Industrie

Mannheims Tagungsbranche sieht rot

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Das Podium in Mannheim (v.l.): Melissa Meyer, Musik-Kabarett Schatzkistl, Jan Goschmann, Mannheimer Hallenbetriebs-GmbH, Thomas Siffling, Ella & Louis, Thorsten Riehle. Capitol, Bastian Fiedler, m:con – mannheim:congress GmbH, Jens Reithmann, SAP Arena, Matthias Mantel, BB Promotion, Markus Beisel, Rhein Neckar Theater; Foto: m:con/Lüttich

Gemeinsam haben Mannheimer Veranstaltungshäuser und Veranstalter bei einer Podiumsdiskussion auf die Notlage der regionalen Veranstaltungswirtschaft aufmerksam gemacht. Vor einigen Wochen haben sich erstmals Betreiber von Mannheimer Veranstaltungshäusern sowie Mannheimer Veranstalter zusammengefunden, um sich auszutauschen und gegenseitig in der schweren Krise zu unterstützen.

Mit dabei sind die m:con – mannheim:congress GmbH, das Capitol, der Jazz-Club Ella & Louis, die SAP Arena, BB Promotion, die Mannheimer Hallenbetriebs-GmbH, das Musik-Kabarett Schatzkistl, das Rhein Neckar Theater und die Alte Feuerwache.

„Initiativen wie die Night of Light haben zwar bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt“, sagt m:con Geschäftsführer Bastian Fiedler. Allerdings habe diese nicht so lange angehalten wie gedacht. Obwohl die Veranstaltungsbranche Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig sei, habe sie im Verhältnis zu anderen Branchen weniger Raum in den Berichterstattungen gefunden.

Im Mannheimer Congress Center Rosengarten seien allein zwischen März und September 87 Veranstaltungen Covid19-bedingt abgesagt worden, entweder auf Entscheidung des Veranstalters oder aufgrund der behördlichen Vorgaben. Dadurch seien rund 7,7 Millionen Euro Umsatz verloren gegangen. Obwohl aufgrund des Hygienekonzeptes Veranstaltungen mit begrenzten Besucherzahlen wieder durchführbar seien und auch Neuanfragen und -buchungen bis Jahresende eingehen, bleibe der wirtschaftliche Schaden immens.

Die Hilfen seien „leider eher ein Tropfen auf den heißen Stein“, ergänzt Thorsten Riehle, Geschäftsführer des Capitol in Mannheim. Hier wurden zwischen März und Dezember 162 Veranstaltungen mit einem Umsatzvolumen von rund 1,5 Millionen Euro abgesagt, 86 davon wurden bisher verschoben. Die 14 festangestellten Mitarbeiter des Capitol seien vollständig in Kurzarbeit und die 25 Aushilfen ohne Einkommen.

„Wir waren die erste Branche, die von Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen war, und werden wohl auch diejenige sein, die am längsten durchhalten muss.“, sagt Matthias Mantel, Managing Director von BB Promotion. Hier mussten bereits 12.000 Besuchern Eintrittsgelder in Höhe von ca. 530.000 Euro zurückerstattet werden. 52 Veranstaltungen, für etwa 240.000 Besucher erwartet wurden, mussten verlegt werden. Ein Großteil der Belegschaft sei uf unbestimmte Zeit in Kurzarbeit, ausgenommen das Ticketing, das noch immer mit der Ticketabwicklung der Veranstaltungen beschäftigt sei.

Im Bereich der BB Promotion Tourneen in der DACH Region wurden rund 600 Shows mit 30 Millionen Euro Umsatz vollständig abgesagt. Künstler, Techniker und Tourneepersonal sind aktuell vertragslos.

Das Musical „Starlight Express“ und die Theaterproduktion „Harry Potter und das verwunschene Kind“ wurden abgesagt oder geschlossen. Künstler, Techniker, Servicepersonal und Subunternehmer in beiden Theatern seien vertragslos oder in Kurzarbeit, heißt es.

Die Runde zeigte zwar auf, dass viel unternommen wurde, um unter Einhaltung der Corona-Auflagen Veranstaltungen durchführen zu können, dennoch stehe man „mit dem Rücken an der Wand“, wie Jens Reithmann von der SAP Arena sagt. Auch hier sind alle 50 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Beim Jazzclub Ella & Louis braucht man durch die Abstands- und Hygieneregeln zur Wiederaufnahme des Spielbetriebes deutlich mehr Personal vor Ort. Dies bedeute mehr Kosten bei gleichzeitig geringerer Kapazität und Einnahmen, beschreibt der künstlerische Leiter Thomas Siffling die Situation.

Die vorgetragenen Zahlen sollen aufzeigen, mit welchen Existenznöten die Veranstaltungswirtschaft in Mannheim kämpft. Bundesweit hingen über eine Million Arbeitsplätze am sechstgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands mit rund 130 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Gefordert wird daher eine zuverlässige Perspektive der Regierung für Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche.

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