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Pilotprojekt mit Corona-Schnelltests: Das sind die sieben Learnings für Veranstalter

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Das Austria Center Vienna mit der Wirtschaftsuniversität Wien, dem Arbeiter-Samariter-Bund und Alpstar, einem Vertriebler für medizinische Produkte, ein EU-weites Pilotprojekt durchgeführt, um die Durchführbarkeit und den Nutzen von Covid-19-Schnelltests für die Event-Branche zu testen. Das Ergebnis lässt hoffen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie für die weltweite Kongress- und Veranstaltungsbranche sind verheerend. Unzählige Messen und Events mussten abgesagt werden. Erst ein Impfstoff oder ein Medikament zur Behandlung der Infektion, könnte in der Branche für ein Aufatmen sorgen. Bloß, wann – das steht in den Sternen.
Was, wenn in der Zwischenzeit zumindest ein probates Test- und Präventionsprotokoll Abhilfe schaffen und die Durchführung von Veranstaltungen mittelfristig ermöglichen und erleichtern könnte?

Dieser Frage ist das Austria Center Vienna mit seinen Partnern nachgegangen und hat bei einem zweitägigen Pilotprojekt einen wichtigen Kenntnisschub erreicht. Im Rahmen einer Vorlesung haben sich insgesamt rund 2.000 Studierende und Personalmitarbeiter sowie teilnehmende Journalisten und Kunden einem Schnelltest unterzogen, heißt es in einer Mitteilung. Das war Auflage, um an der Vorlesung teilzunehmen.

Die Ergebnisse, die das Projekt einbrachte, machen Hoffnung in Bezug auf Machbarkeit, Akzeptanz und Effizienz eines gut und transparent gestalteten und maßgeschneiderten Sicherheitskatalogs für Veranstaltungen und Kongresse.

Das wesentliche Learning, heißt es, sei, dass Schnelltests in der Praxis durchführbar sind und eine sinnvolle Ergänzung innerhalb eines Hygienekonzepts darstellen. In der Vorbereitung sei ein skalierbares Teststraßen-System entwickelt worden, welches individuell auf den Schnelltest abgestimmt ist.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

  • Planbare Vorlaufzeiten
    Gute Organisation einer Teststraße (siehe Grafik) ermöglicht, laut Arbeiter Samariter Bund, einen Test pro 30 Sekunden. Dies bedeute, dass pro Teststraße im Schnitt 120 Personen in der Stunde getestet werden können. Je nach Teilnehmeranzahl errechne sich so aus den Faktoren „Anzahl der Teststraßen“ und „Zeitslots“ die jeweilige Vorlaufzeit.
  • Kurze Absolvierung
    Die Durchführung des Tests vom Abstrich bis zur Sichtbarkeit des Ergebnisses habe zwischen sechs und zehn Minuten gedauert. Die Teststraße sei idealerweise in Abschnitte einzuteilen, damit die Testpersonen in halbminütigem Rhythmus und unter Einhaltung des Sicherheitsabstands jeweils einen Abschnitt vorrücken können.
  • Geringer Personalaufwand
    Pro Teststraße seien ein Sanitäter für den Rachenabstrich sowie zwei bis drei Assistenten zur Unterstützung des Testdurchlaufs vonnöten. Zusätzlich brauche es ein Team von medizinischem Fachpersonal sowie mindestens ein Rettungsfahrzeug, welches die Personen mit positivem Testergebnis umgehend isoliert und betreut. Hinzu kämen Sicherheitspersonal, die Kosten für Auf- und Abbau sowie Reinigung, Möblierung und notwendige Schutzutensilien für die Assistenten.
  • Niedrige Positiv-Rate
    Der Anteil positiver Fälle hat laut Mitteilung bei 0,25 Prozent gelegen. Von den 2.000 Tests sind lediglich für positiv ausgefallen.
  • Standardisierter Ablauf im Umgang mit positiven Fällen
    Bewährt habe sich folgender Ablauf: „Sofern ein positives Ergebnis vorliegt, wird die Testperson umgehend isoliert (mit Sichtschutz) und vom Sanitäter wird direkt vor Ort ein zusätzlicher PCR-Test durchgeführt. Die Person wird zentral als Verdachtsperson gemeldet und vom Rettungsdienst einzeln in Heimquarantäne gefahren. Sofern die Person mit dem Pkw gekommen ist, kann diese sich auch eigenständig in Heimquarantäne begeben. Die PCR-Proben der Verdachtsfälle werden anonym und gesammelt ins Labor gebracht.“
  • Gültigkeitsdauer
    Hierzu heißt es: „Am zweiten Tag hatte eine Testperson ein positives Ergebnis (ohne Symptome), welche am ersten Tag noch negativ getestet wurde.“ Das bestätige die Tatsache, „dass es sich beim Test immer um eine Momentaufnahme handelt“. Es bestehe daher die Notwendigkeit, die Tests „bei mehrtägigen Veranstaltungen täglich“ durchzuführen.
  • Hohe Akzeptanz
    Dieser Punkt ist nicht zu missachten. Obwohl die Schnelltests vor den betreffenden Vorlesungen aufgrund der absoluten Neuheit des Produktes nur wenige Tage vor der Veranstaltung den Studierenden angekündigt wurden, sei die Akzeptanz durch die Testpersonen durchgehend sehr gut gewesen. Dazu habe auch ein Erklärvideo beigetragen, das den Teilnehmern vorgeführt wurde.

„Mit dem Pilotprojekt wollten wir zeigen, dass Schnelltests die Sicherheit von Veranstaltungen deutlich erhöhen können und der Einsatz auch organisatorisch möglich ist. Das überwältigende Feedback und Interesse quer durch alle Branchen zeigt uns, welch große Hoffnungen in das neue Testsystem gesetzt werden. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern einen ersten Anstoß liefern konnten und möchten daher unsere Erkenntnisse für alle Interessierten zur Verfügung stellen“, sagt Susanne Baumann-Söllner, Direktorin des Austria Center Vienna.

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