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Dorint-Chef fühlt sich „von der Regierung abgeschrieben“

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Dorint-Aufsichtsratschef Dirk Iserlohe im leeren Restaurant; Foto: Honestis AG

Dorint-Aufsichtsratschef Dirk Iserlohe ist „erschüttert über die mangelnde Sensibilität für schwerbelastete Unternehmen in der Corona-Krise“.  Die Entscheidung, den durch die anhaltende Pandemie in ihrer Existenz belasteten Unternehmen keinen Insolvenzschutz mehr zu gewähren, belaste gerade Traditionsunternehmen wie Dorint, Maritim, Althoff oder Centro schwer. „259 Nächte ohne Belegung können niemals nachgeschlafen werden“, sagt Iserlohe.

Das Versprechen von Wirtschaftsminister Altmaier, welches heute noch auf den Seiten der Regierung stehe, sei passé, so Iserlohe. „Unverständlich und mit Ansage entzieht das Merkel-Kabinett nun all den Unternehmen den Insolvenzschutz, die in existenzbedrohlicher Höhe noch auf Hilfen warten oder bereits wissen, dass erwartete Hilfen unzureichend sein werden.“ Laut Dehoga-Umfrage warteten noch rund 80 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe auf die Auszahlung der Überbrückungshilfen III, so Iserlohe.

Auch rechtfertige keinerlei Argumentation, dass ein großes Hotelunternehmen, das komplett in seinen Rechten aus Artikel 12 GG eingeschränkt wurde, als verbundenes Unternehmen bzw. Unternehmensgruppe durch Nicht-Gleichstellung in den Rechten aus Artikel 3 GG gegenüber dem Einzelunternehmer existenzgefährdend benachteiligt werde, so Iserlohe.

„Ich fühle mich von der Regierung bereits abgeschrieben“, skizziert der Dorint-Aufsichtsratschef die aktuelle Situation seines Familienunternehmens. Und erinnert an die Worte von Finanzminister Scholz: „Wir haben die finanzielle Kraft, diese Krise zu bewältigen. Es ist genug Geld da und wir setzen es ein. Wir ergreifen alle notwendigen Maßnahmen, um Beschäftigte und Unternehmen zu schützen. Darauf kann sich jede und jeder verlassen.“ Doch „für größere Gesellschaften wie uns soll das wohl nicht gelten“, fragt Iserlohe.

Weiter sagt Iserlohe, er wisse sehr wohl, dass die kleineren Betriebe nicht zuletzt auf Druck des Dehoga am Ende doch hilfreiche Entschädigungen aus dem Hilfsfonds der Regierung erhielten. So könne ein Hotel-Unternehmer mit einem Hotel bis zu 100% der Fixkosten ansetzen und einen Eigenkapitalhilfe-Zuschuss von 25% ab dem dritten und 40% ab dem fünften Monat bezogen auf die Fixkosten erhalten.

Wer aber das absolute Limit überschritten habe, wie die größeren Mittelständler, werde hier massiv benachteiligt. „Eine Erstattung von nur 37% der Verluste mit fallender Tendenz bei Dorint ist damit ungleich, ungerecht und existenzbedrohlich“, so Iserlohe. Seiner Meinung nach wirkt sich die Nichtbeachtung des Artikel 3 GG in Kürze wie eine „Triage der größeren Hotelgesellschaften“ aus.

Verhindert werden könne dies nur, indem die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten gemeinsam für

    • eine Öffnung der Hotels für geimpfte, genesene und getestete Bundesbürger (= „3G-Strategie“) sorgen,
    • die Entschädigungen und/oder Fördermittel proportional und gleichberechtigt zur Unternehmensgröße verteilen,
    • den Insolvenzschutz für die Dauer bis zur Bewilligung der zu entrichtenden Entschädigungen gewähren.

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