CIM 2019/4 Spotlight

Knochenjob Kongress-Pitch

// Katrin Schmitt

Viel Frankfurter Herzblut ist in die erfolgreichen Bewerbungen für EBMT und EULAR geflossen. Wie arbeiten die Akteure zusammen? Ein Blick hinter die Kulissen.

Das Frankfurt-Team mit Prof. Dr. Müller-Ladner in der Mitte kooperiert eng. Photo: Frankfurt Convention Bureau / TCF

Die MEsse Frankfurt mit ihrem Congress Center steht bereit für den EULAR 2020. Phto: Messe Frankfurt

Durch Mark und Bein. „Es ist der größte Kongress in Frankfurt, seitdem ich hier bin. Das heißt, seit über 20 Jahren“, sagt Jutta Heinrich. Die Leiterin des Frankfurt Convention Bureau (FCB), eine Tourismus & Congress Frankfurt-Abteilung (TCF), freut sich sehr über den Gewinn des EULAR 2020, den Europäischen Kongress der Europäischen Liga gegen Rheuma. „Zehn Jahre nach dem Anruf des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch bei unserem Geschäftsführer Thomas Feda kommt der EULAR nun nach Frankfurt.“

Die Initialzündung kam von Prof. Dr. Ulf Müller-Ladner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Er lehrt an der Uni Gießen und hilft seinen Rheuma-Patienten in Bad Nauheim. Prof. Dr. Müller-Ladner schrieb 2010 einen Brief an Anke Koch, als Frau des damaligen hessischen Ministerpräsidenten traditionell Schirmherrin der deutschen Rheumaliga. Brief und Anruf ebneten der Idee, den Kongress nach Hessen zu holen, den Weg ins Herz von Stadt und Messe.

Dem FCB-Team steht Müller-Ladner seither als taktischer Berater bei: „Er verriet, dass der damalige EULAR-Präsident zu einem Meeting käme und hatte die Idee, dass wir ihn vom Flughafen abholen könnten“, erinnert sich Heinrich lächelnd, „das haben Claudia Delius-Fisher, damals Leiterin des Congress Centrums, und ich dann auch gemacht.“ Heinrich ist sicher: „Ohne die Beharrlichkeit von Professor Müller-Ladner hätten wir den Kongress nicht gewonnen, zumal das EULAR-Board in Zürich zu dieser Zeit nicht sehr Frankfurt-affin war.“

Letzteres hat das FCB-Team eher noch motiviert: Mit persönlicher Note, detaillierten Angeboten, intensiven Verhandlungen und dank der engen Zusammenarbeit mit der Messe Frankfurt, hat die Bankenstadt den Kongress gewonnen. Der Zuschlag kam während des Kongresses in Amsterdam im Juni 2018, rund sieben Jahre nach der ersten Präsentation am EULAR-Hauptsitz in der Schweiz.

Dem voraus gingen wichtige Meilensteine: 2010 fand das erste Strategie-Meeting der IHK-Arbeitsgruppe Tourismus statt, mit dem Ergebnis: Entwicklung des Kongress-Botschafter-Programms, mit Prof. Müller-Ladner als einer der ersten Botschafter. Anfang 2011 wurde das EULAR-Bid-Book als Initiativbewerbung fertiggestellt, im Herbst des gleichen Jahres folgte die gemeinsame Präsentation von Claudia Delius-Fisher und Jutta Heinrich in Zürich-Kilchberg. Im Juni 2020 ist es nun so weit: rund 15.000 EULAR-Besucher kommen, um in der Messe Frankfurt Strategien gegen Erkrankungen am Bewegungsapparat zu schmieden.

Als zwei der größten Hürden benennt Heinrich rückblickend einerseits: das Überzeugen des europäischen Hauptsitzes, zum anderen: die Absprache mit der Frankfurt Hotel Allianz und dem PCO, MCI Genf. „Am 4. Dezember 2017 saßen wir dann drei Stunden zusammen“, sagt Heinrich, „ich habe, stellvertretend für die TCF, moderiert. Und obwohl es nicht erlaubt war, den Kongress schon zu benennen im Meeting, konnten wir eine Empfehlung abgeben. Allen ist klar geworden: wir müssen an einem Strang ziehen.“

Das Team aus Stadt, Messe Frankfurt und Wissenschaft ist bewährt. Auch der Kongress der EBMT, der Europäischen Gesellschaft für Blut- und Knochenmarks-Transplantation (s. Fallstudie in CIM 2/19) ist Resultat der engen Kooperation. Die vertrauensvolle, enge Zusammen­arbeit mit, und das unermüdliche Herzblut der Co-Kongresspräsidenten Prof. Peter Bader und Prof. Thomas Klingebiel, transplantierte dann im März 2019 die 45. EBMT Jahrestagung in Frankfurt.

„Ein internationales Expertengremium hat über Möglichkeiten bei Stammzelltransplantationen und Behandlung der Graft-versus-Host-Reaktion gesprochen“, gibt Prof. Klingebiel Einblick. Beiden Professoren, seit 2014 offiziell Kongressbotschafter, liegen „Kinderthemen“ sehr am Herzen. Für deren Integration in das Programm haben sich beide stark eingesetzt, auch um den Kinderärzten mehr Raum zu verschaffen.

Dass das Herz der Stadt Frankfurt ebenso stark für wissenschaftliche Veranstaltungen schlägt, zeigte sich an verschiedenen Punkten: im Gesellschaftshaus Palmen­garten war der EBMT-Networking-Abend zu Gast, auskunftsfreudig an allen Kongress­tagen waren die Frankfurt-Experten am Info-Counter. Und, da Liebe durch den Magen geht, hat die Stadt das Catering des Willkommensempfangs und das der Poster-Sessions unterstützt. Auch in den guten Schlaf der Gäste hat das TCF-Team viel investiert: unermüdlich wurden die Hotelreservierungen gemanagt.

Zudem gab das Messe-Frankfurt-Team als Full-Service-Provider dem EBMT im März 2019 ein professionelles Zuhause in puncto Logistik, Catering, Beschilderung, Sicherheit und Technik. Für die Pitch-Präsentation wurde unter anderem ausgearbeitet, wie die Tagung aussehen könnte. Die Messe- und Kongressexperten: „Einen wissenschaft­lichen Kongressveranstalter von einer Location zu überzeugen ist herausfordernd. Je enger Stadt, Location und Wissenschaft kooperieren, desto überzeugender wird das Angebot. Diese Teamarbeit fördert das Wir-Gefühl und der – für den Kunden somit spürbare – Schulterschluss, ist sicherlich der wichtigste Standortvorteil.“