Industrie

Branche blickt mit Sorge in Richtung Winter

Wie planbar ist der Herbst und der Winter für die Veranstaltungsbranche? Die Angst vor Lockdowns ist groß.

Ein Mantra für Planer in der zweiten Jahreshälfte: Jetzt nicht die Nerven verlieren. Foto: Unsplash

Die Tagungs-, Event- und Veranstaltungswirtschaft blickt mit Sorge in Richtung Herbst und Winter. Zwar würden inzwischen auch Anfragen und Aufträge für Oktober und November eingehen. Doch in vielen Fällen würden sich die Veranstalter noch aus Angst vor neuen Corona-Wellen noch mit festen Buchungen zurückhalten, hieß es von diversen Teilnehmern während des Pre-Openings des neuen alten Volkshauses vergangene Woche in Jena.

Caterer: Schwierigkeiten bei der Planung der Preise

„Das Planen ist keineswegs mehr so einfach wie früher“, berichtete unter anderem Nora Kirsten von Optinet. Zur Corona-Unsicherheit kämen nun noch die Probleme etwa beim Catering hinzu, etwa durch fehlendes Personal und steigende Einkaufspreise. „Viele Caterer wollen derzeit noch gar keine Angebote für November machen, weil sie die Preisentwicklung nicht einschätzen können“, so Nora Kirsten. 

EVVC: Enger Kontakt zur Politik

Ilona Jarabek, Präsidentin des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren (EVVC), sind die Herausforderungen hinlänglich bekannt. Bezüglich Corona versuche der EVVC deshalb, mit der Politik im Gespräch zu bleiben und verlässliche Rahmenbedingungen für die Branche zu erhalten. Um die eigenen Forderungen zu untermauern, habe man eine Matrix erarbeitet, wie auch im Herbst und Winter Veranstaltungen durchgeführt werden können, so Jarabek während einer Gesprächsrunde beim Jenaer Volkshaus-Pre-Opening.

Johannes Nießen: „Entscheidungswege zu lang“ 

Aktuell liegt die Entscheidung über Corona-Schutzmaßnahmen bei den Länderparlamenten. Dies soll sich aus Sicht von Medizinern ändern, weil die Entscheidungswege zu lang seien, mahnte jüngst Johannes Nießen, der als Leiter des Kölner Gesundheitsamtes und Vorsitzender des Bundesverbands der Amtsärzte im ständigen Corona-Expertenrat der Bundesregierung sitzt.

„Zeitlich begrenzte“ Lockdowns nicht ausgeschlossen

„Bis ein Landesparlament eine Entscheidung getroffen hat, kann es für eine effektive Infektionskontrolle schon zu spät sein“, warnt Neißen und kommt dann zu einer Aussage, die der Veranstaltungsbranche die Sorgenfalten ins Gesicht treibt: Aus Sicht von Neißen müssten die Behörden „sämtliche Maßnahmen bedarfsweise nutzen können“, und zwar genau dann, wenn es nötig sei. Auf gut Deutsch: Neißen fordert bei Bedarf kurzfristig angeordnete Lockdowns. Dass diese zeitlich begrenzt sein sollen, ist keine wirkliche Beruhigung für die Branche.

Matthias Gürtler

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