Industrie

Am laufenden Band

Brüssel profiliert sich beim European Association Summit mit Vorträgen, Diskussionen und Netzwerken. Sogar das Abendessen rollt bei Visit Brussels im Sushi-Stil an.

EAS 2018 in Brüssel. (Photo: CIM/CB)

In Bewegung. „Wir alle sind nicht hier, weil wir zufrieden sind, sondern weil wir mehr erreichen wollen“, formuliert Malgosia Bartosik, Vize-CEO von Wind Europe. Sie hat beim European Association Summit (EAS) „Karriere gemacht, von der Teilnehmerin, zur Referentin, Moderatorin, bis zur Chairwoman 2018.“ Mit dem Gipfel brennt Brüssel am 8./9. März ein Feuerwerk für Verbandsvertreter, vom Referenten bis zur Generalsekretärin, ab. Schließlich haben mehr als 2.500 Organisationen ihren Sitz in der europäischen Hauptstadt. Visit Brussels will mit eigenem Verbändebüro, Services aus einer Hand und dem EAS weitere gewinnen.

Eng kooperiert wird dabei mit den „Association Hubs“ Dubai, Singapur und Washington D.C. Ariane Deguelle begrüßt über 200 Teilnehmer mit einer funkensprühenden Geburtstagstorte und neuem Logo: Die CEO und ihr Team feiern den 60. Geburtstag des – wie das Atomium – zur Weltausstellung 1958 eröffneten Kongresszentrums Square. Auf 13.000 qm Fläche offeriert es vier große Auditorien sowie acht weitere Räume mit einer fantastischen Aussicht im Herzen der Metropole.

Am laufenden Band wechseln sich Workshops und Diskussionen ab, unterbrochen von Pausen zum Netzwerken. „Wir sind ins Risiko gegangen, neue Formate auszuprobieren“, erläutert Elisabeth Van Ingelgem, Visit-Brussels-Direktorin Conventions and Associations, das Konzept des sechsten EAS. Ihr Präsident, Ahmed Medhoune, verweist auf die 2.500 Journalisten in der belgischen Hauptstadt, die nach Dubai die kosmopolitischste ist: Zwei Drittel der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund.

Heiß diskutiert wird die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). „Beeilt Euch”, mahnt Rechtsanwalt Nicolas Hamblenne von Koan Law: „Ihr braucht einen Datenschutz-Beauftragten, besser noch ein Team mit Anwalt, IT- und Marketingexperten, von denen keiner der Geschäftsleitung angehört.” Seine Kollegin Fabienne Raepsaet von Claeys & Engels erläutert die Auswirkungen des neuen Rechts auf das Personalwesen. Darunter fallen Bewerbungen, Angestellte, Anwesenheitsdaten, Internet-Fotogalerien, Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen, aber auch Vertragspartner. „E-Mails sind persönliche Daten; Gesundheitsdaten müssen besonders geschützt werden”, mahnt Raepsaet. Wegen der Abhängigkeit vom Arbeitgeber, könne jede Mitarbeiterzustimmung zu juristischen Problemen führen und sollte tunlichst vermieden werden, rät die Expertin.

Zum laufenden Bewegen, auch ohne Band, animiert Laska Nenova von der NowWeMove-Kampagne, die von über 250 Verbänden getragen und von der EU finanziell unterstützt wird. Die Botschaft der Bulgarin: „Sitzen tötet mehr Menschen als Rauchen. Inaktivität kostet Europa mehr Geld als Krebs. Jeder von Euch kann ein Move-Agent sein!” Gesagt, getan, Lenova reißt den Workshop mit Dehnübungen von den Stühlen.

Lehrreich gestaltet Daniel Dang, junger Leiter Verkauf & Marketing von Solar Power Europe, seine Präsentation. Auf dem Höhepunkt der Pleitewelle 2011 verliert der damalige Photovoltaik-Verband jährlich 40 bis 50 Mitglieder. Ein neuer Name, neue Strukturen, günstige Beiträge und der Austausch des halben Teams und bringen die Wende. „Mit den Mitgliedern haben wir die Services entwickelt, die sie brauchen”, berichtet er. Inzwischen bildet Solar Power Europe die gesamte Wertschöpfungskette ab: „Kleine Firmen sind das Geheimnis unseres Erfolgs, weil sie für den Wandel stehen. Die Großen sind oft zu langsam”, erklärt Dang, wie aus 97 Mitgliedern 2015 200 wurden. Non-profit bedeute nicht kostenfrei. Vielmehr biete Solar Power verschiedenen Segmenten echten Gegenwert und kreiere Events.

Interessenvertretung ist Thema eines „Wissenscafés“ mit Tanguy van der Werve de Schilde. „Lobbying richtet sich an die Politik, Advocacy hingegen an alle, mit Dialog in beiden Richtungen“, erläutert der Geschäftsführer des Europäischen Verbandes der Finanzinstitute (AFME) den Unterschied. Dabei geht es um schnelle Kommunikation, digitales Storytelling mit Transparenz und verlässlichen Fakten. Vorstände, Gremien, Experten und Botschafter müssen in diesen Prozess einbezogen werden, den die DSGVO erschwert.

Auf eine einfachere Formel bringt es Karl-Heinz Lambertz, langjähriger Ministerpräsident der deutschsprachigen Belgier und Vorsitzender des Ausschusses der EU-Regionen: „Immer mehr Entscheidungen fallen in Europa abseits der repräsentativen Demokratie. Bars sind wichtig, da lernt man Menschen wirklich kennen. Aber Vorsicht in der Bar ‚Delirium tremens‘!“ Cartoonist Aster hält, Brüssel-typisch, den EAS in Bildern fest, die für gute Laune sorgen. Und beim Abendessen in der Visit-Brussels-Tourist-Info dreht sich alles: Pilzrisotto, Waterzooi-Fischeintopf und Putenbrust rollen auf dem laufenden Band an.