Mehr unterhaltsame persönliche Einblicke in Leben und Arbeit der wichtigsten Köpfe der deutschen Kongressbranche bietet Ihnen das CIM-Sonderheft „ahead“, komplette Digital-Version des Magazins abrufbar unter:
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„Ich esse heute etwas Internationales“, verkündet Hilmar Guckert nach dem Blick in die Speisekarte. Dann bestellt er in aller Seelenruhe Pfälzer Saumagen. Um ihn herum im Brauhaus „Zum Schiffchen“ in Düsseldorf ist gefräßige Geschäftigkeit. Trotz des heißen Freitagmittags krempelt Guckert nicht einmal die Hemdsärmel hoch. „Casual Friday“, nein, nicht mit ihm! Er trägt einen dunklen Anzug, trotzdem bringen ihn knapp 30 Grad nicht ins Schwitzen. Er wirkt gelassen, aufgeräumt. Als ihm der Duft des Pfälzer Saumagens in die Nase steigt, entspannen sich seine Gesichtszüge. Es klingt ein wenig nach Geständnis, als er dann sagt: „Ich esse gerne deftig.“ Nach einem dreiwöchigen USA-Urlaub kommt es vor, dass er eine Woche lang Pfälzer Leberwurst auf dunklem Brot frühstückt. „Zum Kaffee“, versteht sich.
Der Geschäftsführer von DüsseldorfCongress hat auch beim Convention Bureau der Stadt am Rhein den Hut auf. Mit Dr. Eva-Maria Illigen-Günther bildet er eine Doppelspitze und kümmert sich um die inhaltliche Gestaltung. Guckert war es auch, der vor gut drei Jahren auf die Gründung eines CVB in Düsseldorf drängte. „Wir wollten es schnell haben, also haben wir einen eigenen Weg gefunden“, berichtet er. DüsseldorfCongress und die Marketing und Tourismus GmbH richteten je eine Stelle ein.
Kalkül und Genauigkeit ziehen sich durch Guckerts Leben wie ein roter Faden. „Ich bin ein nüchterner Mensch“, sagt er über sich selbst. Aber keinesfalls humorlos. Im Pfälzischen geboren, führte ihn sein Karriereweg über Karlsruhe nach Düsseldorf. Seit der Gründung des CVB bewirbt sich Düsseldorf um ein Groß-Event nach dem anderen, mit Erfolg: Nach Bambiverleihung und großen Sport-Events zogen die Rheinländer den Eurovision Song Contest (ESC) an Land – ein Meilenstein.
Hilmar Guckert gerät ins Plaudern. „Der Oberbürgermeister wollte dieses Event in unserer Stadt haben. Er hat sofort nach dem Sieg von Lena in Oslo dem NDR einen Brief geschrieben.“ Auf Nachfrage gesteht Guckert, dass ihn selbst die Lena-Mania gepackt hatte. „Satellite hat mir gut gefallen. Ich wollte Lena mal ganz nah sehen.“ Hinter Anzug und unscheinbarer Brille verbirgt sich seine heimliche zweite Natur: die des Rockers. Zur Schulzeit jammte er mit Freunden am Keyboard. Und im Auto cruised er manchmal zu Iron Maiden. Für Rahmenprogramme in seiner Stadt wählt Hilmar Guckert lieber Bodenständiges. „Die Altstadt und das Schiffchen, das hat Tradition.“ Danach führt er seine Gäste dann jedoch gerne wieder zu härteren Beats – in eine Rockkneipe. Zum Ausklang geht’s in die Bar des Breitenbacher Hofs. „Das ist eine schöne Atmosphäre.“
Die Vorbereitungen des Events liefen Hand in Hand. Die Euphorie des OBs hat sich auf die Mitstreiter von DüsseldorfCongress, CVB und das Touristikbüro übertragen. Nachdem das Song Contest-Gremium die Locations in Düsseldorf besichtig hatte, war Guckert siegesgewiss. Denn hier stand mit der Esprit Arena die gewünschte Infrastruktur, ähnliche Großevents fanden dort schon statt „und wenn Madonna kommt, hat die ja auch ihre Ansprüche“, sagt der 54-Jährige.
Die Anspannung setzt so richtig ein, als Vorjahres-Gastgeber Oslo symbolisch den ESC-Schlüssel im Blitzlichtgewitter an Düsseldorf weiterreicht: „Auf 150 Offizielle kamen etwa 500 Journalisten. Das ist doch ein ungewöhnliches Verhältnis“, so Guckert spitz. „Da hab ich mir gedacht: Jetzt geht’s los, jetzt wird’s ernst.“ Schließlich musste die Esprit-Arena generalstabsmäßig vorbereitet werden. „Massive Einbauten waren das Podest für die Kommentatorenkabinen. Da mussten Tonnen bewegt werden“, erinnert er sich. Und das alles parallel zu anderen Veranstaltungen, die in der Messe oder im Kongresszentrum stattfanden.
Als das Finale des Europäischen Wettbewerbs im vollem Gange war, ist die Arbeit von Hilmar Guckert fast erledigt. „Ich bin durch das Publikum gelaufen und habe mir meine Arena angeschaut“, sagt er ganz ruhig. Zufriedenheit macht sich breit. Er beobachtet die Zuschauer, seine Mitarbeiter, und ist überzeugt: „Wir können große Weltkongresse durchführen. Die Hardware hat sich nicht verändert, aber die Entschlossenheit“, sagt er selbstbewusst und ergänzt: „Wir haben das größte Kongresszentrum der Welt. Denn die Esprit-Arena hat ein Dach und kann beheizt werden.“ Die Wahrnehmung für Düsseldorf hat sich auch bei Planern verändert. „Wir bekommen jetzt Einlass bei Verbänden und Organisationen.“ Düsseldorf schwimmt auf der ESC-Erfolgswelle. Und Hilmar Guckert verdaut Saumagen und die Aufregung aller Groß-Events beim Schwimmen: „Am Wochenende muss ich mindestens 1.500 m zurücklegen.“ Julia Hof
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