Dortmund. Als interaktiver Lernort versteht sich die „DASA Arbeitswelt Ausstellung“ in Dortmund. Ganz in diesem Sinne begaben sich beim dortigen Symposium „The Future of work“ am 7. und 8. November rund 200 Teilnehmer auf die Suche nach dem „Glück bei der Arbeit“. Auf Impulsreferate folgten gleichgewichtete Talkrunden oder Panels. Der Untertitel der Konferenz lautete „Über „Flow“-Zustände, Arbeitszufriedenheit und das Schaffen attraktiver Arbeitsplätze“ – sie traf damit einen Nerv der Zeit inmitten von Medienberichterstattung über eine angebliche „Generation Burnout“ oder „Das erschöpfte Selbst“.
Arbeit und Freizeit sind nicht mehr zu trennen, werden ein und dasselbe? Eine neue kreative Klasse der selbstständigen Freien propagiert diese Sichtweise teils. Philosoph Professor Dieter Thomä hielt ihr in Dortmund „eine Schönfärberei der faktischen Handlungsspielräume“ vor und sieht in dieser Herangehensweise eine schädliche „Umarmungsstrategie“, bei der die Grenzen ungut verschwimmen. „Niemand kann in jeder Minute den Nachweis besonderer Kreativität erbringen.“ Die Folge? Überforderung.
Wenn Arbeit als Gegenteil von Freiheit begriffen wird, sei dies allerdings ebenso falsch. Diese Sichtweise sieht Thomä ungut zum Prinzip erhoben im Konzept der „Work-Life-Balance“. „Das ist eine trostlose, irregeleitete Totschlagstrategie, die Arbeit entwertet“, urteilte Thomä scharf. Dem stellte Thomä einen positiven Begriff von „Arbeit“ entgegen als einer Tätigkeit, die „bilden“, also den Charakter formen solle. Arbeit könne Thomä zufolge eine „Brücke zwischen Selbst und Welt“ sein.
Eine Balance zwischen dem „privaten Lebensbereich“ und dem „Lebensbereich Arbeit“ forderte der frühere Referatsleiter für Gesundheitsschutz im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Dr. Wolfgang Hien. Er referierte über über „psychische Belastungen in der Arbeitswelt“. Allgemein seien die Gewichte in den vergangenen Jahren immer mehr zu Ungunsten des Privaten verschoben worden. Eingebunden zu sein in seine Familie, in eine Partnerschaft mit Kindern, in den Freundes- und Verwandtenkreis, in die Nachbarschaft, ist für Hien ein „wesentliches Element unserer Zivilisation und der zivilisatorischen Kultur“. Der Arbeitsforscher warnte: „Das dürfen wir nicht verspielen!“ Er forderte dazu eine neue Alltagssolidarität zwischen Angestellten. Ein „Gefühl der Gemeinschaftlichkeit“ sei uns verloren gegangen in den letzten beiden Jahrzehnten.
Dr. Hien kritisierte zudem die heute weit verbreitete Anerkennungskultur, die nur Höchstleistungen honoriert. Dazu zitierte er die Psychologin Verena Kast, die ein „Lob des Mittelmaßes“ fordert. „Wir brauchen nicht dauernd ein „höher, weiter, schneller“!“ Wir müssten stattdessen einsehen, dass „das Langsamere vielleicht auch einmal das Bessere und Menschlichere ist“.
Ein ausführlicher Bericht folgt in unserer Printausgabe 6/11