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So war die re:publica 19

08.05.2019, Berlin - Session: Wie weiter mit der Datenpolitik? Speaker: Ingo Dachwitz, Christiane Wendehorst, Christiane Woopen. Die re:publica ist eine der weltweit wichtigsten Konferenzen zu den Themen der digitalen Gesellschaft. Sie fand in diesem Jahr vom 06. bis 08. Mai in der Station-Berlin statt. Photo: Jan Michalko/re:publica

Die re:publica ist die größte Konferenz zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft in Europa. Hier treffen BloggerInnen auf PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen auf UnternehmerInnen, KünstlerInnen auf AktivistInnen. Auch zur diesjährigen, 13. Auflage in Berlin kamen zahlreiche netzaffine und digitalbegeisterte Menschen, um miteinander zu diskutieren und sich inspirieren zu lassen: Insgesamt 25.000 Besucher wurden an den drei Konferenztagen gezählt.

„Die re:publica ist der zentrale Ort in Deutschland, wo die wichtigen Fragestellungen einer sich entwickelnden digitalen Gesellschaft diskutiert und verhandelt werden. Wir freuen uns auch über das große Interesse aus der Politik, sich bei uns diesen Debatten zu stellen, denn der gesellschaftliche Dialog dazu ist wichtig”, betont re:publica-Mitgründer Markus Beckedahl. „Unsere Motivation ist jedes Jahr, unsere TeilnehmerInnen zu inspirieren und zu aktivieren, aber auch sich über die re:publica hinaus für eine lebenswerte digitale Gesellschaft einzusetzen.“

Die dreizehnte Ausgabe der Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Motto tl;dr: „too long; didn’t read“ und war damit dem Kleingedruckten gewidmet: Den Fußnoten. Der Kraft der Recherche, dem Wissen und der Kontroverse. Der Notwendigkeit und Dringlichkeit, die Themen kritisch zu hinterfragen, die polarisieren, uns spalten – oder auch vereinen.

„Dieses Motto ist ein Weckruf an die politische Debattenkultur – eben nicht nur im Netz, sondern ganz allgemein“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Eröffnungsrede am Montag und gab damit den Startschuss für ein facettenreiches Programm. Zu diesem gehörte unter anderem die Keynote von Mathematiker und Autor Gunter Dueck der den inneren tl;dr-Algorithmus zur „Identifikation von Bullshit und Wert“ analysierte. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sprach über Gerechtigkeit und Fairness in der digitalisierten Welt und unterstrich, dass Technologien und Märkte den Menschen dienen sollten und nicht umgekehrt. Johan Rockström, Direktor des Potsdam Institute for Climate Impact Research, forderte in seiner Keynote politische Maßnahmen für eine gesellschaftliche Transformation hin zu mehr Klimagerechtigkeit.

„vollehalle – die Klimashow, die Mut mach“ verbreitete zudem Lust auf konstruktiven Aufbruch und teilte unterhaltsame und hoffnungsvolle Geschichten von Menschen, die neue Wege im Kampf gegen den Klimawandel gehen. Auf der TINCON erzählte Sophie Passmann, wie sie „ein Jahr ohne Pause im Internet“ erlebte und was sie dabei gelernt hat. Sibylle Berg inszenierte ihr neues Buch „GRM – Brainfuck“ gemeinsam mit Katja Riemann und Nora Al-Badri in einer multimedialen Bühnenshow auf der re:publica-Bühne. Zurück auf der Erde von seiner zweiten ISS-Mission kehrte Alexander Gerst auch zur re:publica zurück. Nach seiner ersten Teilnahme im Jahr 2015 sprach er mit Jan Wörner, dem Generaldirektor der ESA-Raumfahrtagentur, und der Präsidentin der portugiesischen Raumfahrtagentur Chiara Manfletti über die Zukunft der Weltraumexploration, ihren Nutzen für die Gesellschaft und interstellaren Umweltschutz.

Zu den weiteren Highlights der #rp19 zählten die „Opening Keynote” der kenianischen Forscherin Nanjira Sambuli, Taiwans Digitalministerin Audrey Tang, die Forscherin und Designerin Alexis Hope und Frank Rieger, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Neben „re:publica-Urgestein“ Sascha Lobo standen in diesem Jahr auch der Künstler und Fotograf Wolfgang Tillmans, Science-Fiction-Autor Cory Doctorow und die Politikerin Sigi Maurer auf den re:publica-Bühnen.

Auf positive Resonanz stieß außerdem die re:cruiting area – ein neues Angebot auf der re:publica 19. Verschiedene digitale und analoge Formate ermöglichten die Vernetzung von Jobsuchenden mit potenziellen ArbeitgeberInnen. Die Nachfrage war zwischenzeitlich so hoch, dass spontan zusätzliche “Job-Speed-Meetings” angeboten wurden. Auch die Impulsvorträge zum Thema „Zukunft der Arbeit” lockten zahlreiche Interessierte in die re:cruiting area der re:publica 19.

Bereits am Wochenende vor der re:publica hatte zum zweiten Mal das Netzfest stattgefunden, das an zwei Tagen 10.000 Menschen in den Park am Gleisdreieck und die Ladestraße des Deutschen Technikmuseums lockte. Die Jugendkonferenz TINCON, die in diesem Jahr erstmalig zeitgleich und im Rahmen der re:publica stattfand, hatte mehr als 2.500 jugendliche BesucherInnen. Zudem fand die Jugendkonferenz für die digitale Gesellschaft zum vierten Mal in Berlin und erstmals im Rahmen der re:publica statt. Knapp 100 Speaker und Workshop-Gebende waren dabei, darunter 35 SprecherInnen unter 22 Jahren. TINCON-Gründerin Tanja Haeusler betont: „Die Jugend braucht mehr Sichtbarkeit und mehr Gehör! Mit der ,re:publica Next Generation’ ist es uns gelungen, den Dialog zwischen jüngeren und älteren Netzaktivist*innen und gesellschaftspolitisch Interessierten zu fördern. Das Interesse der erwachsenen re:publica-Teilnehmer*innen an der TINCON war immens – und umgekehrt haben viele Jugendliche erstmals die re:publica besucht.“

Zum Abschluss der #rp19 erwartete die TeilnehmerInnen die traditionelle „Closing Ceremony“ sowie eine spektakuläre Abschlussparty mit einem Konzert der australischen Singer-/Songwriterin Kat Frankie.

„Ich bin überwältigt“, so die Bilanz des re:publica-Geschäftsführers und Mitgründers Andreas Gebhard der diesjährigen Veranstaltung. „Was das Team in diesem Jahr auf die Beine gestellt hat, ist unglaublich. Wir haben die gesamte Breite der digitalen Gesellschaft abgebildet und die Stimmung vor Ort war perfekt. Ich wünsche mir das ganze Jahr re:publica.“

Die nächste re:publica wird vom 06. - 08. Mai 2020 in Berlin stattfinden.
 

 

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