Die Studie „LGBTQ+-Reisesicherheit 2026″ wurde von Dezember 2025 bis Mai 2026 durchgeführt und durch Interviews mit Fachleuten aus dem LGBTQ+-Tourismus sowie erfahrenen Reisenden ergänzt. 69 Reiseexpertinnen und -experten sowie Reisende gaben Einschätzungen zu 28 Ländern ab. Zusammen mit der Ersterhebung von 2025 liegen nun Bewertungen für insgesamt 46 Länder und Territorien vor.
Die Untersuchung versteht sich nicht als Länderranking, sondern als qualitative Analyse der Erfahrungen und Wahrnehmungen queerer Reisender. Damit ergänzt sie bestehende Bewertungssysteme, die vorwiegend auf rechtliche Rahmenbedingungen abstellen.
Sicherheitsempfinden als Entscheidungsfaktor bei der Destinationswahl
Die Studie bestätigt, dass LGBTQ+-Reisende ihre Ziele zunehmend bewusst auswählen. Neben klassischen Kriterien wie Preis und Infrastruktur spielen Akzeptanz, Sichtbarkeit und Sicherheit eine wachsende Rolle. Für die Veranstaltungsbranche bedeutet das: Die Wahl einer Destination für Kongresse, Incentives oder Geschäftsreisen wird auch daran gemessen, ob sich alle Teilnehmenden dort sicher und willkommen fühlen.
Besonders relevant ist die unterschiedliche Wahrnehmung innerhalb der LGBTQ+-Community. Transpersonen und nicht-binäre Menschen berichten häufiger von Unsicherheiten und Diskriminierungserfahrungen als andere Gruppen.
Kanada und Niederlande an der Spitze, Österreich und Spanien ebenfalls positiv
Bei der gesellschaftlichen Akzeptanz erzielen Kanada und die Niederlande die höchsten Werte. Die Befragten bewerten dort den respektvollen Umgang mit LGBTQ+-Personen, die Möglichkeit öffentlicher Zuneigungsbekundungen sowie den Umgang mit Behörden überwiegend positiv. Auch Spanien und Österreich erhalten hohe Zustimmungswerte und bestätigen damit ihre Rolle als etablierte LGBTQ+-freundliche Reiseziele.
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass selbst Länder mit hoher rechtlicher Gleichstellung regionale Unterschiede aufweisen. Die Wahrnehmung von Sicherheit hängt stark vom konkreten Reiseort ab.
USA: Deutlicher Rückgang bei wahrgenommener Akzeptanz
Die auffälligste Veränderung gegenüber 2025 betrifft die USA. Der Anteil der Befragten, die LGBTQ+-Personen dort als respektvoll behandelt sehen, sank von 35 Prozent auf 17 Prozent. Der respektvolle Umgang durch die Polizei wurde ebenfalls deutlich schlechter bewertet und ging von 39 Prozent auf 17 Prozent zurück. Die Einschätzung, dass Diskriminierung oder Hasskriminalität sicher gemeldet werden kann, fiel von 52 auf 33 Prozent.
Gegenläufig entwickelte sich die Wahrnehmung von LGBTQ+-Safe-Spaces: Die Zustimmung zu einer aktiven und zugänglichen LGBTQ+-Szene stieg von 61 auf 83 Prozent. Urbane Zentren und etablierte Communities bleiben demnach wichtige sichere Räume – ein ambivalentes Bild, das für die Planung von Veranstaltungen in den USA relevant sein dürfte.
Deutschland: Stadt-Land-Gefälle bei der Akzeptanz
Deutschland wird differenziert bewertet. Während urbane Räume als offen und sicher erlebt werden, verweisen Befragte auf konservativ geprägte Regionen mit Vorbehalten gegenüber LGBTQ+-Personen. Der Anteil derjenigen, die in Deutschland Regionen mit erhöhtem Risiko sehen, stieg von 65 auf 71 Prozent.
Digitale Risiken als neues Thema
Die ergänzenden Interviews zeigen, dass sich Sicherheitsfragen zunehmend in den digitalen Raum verlagern. Dating-Apps und soziale Netzwerke werden in manchen Fällen genutzt, um LGBTQ+-Personen gezielt zu täuschen oder anzugreifen – auch in europäischen Ländern.
Aktualisierte Risk Map zeigt globale Entwicklungen
Parallel zur Studie hat A3M Global Monitoring die LGBTQ+ Risk Map 2026 veröffentlicht. Positive Entwicklungen verzeichnen unter anderem Kanada, die Niederlande, Österreich, China und Kolumbien. Verschärfte Einschränkungen gibt es hingegen in Niger, Senegal, Burkina Faso, Kasachstan und Belarus.
Mit der jährlichen Erhebung wollen die drei Partner eine kontinuierliche Datengrundlage schaffen, die Reisenden und der Tourismusbranche Orientierung bietet.
