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Frische Brise, frische Ideen

// Johanna Müdicken

Hamburg stellt die Weichen für die Zukunft: Mit Flexibilität und Innovationsgeist begegnet die Tagungsdestination aktuellen Herausforderungen und macht sich bereit für den Neustart.

Hamburg ist vorbereitet – für digitale, hybride und Face-to-Face-­Veranstaltungen; Photo: Thies Raetzke / Hamburg Marketing

„Time To Live“ by Hipulse: Hinter den Kulissen; Photo: Karl Frank Soens Photography

TV-Studio mit High-End-Broadcast- Technik auf dem Hamburger Messegelände; Photo: Hamburg Messe und Congress GmbH / Michael Zapf

Das Hybridstudio Hamburg in der Alten Hagenbeck‘schen Dressurhalle; Photo: Hybridstudio Hamburg

Blick nach vorn.  Hamburg zählt zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen und gilt als Magnet für Meetings, Events und Kongressgeschehen. Ob Tagungen in der Elbphilharmonie oder auf hoher See: Die Hansestadt überzeugt mit vielfältigen Locations, einer hervorragenden öffentlichen Infrastruktur und zahlreichen kulturellen Angeboten. Dank ihrer starken Wirtschaftsnetzwerke ist die Metropole an Alster und Elbe regelmäßig Heimat renommierter Fachkongresse. So war 2019 etwa die Rotary International Convention mit über 26.000 BesucherInnen aus 170 Ländern zu Gast. Das Hamburg Convention Bureau (HCB), ein Bereich der Hamburg Tourismus GmbH, arbeitet eng mit den Clusterinitiativen zusammen und ist erster Ansprechpartner für Planer. Das HCB vermarktet den Standort auf nationaler wie internationaler Ebene und steht Veranstaltern beratend zur Seite. Auf der Website www.hamburg-convention.com/restart finden sich Hinweise zu Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, aber auch Einblicke in erfolgreich durchgeführte Hybrid- und Online-Events. Denn die Hamburger Meetingbranche steht in diesen Zeiten nicht still, im Gegenteil: Sie begegnet gegenwärtigen Herausforderungen mit neuen Ideen und Lösungen.

Beispielhaftes Projekt ist das Hybridstudio Hamburg, das im vergangenen Jahr an den Start gegangen ist. Initiatoren sind der Event-Caterer und Location-Betreiber Gerresheim Serviert und die Veranstaltungstechnik-Spezialisten von Nordlite: in der Alten Hagenbeck‘schen Dressurhalle auf dem Gelände des Tierparks Hagenbeck setzen sie anstelle von Live- aktuell auf hybride und virtuelle Events, Messen und Streams. „Wir haben das Potenzial hybrider Veranstaltungen zu Beginn der Coronakrise recht früh gesehen“, berichten Gerresheim Serviert-Geschäftsführer Marco Dilger und Nordlite-Geschäftsführer Oliver Sperling. Das Ziel, ein passendes Konzept zu entwickeln und digitale Angebote zu schaffen, wurde innerhalb kurzer Zeit erreicht. „Wir arbeiten schon lange zusammen“, erklären sie. „Das vorhandene Vertrauen hat es uns ermöglicht, unsere Idee sehr schnell umzusetzen.“ Innerhalb von nur vier Wochen entstand das barrierefreie Hybridstudio für bis zu 180 Gäste. Mit dem Hygiene Kontor Hamburg wurden sichere Hygieneregeln festgelegt, die überwacht und regelmäßig an die geltenden Vorschriften angepasst werden. Auf 1.200 qm befinden sich vier unterschiedliche Studiosets, ein Konferenzraum, ein Produktionsbüro sowie der Crew-Bereich. Das Catering wird auf Wunsch übernommen, in das eigene DSGVO-konforme Streaming-Portal können Liveschaltungen, Chat-Funktionen oder Q&A-Anwendungen integriert werden. Sobald es die Pandemielage zulässt, sind als Rahmenprogramm Führungen durch den Tierpark und das nahegelegene Tropen-Aquarium, das ebenfalls Veranstaltungsflächen bereithält, möglich.

