Industrie

Zukunftsforscher Oliver Leisse: Events per Rezept

Events mit positiven Botschaften sollten vom Arzt verschrieben werden: Mit dieser kreativen Forderung sorgt der Zukunftsforscher Oliver Leisse für Aufmerksamkeit.

Blickt aus Berufung in die Zukunft: Oliver Leisse Foto: privat

Veranstaltungen und Events sind „eine Therarapie, auf die nach der Pandemie alle warten“. Mit dieser These macht der Zukunftsforscher Oliver Leisse der Kongress- und Incentive-Branche Mut. Der aktuelle Aufschwung werde sich auch langfristig fortsetzen, denn der Nachholbedarf sein enorm, so Leisse während eines Vortrags auf dem EVVC-Kongress in Frankfurt am Main.

Mehr noch: Aus der Sicht von Leisse ist die Tagungs- und Event-Branche systemrelevant: „Event-Besuche sollten vom Arzt verschrieben werden“, fordert der Zukunftsforscher und verweist auf die positiven Botschaften, die von ihnen ausgehen. Und dies gelte nicht nur im Entertainment-Bereich, sondern auch für Tagungen. Die Voraussetzung dafür sei, dass es sich um „Events mit Sinn und Verstand“ handele.

Dinge so einfach halten wie möglich

Vier Punkte sind es, die aus Sicht von Leisse für das Geschäft künftig entscheidend sein werden: Commitment, Convenience, Creativity und Connection. Die Menschen würden nach Orientierung suchen, gleichzeitig aber versuchen, den Denkaufwand zu reduzieren. Dies zwinge Event-Anbieter zur Einfachheit: Tickets sollten möglichst bequem zu ordern, zu drucken oder abzuspeichern sein, das Infoangebot sollte klar strukturiert und gezielt sein.

Zudem sollte die Branche über Kuschel-Konzepte nachdenken: „Die Gäste wollen sich wohlfühlen beim Event“, so Leisse. Das Wort Geborgenheit nimmt er nicht in dem Mut – es schwingt in diesen Aussagen aber durchaus mit. Ein weiterer Vorschlag des Zukunftsforschers: Raus aus monothematischen Angeboten und mehr Vielfalt bei Events.

Nachbereitung auf allen Kanälen

Zunehmend wichtig wird nach Einschätzung des Zukunftsforschers eine professionelle Nachbereitung von Events, etwa auf den Social-Media-Kanälen, per Podcast oder auf traditionellen Wegen. Auch die Überlegung, das Event live zu streamen, sollte immer in die Planung einfließen.

Grundsätzlich sieht Leisse ein „Jahrzehnt der Veränderungen“ auf die Menschheit zukommen. Die Welt sei zunehmend „volatil, unsicher und komplex“. Die Pandemie könne sich im Nachhinein sogar als Chance für die Tagungs- und Event-Branche erweisen: Durch die Einsamkeit in dieser Zeit haben die Menschen haben gelernt, wie wichtig es für sie ist, zusammenzukommen.

Menschen haben neue Ansprüche

Wichtig ist aus Sicht von Leisse, den aktuellen Schwung beizubehalten. Studien würden zeigen, dass ein Großteil der Menschen künftig mehr Events besuchen möchte als vor Corona. Zugleich änderten sich ihre Ansprüche, die Branche müsse deshalb neue Impulse setzen. „Wir waren lange nicht in Aufbruchstimmung, das muss sich ändern“, betont Leisse.

Matthias Gürtler

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