Industrie

Degefest stellt Trendanalyse zum Restart vor

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Initiator der Studie, Professor Jerzy Jaworski von der Hochschule Heilbronn; Foto: Degefest

Der deutsche Fachverband Degefest, der die Kongress- und Seminarwirtschaft vertritt, hat nach 2020 nun abermals seine Mitglieder zu Corona und dem Restart der Branche befragt. Insgesamt haben sich 42,7 Prozent der Mitglieder beteiligt, im Vorjahr waren es 38,6 Prozent.

Deren Einschätzung zufolge werden die Umsatzausfälle auch 2021 hoch sein. Knapp 85 Prozent der Befragten erwarten für diese Jahr nicht mehr als 70 Prozent des Umsatzes aus dem Jahr 2019. Auch in den Jahren 2022 und 2023 werde sich der Veranstaltungsmarkt noch nicht vollständig erholen, so die Erwartung.

Ein wichtiges Ergebnis der Umfrage: Virtuelle Events können auch aus Sicht der Degefest-Mitglieder physische Zusammenkünfte nur bedingt ersetzen. Dazu der Initiator der Studie Professor Jerzy Jaworski von der Hochschule Heilbronn: „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Veranstaltungshäuser ihre Umsätze primär nicht nur durch die Wissensvermittlung generieren, sondern insbesondere durch Leistungen wie Catering, Veranstaltungs-Dienstleistungen, Übernachtungen, Begleitprogramme und vieles mehr. Finden Präsenzveranstaltungen aufgrund der Pandemie nicht statt und werden diese durch Online-Events ersetzt, wird damit das Kerngeschäft eines jeden Veranstaltungshauses gefährdet.“

Hybrid-Events werden ebenfalls skeptisch gesehen. Die Befragten befürchten, dass die hybriden Veranstaltungen finanziell unrentabel sein werden. Vor allem aber werde der „gute“ und direkte Kontakt zum Gast verloren gehen. Gerade in der Lockdown-Zeit habe eine „Gästeentfremdung“ stattgefunden.

Bei den Tagungsteilnehmern werde zudem eine falsche Erwartung geweckt („…es wird billiger…“). Mit der Erweiterung des eigenen Angebots um hybride Formate entstünden dagegen zusätzliche Kosten, die selten gedeckt würden. Gleichzeitig würden für die Veranstaltungshäuser interessante Angebote wie die Gastronomie weniger gebucht.

Die gastronomischen Erlöse stellen einen wichtigen Bestandteil des wirtschaftlichen Erfolgs im Veranstaltungshaus dar. Zumindest temporär erwarten die Teilnehmenden, dass Büffets verschwinden werden resp. kein Selbstschöpfen möglich sein wird, das Essen exklusiver und teurer wird, mehr Bedienungspersonal benötigt wird und vorgefertigte Essenspakete (bspw. ein Brown-Bag-Service) eingesetzt werden.

Auch die Hygienemaßnahmen kosten Geld. Nach Einschätzung der Befragten sind Kunden aber nur bedingt bereit, den Mehraufwand adäquat zu bezahlen. Diese Ergebnisse sind fast deckungsgleich mit denen des Vorjahres.

Die Hygiene werde auch Auswirkungen auf die Größe der Tagungsstätte haben. Generell gilt laut Studie: eine Tagungsstätte benötigt für jeden Teilnehmer das Dreifache an Raum:

  • einen Sitzplatz im Plenarsaal (Reihenbestuhlung),
  • einen Sitzplatz in einem Workshop-Raum und
  • eine Fläche in den Break-out-Räumen (für Empfang, Pause mit u.U. Bewirtung, begleitende Ausstellungen, Ausklang der Veranstaltung).

Es könnte sein, dass nach den Covid19-Erfahrungen die DIN-Norm 15906 dem neuen Bedürfnis nach Raumfläche angepasst werde, heißt es. Die Tagungsstätten, die schon heute großzügig mit wichtiger werdenden Foyerflächen ausgestattet sind, werden dies in ihrer Marketing- und Kommunikationsarbeit zu nutzen wissen, so die Erwartung.

Die Studie steht Degefest-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung. Weitere Interessierte können diese per Mail unter info@degefest.de anfragen.

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