Wie ein erfolgreiches Event im Hybridstudio Hamburg aussieht, zeigten Maike Grimpe und Katrin Pietsch von Hipulse Events. Im April 2021 wurde hier die Film-Premiere von „Time To Live“ by Hipulse gefeiert, die beweisen sollte: Auch digitale Veranstaltungen können Emotionen und Leidenschaft transportieren. Die Geschäftsführerinnen verfügen über langjährige Expertise. Maike Grimpe ist Gründerin des international aufgestellten Unternehmens International Event Management – IEM mit Büros in Hamburg, London und Kalifornien. Katrin Pietsch leitet die auf regionale Boutique-Veranstaltungen spezialisierte Agentur Eventkunststücke. Ende 2020 bündelten die Expertinnen ihre Kräfte in der gemeinsamen Marke Hipulse. Neben exklusiven Präsenz-Events, bei denen sie unter anderem mit dem 2-Sterne-Koch Patrick Coudert zusammenarbeiten, fokussieren sie sich mit Hipulse und der eigenen Plattform „All4digital“ auf hybride und virtuelle Veranstaltungen. Um deren Strahlkraft zu veranschaulichen, brachten die Geschäftsführerinnen im Februar ein 25-köpfiges Team aus ganz Deutschland zusammen und drehten im Hamburger Tortue Hotel einen packenden Kurzfilm. Im Hybridstudio wurde die Produktion präsentiert, begleitet von Musikacts und Interviews mit Gästen wie Dehoga Hamburg-Vizepräsident Jens Stacklies oder Corona Freepass-Geschäftsführer Axel Strehlitz. „Wir wollten mit dieser Aktion die Menschen aufrütteln, emotional abholen und deutlich machen: Es gibt Lösungen und die sollten wir als Veranstaltungsbranche auch nutzen und präsentieren“, erklärt Maike Grimpe. „Wir müssen weitermachen, umdenken und uns neu erfinden.“

Mit über 35 Jahren Erfahrung im Eventgeschäft weiß Hermann Hanser, wie wichtig es ist, am Puls der Zeit zu bleiben. Der geschäftsführende Gesellschafter von CPO Hanser Service konzentriert sich mit seiner Full-Service-Agentur mit Sitzen in Hamburg und Berlin auf Organisation und Durchführung von Kongressen, Meetings und Incentives. Destination und Association Management gehören ebenso zum Portfolio. Mit Beginn der Covid-19-Pandemie hat er umgehend gehandelt und sein Angebot um digitale Tools samt eigenem Kongressportal erweitert. Die alternativen Konzepte ermöglichen es nun, schnell auf sich veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. So sollte der 7. Deutsche Pflegetag im März 2020 nach Berlin kommen, wurde in hybrider Form auf November verschoben und vier Wochen vor dem geplanten Termin dann doch zum Online-Event. Das CPO Hanser Agentur-Team konnte kurzfristig umplanen – Aussteller waren mit ihren Ständen virtuell vertreten, für die 2.000 Gäste wurden Chat-Module implementiert und es gab interaktive Video-Vorträge und Live-Sessions.

Kongresse seien zwar Stätten der Begegnung, der sozialen Interaktion und der persönlichen Kommunikation, doch die Akzeptanz für hybride Formate wächst, beobachtet Hermann Hanser. „Kongresse werden auch in der Zukunft überwiegend Präsenzveranstaltungen sein, an denen sich aber mehr als heute Teilnehmer von außen zuschalten werden. Hybride Kongresse werden in Zukunft der Standard sein, darauf müssen sich Planer und Tagungsstätten einstellen – auch technisch.“

Die Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC) hat genau dies getan und bietet ihren Kunden in Kooperation mit PRG Deutschland neu ein TV-Studio an. Das Streaming-Studio befindet sich in einer 2.800 qm großen multifunktionellen Halle auf dem zentral in der Innenstadt gelegenen Messegelände. Ausgestattet mit High-End-Broadcast-Technik und dank eines ausgereiften Hygienekonzepts für Produktionen können hier hybride oder virtuelle Versammlungen durchgeführt werden. Auf Wunsch berät die HMC zu technischen Fragen und installiert und betreut eine Streaming-Plattform.

