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Im Corona-Modus

// Katharina Brauer

Das neuartige Coronavirus trifft die Branche, die sich als globales „people’s business“ versteht, im Kern. Während die wirtschaftlichen Verluste in die Milliarden gehen und einen Notfallfonds notwendig machen, bleibt der Mensch im Fokus, der um seine Gesundheit und seine Existenz bangt.

Photo: Unsplash

Stillstand. Die Begegnungskultur und Live Kommunikation wird durch das am 22. März 2020 von der Bundesregierung erlassene umfassende Kontaktverbot komplett unterminiert. Veranstaltungen werden verschoben, storniert oder entfallen für 2020 ganz. Auch die IMEX 2020 entfällt.

Das neuartige Coronavirus trifft die Branche, die sich als globales „people’s business“ versteht, im Kern. Während die wirtschaftlichen Verluste in die Milliarden gehen und einen Notfallfonds notwendig machen, bleibt der Mensch im Fokus, der um seine Gesundheit und seine Existenz bangt.
„Die Umsatzeinbußen der Veranstaltungs-Centren werden auch die kommunalen Haushalte empfindlich treffen“, weiß EVVC-Präsidentin Ilona Jarabek, Geschäftsführerin der Musik- und Kongresshalle (MUK) in Lübeck. Schließlich seien 80 Prozent der Veranstaltungs-Centren in kommunaler Trägerschaft. Sie fürchtet um das „gesamte Ökosystem rund um Veranstaltungen. Betroffen sind Agenturen, Messebauer, Technik- und Personaldienstleister, Caterer sowie Künstler und unzählige Selbständige. Unternehmen und Menschen, ohne die es keine sicheren und qualitativ hochwertigen Veranstaltungen geben kann“. Die inzwischen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Bundesministerium für Finanzen in Aussicht gestellten Corona-Eindämmungsmaßnahmen greifen nicht zufriedenstellend und müssen nachgebessert werden. „Die Stornierungsquote von 100 Prozent macht schnelle Finanzhilfen unabdingbar“, mahnt der FAMAB-Vorstandsvorsitzende Jörn Huber am 20. März 2020.

„Wir sind eine erstaunlich resiliente Industrie“, macht MPI Präsident & CEO Paul van Deventer in seiner Videobotschaft vom 19. März den Branchenakteuren Mut. Denn „wir können uns aufeinander verlassen und interagieren. Aus der Krise gehen wir gestärkt hervor“, ist van Deventer überzeugt. MPI sorgt mit Lernplattformen und Webinaren für Zusammengehörigkeit.

Auch WEAREONE, die 2020 lancierte neue Firmenphilosophie des m:con Congress Centers Rosengarten in Mannheim, betont den „comunity spirit“, der das innovative Unternehmen beflügelt und zum Vorreiter gemacht hat. „Wir hätten nicht gedacht, dass unsere hier gelebte Philosophie so bald eine allgemeingültige Tragweite bekommt“, sagt m:con CEO Bastian Fiedler.

„Weareone“ ist die Losung der Stunde. Vernetztes Denken und der Blick über den Tellerrand zeigen neue Perspektiven auf. Dass die Krise ein starker Inkubator für Kreativität sein kann, hat der unter der Schirmherrschaft des Chefs vom Bundeskanzleramt Helge Braun stehende Hackathon #WirvsVirus vom 20. bis 22. März 2020 in Berlin gezeigt. „Die Corona-Pandemie stellt alle Staaten dieser Welt vor ungeahnte Herausforderungen. Digitale Technologien können uns dabei helfen, diese zu meistern. Der Hackathon ist eine Chance, Menschen zusammenzubringen, die ganz konkret helfen können und wollen – und zwar digital“, sagt Achim Berg, Präsident des den Hackathon unterstützenden Digital-Verbandes Bitkom. Unter den Ideen sind Vorschläge, wie Hotelbetten als zusätzliche Krankenbetten nutzbar sind und hierbei nicht genutzte Buchungsplattformen eingebunden werden können.

Konstruktive Vorschläge zur Nutzung von Hotelkapazitäten macht auch Dorint-Chef Dirk Iserlohe, der seine Häuser in Kliniknähe als erweiterte Krankenstationen anbieten möchte. Auch die Achat-Hotels zeigen Flexibilität und offerieren ihre 4.000 Zimmer in 33 deutschen Städten als temporäre Home-Offices, W-Lan inklusive.

Welche Alternativen die Digitalisierung bereithält, betonen globale Branchenverbände wie die professional convention management association (pcma). Sie rät zu einer Entwicklung von virtuellen Events, vor einer möglichen Stornierung und zu einer klaren Fokussierung auf den Zweck, die Generierung von Leads (konkreten Anfragen).

„Das Paradigma der Präsenzkultur konterkariert in Zeiten von Corona aktuelle Bemühungen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“, bringt der Anbieter Eventnet die Lage auf den Punkt und offeriert ein System zur virtuellen Durchführung von interaktiven Veranstaltungen mit bis zu 150 Teilnehmern.

Dass die Delegierten der MPI World Education Conference (WEC) vom 6. bis 9. Juni 2020 analog in Grapevine, Texas, vor Ort sein werden, hofft Paul van Deventer. Er ist überzeugt, dass „die Business Events Industrie dabei helfen  wird, dass sich die weltweite Wirtschaft erholt“. Dennoch: Diese Krise ist ein „Gamechanger“ und hat gezeigt, dass ein blauer Himmel über China möglich ist. Wir werden uns auf eine schonendere Globalisierung verständigen müssen.
 

 

 

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