycelt werden müssen. Die Foodbranche ist gewissermaßen ein Schaufenster für Konsumgewohnheiten. Entsprechend muss sie mit gutem Beispiel vorangehen und neue Wege des Konsums aufzeigen, die uns weniger abhängig von Plastik machen.“