Destinations

Nachhaltige Vision

// Johanna Müdicken

Bern begeistert mit fortschrittlicher Klima- und Energiepolitik. Veranstaltungs- und Übernachtungsstätten überzeugen mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein.

Seit 1848 Schweizer Bundesstadt: Bern; Photo: Schweiz Tourismus

Manuela Angst, Vorsitzende der Geschäftsleitung von Bern Welcome: Nachhaltige Angebote bündeln; Photo: Bern Welcome

Natur pur bietet eine Übernachtung im Baumzelt; Photo: Skepping

Auf dem Dach des Hotel Schweizerhof sorgen Bienen für das ökologische Gleichgewicht; Photo: Schweizerhof/David Biedert

Der 14. Schweizerische Stromkongress im Kursaal Bern; Photo: Schweizerischer Stromkongress/Foto Basler

Im Herzen der Schweiz treffen Tradition und historisches Flair auf gelebten Forscher- und Innovationsgeist. Bern, beidseits der türkis glitzernden Aare gelegen, hat mit seiner Vielfalt für Planer viel zu bieten. Abwechslungsreiche Tagungsmöglichkeiten, ein Fokus auf Green Meetings und der Status als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort mit internationalem Renommee zeichnen die Bundesstadt aus. Über 170 Forschungsinstitute in den Bereichen Nachhaltigkeit, Medizin, Materie und Universum, interkulturelles Wissen und Politik haben hier ihren Sitz – beste Voraussetzung also für wissenschaftliche Kongresse und Konferenzen in der Stadt.

Mit dem Auto, Flugzeug oder den öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos zu er­reichen, verfügt die City über knapp 2.500 Hotelzimmer. Seit Juni begrüßen Unterkünfte und Locations unter strenger Einhaltung der geltenden Corona-Regelungen wieder Gäste.

Anbieter wie die Messe Bernexpo haben mit 41.000 qm Hallenfläche ausreichend Platz für große Veranstaltungen, im Sommer tagte hier aufgrund idealer Hygiene- und Abstandsbedingungen das Parlament. Wer es etwas abgeschiedener mag, hält seine Konferenz mit bis zu 800 Delegierten im autofreien Gastronomie- und Eventbetrieb Gurten auf dem Berner Hausberg ab – die fantastische Aussicht auf die umliegenden Wälder und Alpen ist inklusive.

Grün ist das als „Fair Trade Town“ ausgezeichnete Bern nicht nur wegen seiner vielen Parks und Bäume. Die „Klimaplattform der Wirtschaft“ unterstreicht die federführende Stellung in Sachen nachhaltige Entwicklung. 68 Unternehmen aus Stadt und Region verfolgen gemeinsam mit dem Amt für Umweltschutz das Ziel, die CO2- Emissionen zu reduzieren. Über die Plattform tauschen sie sich zu Nachhaltigkeits- und Klimaschutzmaßnahmen aus und sparen durch ihre Projekte jährlich mindestens 2.000 Tonnen CO2 ein. Auch die Destinationsmanagementorganisation Bern Welcome gehört zu den Mitgliedern. „Sie setzt sich neben der Standortförderung auch für Nachhaltigkeit im Berner Event- und Kongressbetrieb ein, beispielsweise mit Angebotsentwicklungen, die lokale und regionale Anbieter berücksichtigen, promoten und sie in Kongress- und Veranstaltungskonzepte einbinden“, erklärt Reto Nause, Direktor für Sicherheit, Umwelt und Energie. „Die Verwendung lokaler Marken und Produkte ist nicht nur nachhaltiger, sie verleiht dem Messe- und Eventstandort Bern auch mehr Individualität und Originalität“, ist sich der Gemeinderat sicher.

„Energie und Umwelt“ gehört neben Bildung, Life-Science, Finance, digitale Vernetzung und Sport zu den Clustern, in die die Stadt ihre Kompetenzfelder zusammenfasst. Die Universität Bern ist im Bereich Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und Betrieb breit aufgestellt und genießt internationales Ansehen. Hier bieten sich das interdisziplinäre Zentrum für nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE), die Wyss Academy for Nature sowie das Oeschger- Zentrum für Klimaforschung für Referenten- und Guest Speaker-Anfragen an. Für das Rahmenprogramm kann unter anderem ein Besuch bei den Wasser-, Wind- und Sonnenkraftwerken des internationalen Energieversorgers BKW arrangiert werden. Das Convention Bureau unterstützt bei der Auswahl von Referenten und Aktivitäten und vernetzt Planer mit Experten und Branchenakteuren.

