Industrie

Reisebranche will „weg vom Tropf der Regierung“

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Norberg Fiebig; Foto: DRV/Wyrwa

Am 8. Dezember 2020 hat sich die deutsche Reisebranche erstmals virtuell zur traditionellen Jahrestagung des Deutschen Reiseverbands (DRV) getroffen. Laut DRV-Präsident Norbert Fiebig rechnet die Branche dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang von 80 Prozent. Reisewarnungen, Quarantäneverordnungen und Appelle der Politik gänzlich auf Reisen zu verzichten, hätten die Reisewirtschaft 2020 begleitet und Unternehmen wie Reisende zunehmend verunsichert, hieß es auf der Jahrestagung.

Für Reisebüros, Reiseveranstalter und touristische Dienstleister eine Katastrophe. Laut aktueller Umfrage des Verbands sind für 80 Prozent der Unternehmen die Überbrückungshilfen III überlebenswichtig, um über den Winter zu kommen.

Allerdings müssten – auch wenn der Staat viel helfe, um die mittelständische Struktur der Branche durch die Krise zu retten –  die Überbrückungshilfen III nachjustiert werden, sagt Fiebig weiter. Größere Mittelständler fielen durchs Raster. Auch die Überlegung bei den Hilfen für das 1. Halbjahr 2021 auf entgangene Provisionen und Margen stornierter Reisen zu setzen, sei nicht hilfreich, da für den Beginn des Jahres so gut wie keine Buchungen vorlägen. „Jetzt kommt es auf die Ausgestaltung der Ausfallkosten an“, fordert der DRV-Präsident.

„Keiner in der Reisewirtschaft will länger als unbedingt nötig am Tropf des Staates hängen“, so Fiebig weiter. Es brauche verlässliche Rahmenbedingungen, die ein sicheres Reisen wieder möglich machten, sobald es die Infektionszahlen erlaubten.

„Zwangsquarantäne ist kein sinnvoller Infektionsschutz“, appelliert der DRV-Präsident an die Politik. Ergänzend zur Impf- brauche man vielmehr eine kluge Teststrategie. In Kombination mit Hygiene- und Sicherheitskonzepten während der Reise und im Zielgebiet gebe dies Sicherheit für Reisende und einen sinnvollen Schutz.

Für 2021 ist der DRV „verhalten positiv“. Durch die Pandemie sei die Wertschätzung für das Reisen gestiegen. „50 bis 60 Prozent der Umsätze des Rekordjahres 2019 sind hoffentlich drin“, so Fiebig – insbesondere wenn ein gewisser Nachholeffekt durch den Verzicht auf Reisen in diesem Jahr hinzukomme.

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