CIM 2019/6 Spotlight

Kunden- statt Produktmentalität

// Christian Boergen

Der Hotelkonzern Accor wächst und baut mächtig um. Sein Global Meeting Exchange vermittelt 130 Planern in Montreux Ambiente und Infos aus erster Hand.

Schauplatz des GME 2019: Das Fairmont Le Montreux Palace. Photo: CIM/C.Boergen

Chris Cahill, Vorsitzender und Vize-CEO der Accor Hotels. Photo: CIM/C.Boergen

Vielfarbig. „Ein starkes Portfolio für weltweites Wachstum mit Fokus auf Luxus, Lifestyle und Nordamerika“ sieht Chris Cahill. Der Vorsitzende und Vize-CEO der Accor-­Hotels hält beim Global Meeting Exchange (GME, mehr auf www.cimunity.com) 2019 im Fairmont Le Montreux Palace eine zündende Rede. Weil Hotels Accors Kerngeschäft sind, wandere der Immobilienbesitz zunehmend in Joint Ventures. Der Management-Anteil werde von 43 auf über 50 Prozent steigen.

Cahill beschreibt das MICE-Geschäft als „für Fairmont und Pullman, aber zunehmend auch für Novotel, extrem wichtig“. Seine Ansage an die Planer: „Wir haben viel mehr Häuser und Möglichkeiten, so dass wir einen höheren Anteil am MICE-Markt erwarten. Wir können alles liefern – für diejenigen, die genau das gleiche Meeting wollen, aber auch für diejenigen, die ganz andere Veranstaltungen erwarten.“

CSR-Aktivitäten, wie die Umwelt-Säuberungsaktionen des Savoy-Pers0nals, könne Accor anbieten, um Firmen-Events anders zu gestalten. Der Hotelkonzern halte „die Augen nach neuen Partnerschaften weiter offen“, formuliert Cahill und schließt eine Markenkunde an: Raffles sei „sehr asiatisch“ und bediene einen Nischenmarkt. Fairmont sei deutlich größer, aber „nicht zu groß“ und Orient Express „eine Marke, fast wie Nike“. Mit Mövenpick und Swissôtel verfüge Accor über zwei Schweizer Marken, die aber „unterschiedliche Märkte“ bedienen.

Was das bedeutet, skizziert Rick Harvey Lam, Accors SVP für das globale Marken­magement im Luxus- und Premium-Segment: „Wir wollen die Marken behalten, die wir erwerben und entwickeln. Hauptsache, eine Marke steht für etwas.“ So sei Sofitel „sehr französisch“ – vom Design, über die Uniformen, bis zum Essen. Weil die Accor-Marken „ihre Regionen haben“, gebe es „kaum Überschneidungen“. Viel verspricht sich Lam vom Loyalitätsprogramm für alle Marken, das sich auf „weniger, dafür aber werthaltige Benefits“ – wie frühen Check-in und späten Check-out – konzentrieren soll. „Meetings haben für uns Priorität“, betont Agathe Fabron, Accors VP Business Travel, Meetings, Events. Mit der Zahl der Luxusmarken sei die Konzernkompetenz in diesem Servicesegment nachhaltig gewachsen: „Wir machen große Fortschritte beim Wechsel von der Produkt- zur Kundenmentalität. Personalisieren ist alles, Accor bietet Flexibilität weltweit.“ Das sehr „werthaltige MICE-Geschäft entwicklt sich positiv“, weiß Fabron. Statt zentral aus Paris, werde es aus 47 Büros lokal gesteuert.

Kontrovers wird beim GME diskutiert, ob Ausschreibungen bezahlt werden sollen. Jurrian Sleijster von MCI Schweiz lehnt das ab, weil MCI über hinreichend Personal verfüge, um viele Ausschreibungen im Januar zu stemmen. Ganz anders sieht das Ciscos Meetings- and Technologie-Chefin Caroline Pund: „Wir haben wenig Zeit und kurze Fristen, deshalb bezahlen wir.“ Chris Parnham von Absolute Corporate Events aus Großbritannien stimmt zu: „Wir müssen Eventlösungen erfinden. Das ist wie das Bezahlen eines Architekten.“ Damion Breust von Directions aus Australien mahnt: „Incentive-Gruppen bleiben nicht in Hotels, also müssen diese das Drumherum stärker verkaufen.“ Hotels sollten sich „authentischer und ethischer“ präsentieren.