Für die kommenden Jahre stellt sich das Unternehmen auf ein Nebeneinander von Analog und Digital ein. „Die Zukunft erfolgreicher Business-Events liegt in der Verbindung von Kundenbedürfnissen und Veranstaltungsangeboten, von persönlicher Begegnung und virtueller Vernetzung“, sagt Heike Mahmoud, COO des von der HMC betriebenen Congress Center Hamburg (CCH). „Wir hören in fast allen Gesprächen, dass die Menschen sehnlich darauf warten, sich endlich wieder persönlich begegnen zu können.“ Sie ist sich sicher: „Eine Präsenzmesse und ein Präsenzkongress bieten ein weitaus größeres Erlebnisspektrum. Dabei wird das digitale Angebot künftig die physischen Messen und Kongresse ergänzen.“

Mit elf Hallen und über 87.000 qm Ausstellungsfläche ist die Messe Hamburg für die Rückkehr von Live-Veranstaltungen gewappnet. Das CCH bietet nach einer vierjährigen Modernisierungs- und Umbauphase weitere 12.000 qm Ausstellungsfläche, 12.000 qm Foyerfläche und 12.000 Sitze in 50 Sälen.

Auch neue Hotelprojekte werden in Deutschlands zweitgrößter Stadt derzeit geplant und umgesetzt. Noch 2021 eröffnet das auf dem Bunker St. Pauli errichtete nhow Hamburg mit 136 Zimmern, Panorama-Restaurant und einzigartigem Dachgarten. Im Westfield Hamburg-Überseequartier, das 2023 fertiggestellt werden soll, entstehen mit Pullman, Novotel und ibis Styles gleich drei Accor-Häuser mit insgesamt 830 Zimmern. So sollen Gruppen mit unterschiedlichem Profil untergebracht und größere Konferenzen ermöglicht werden.

Die zusätzlichen Kapazitäten kann die Tagungsdestination gut gebrauchen: Aktuell sind im MICE-Bereich allein über das HCB 78 Bewerbungen um Veranstaltungen in Entscheidungsphasen oder in Vorbereitung. Weitere rund 200 sind in der Bearbeitung. In diesem Jahr wird das Treffen der European Association of Neurosurgical Societies (EANS) nach Hamburg kommen. Rund 2.000 Spezialisten aus dem Bereich der internationalen Neurochirurgie werden zum hybriden Austausch erwartet. Zusammen mit dem CCH konnte das Convention Bureau außerdem einige der in Europa wichtigsten Kongressorganisatoren von Wissenschaftsverbänden, Medizinkongressen und Tagungen großer Wirtschaftsverbände in die Stadt holen: Das Associations & Conference Forum (AC Forum) wird 2023 erstmals in Hamburg zu Gast sein.

Hamburg Tourismus-Geschäftsführer Michael Otremba sieht seine Tagungsdestination bestens vorbereitet für kommende Events jeglicher Couleur: „Hybride Veranstaltungen gehören zur neuen Normalität im Veranstaltungsgeschäft. Sie schaffen nicht nur Flexibilität, sondern auch die Möglichkeit, mehr Menschen zu erreichen. Hamburgs Gastgeber haben dafür innovative und professionelle Konzepte entwickelt. Im Zusammenspiel mit den Vorzügen der Stadt und den abwechslungsreichen Locations bietet Hamburg die besten Voraussetzungen für erfolgreiche Veranstaltungsformate jeder Art.“

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