Insgesamt haben über 400 Unternehmen mit Fokus Energie und Umwelt ihren Sitz in Bern – passendes Umfeld für den vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und Electrosuisse veranstalteten Schweizerischen Stromkongress. Im Januar 2020 war dieser hier bereits zum 14. Mal zu Gast. 400 Vertreter aus der Energiebranche, Politik und Forschung beschäftigten sich zwei Tage lang mit der Zukunft der schweizerischen Energielandschaft. „Die Energiepolitik der Stadt Bern ist Spitzenklasse“, betont VSE-Sprecher Sandro Pfammatter, wenn man ihn nach dem Grund für die Wahl des Austragungsortes fragt. „Seit 2010 ist Bern Energiestadt Gold, seit 2019 sogar Energiestadt mit der höchsten Bewertung der Schweiz. Dafür sorgen das langjährige Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und Unternehmen sowie die Unterstützung der Berner.“

Die nächste Auflage der Veranstaltung soll im Januar 2021 stattfinden, auch dann – wie in den Jahren zuvor – im Kursaal Bern. Die ISO 14001-zertifizierte Lokalität ist Gründungsmitglied der Klimaplattform und beherbergt ein Kongresszentrum mit 30 multifunktionalen Räumen für 1.500 Personen. Auch hybride Events werden neuerdings angeboten. Zum Komplex gehören weiterhin drei Restaurants, eine Cocktail Bar, das Grand Casino Bern und ein 4-Sterne-Superior-Hotel, das Ende 2020 unter dem Namen Swissôtel Kursaal Bern wiedereröffnet wird. Die neugestalteten Zimmer werden im Zuge der Umbauarbeiten mit energieeffizienten Leuchtsystemen ausgestattet, bei der Kühlung wird künftig auf Wärmerückgewinnung und kaltes Wasser anstatt chemischer Kältemittel gesetzt.

Dass für immer mehr Veranstalter ein möglichst kleiner ökologischer Fußabdruck eine zentrale Rolle spielt, weiß Manuela Angst, Vorsitzende der Geschäftsleitung von Bern Welcome. Sie sieht ihre Destination für diese Anfragen bestens gewappnet. „In der Stadt und bei vielen Leistungsträgern gibt es viele nachhaltige Projekte und Angebote – diese bündeln wir und zeigen so den Kongressveranstaltern, warum die Destination die perfekte Wahl für ihren Event ist.“

So profitieren Hotelgäste etwa ab der ersten Übernachtung in einem Beherbergungsbetrieb innerhalb der Stadt vom kostenlosen „Bern Ticket“, das freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Bern und der näheren Umgebung garantiert.

Als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit präsentiert sich der Schweizerhof Bern & Spa. Das Hotel bietet Tagungsgästen elf Räume, darunter drei flexibel kombinierbare Salons und einen 350 qm großen Ballsaal. 2019 wurden das Fünfsterne-Superior-Haus mit dem Myclimate Award ausgezeichnet, seit 2017 berechnet das Hotel gemeinsam mit Myclimate eine umfassende CO2-Bilanz. Gäste haben somit die Möglichkeit, ihre Übernachtung vollumfänglich klimaneutral zu buchen. Eine hausinterne Gruppe ist mit der Mission betraut, die Unterkunft noch umweltfreundlicher zu gestalten. „Ausgewählte Mitarbeitende engagieren sich im ‚Green Busters‘-Team und haben mit ihren Ideen den Foodwaste sowie den Plastik- und Papierverbrauch reduziert“, erklärt General Manager Maximilian von Reden. Gerade beim Umgang mit Lebensmitteln, Strom und Reinigungsmitteln sieht er noch weiteres Optimierungspotenzial: „Wir können in diesen Bereichen noch ressourcenschonender werden.“

Mit einer Solaranlage auf dem Dach produziert das Stadion Wankdorf jährlich Energie für bis zu 200 Haushalte. Ab 2021 setzt der Austragungsort des als „Wunder von Bern“ bekannten Finales der Fußball-WM 1954 zudem auf EWB-Blaustrom mit 100 Prozent erneuerbaren Energien aus der Wasserkraft. Neben Sportveranstaltungen und Konzerten sind im Stadion dank eines 4.000 qm großen Kongressbereichs Zusammenkünfte von zehn bis 1.150 Personen möglich. Als Teambuildingmaßnahme mit Adrenalinkick-Garantie wird unter anderem das Abseilen von LED-Wänden aus 25 m Höhe bis hinunter an den Spielfeldrand angeboten.

Incentive-Möglichkeiten und kulturelle Angebote für das passende Rahmenprogramm zur Konferenz gibt es in Bern reichlich. Die UNESCO-gekürte Altstadt mit ihren sechs km langen Laubengängen und Wahrzeichen wie dem historischen Glockenturm „Zytglogge“ können Delegierte bei einer Rundfahrt auf dem Trottinett erkunden. Kulinarische „Schoggi“- oder Käseevents, bei denen ausgiebig genascht und probiert werden darf, gehören zu den beliebten Klassikern.

Naturerlebnisse für Gruppen bietet das Unternehmen Skepping an. Bei einem Wildkräuter-Kochkurs erfahren die Teilnehmer alles über essbare heimische Pflanzen, aus denen nach dem Sammeln ein leckeres Menü gezaubert wird. Besonders grün wird es bei einer Übernachtung im Baumzelt: Unter Anleitung eines Guides bauen die Teammitglieder ihre Schlafstätte 1,5 m über dem Boden auf. Nach getaner Arbeit endet der Tag bei einem Abendessen am Lagerfeuer. Das Angebot lässt sich mit sechs bis 30 Personen umsetzen und bleibt den Teilnehmern garantiert in Erinnerung.

Das könnte Sie auch interessieren...