Japan.Die Katastrophe von Fukushima hat vieles verändert, auch das Reiseverhalten. Nicht nur Japan-Reisen wurden abgesagt, auch Reisen nach Korea, Thailand und China. Nun ist ein halbes Jahr seit der Katastrophe vergangen und Zeit, Bilanz zu ziehen. Daher hat Europas führendes Hotelportal HRS untersucht, wie sich die Hotelpreise in den ostasiatischen Metropolen seit dem 11. März 2011 entwickelt haben. Nach anfänglicher Verunsicherung scheint in den meisten Metropolen wieder Normalität einzukehren. Eine verbesserte Informationspolitik trägt langsam zu einer Erholung des Tourismus bei, auch wenn die Übernachtungspreise in den meisten ostasiatischen Metropolen im Durchschnitt der vergangenen sechs Monate unter dem Vorjahresniveau liegen.
Auch an Tokio ist die Katastrophe nicht spurlos vorbeigegangen. Dies wirkt sich auch auf die Zimmerpreise der Hotels in der japanischen Hauptstadt aus. Die Preise für ein Hotelzimmer in Tokio fielen in den vergangenen sechs Monaten um elf Prozent auf durchschnittlich 102,04 Euro pro Nacht. Im Vorjahreszeitraum mussten Hotelgäste noch durchschnittlich 114,26 Euro pro Zimmer zahlen. In Kyoto, das südwestlich von Tokio und damit noch weiter von Fukushima entfernt liegt, hat man ebenfalls unter dem Ausbleiben von Touristen gelitten. In Kyoto gaben die Preise für ein Hotelzimmer im vergangenen halben Jahr um knapp zwölf Prozent auf durchschnittlich 112,36 Euro nach.
Die Hotels im weiter südlich gelegenen Osaka, das vom Erdbeben verschont blieb und weit weg von Fukushima liegt, litten weniger unter der Katastrophe, denn viele Japaner sind in den Süden des Landes geflüchtet. Auch Touristen und Geschäftsreisende sind auf südliche Regionen Japans ausgewichen. So stiegen die Zimmerpreise im ohnehin als teuer geltenden Osaka im vergangenen halben Jahr auf durchschnittlich 161,86 Euro pro Nacht. Das sind rund 50 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahrszeitraum.
Auch in vielen anderen asiatischen Metropolen außerhalb Japans sanken die durchschnittlichen Zimmerpreise in den vergangenen sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei den untersuchten Städten verzeichneten nur Singapur und Hongkong steigende Zimmerpreise im vergangenen halben Jahr. Mit einem Preisanstieg von vier Prozent auf durchschnittlich 134 Euro zeigt sich die Hotelpreis-Entwicklung in Singapur. Nach Osaka waren die Hotels in dem südostasiatischen Stadtstaat in den vergangenen sechs Monaten am teuersten. In der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong mussten Hotelgäste seit Mitte März im Durchschnitt rund 110 Euro pro Zimmer zahlen, sechs Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Viele Unternehmen verlagerten nach der Naturkatastrophe in Japan ihren asiatischen Firmensitz zumindest zeitweise von Tokio nach Hongkong, was zu einer deutlichen Zunahme von Geschäftsreisen in die ehemalige britische Kronkolonie führte. Hongkong behauptet damit den Spitz enplatz unter den chinesischen Metropolen.
Bei den untersuchten asiatischen Städten verzeichnete Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias, mit über elf Prozent das deutlichste Minus bei den Zimmerpreisen. Einen ähnlich starken Preisrückgang von mehr als neun Prozent mussten Hoteliers in Peking und Shanghai hinnehmen. Durchschnittlich 50,62 Euro zahlten Hotelgäste in der chinesischen Hauptstadt nach dem 11. März 2011 für ein Zimmer, im Vorjahreszeitraum waren es noch 56,15 Euro gewesen. In Shanghai sank der durchschnittliche Zimmerpreis im selben Betrachtungszeitraum von 64,97 Euro auf 58,91 Euro. Ebenfalls rückläufig waren die Hotelpreise in den Hauptstädten Seoul, Bangkok, Taipeh und Hanoi, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwischen drei und sieben Prozent nachgaben. Auch wenn in diesen Ländern keine erhöhten radioaktiven Strahlungswerte festgestellt wurden, verzichteten vor allem viele ausländische Geschäftsreisende und Urlauber unmittelbar nach der Katastrophe auf ihre ursprünglich geplanten Asien-Reisen.