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Lernen von Korea: „Transparenz ist ein erstaunliches Heilmittel im Kampf gegen ansteckende Epidemien“

// Katharina Brauer

Während die Covid-19 Pandemie Europas MICE Industrie mit Wucht trifft, blicken professionelle Branchenakteure voller Respekt nach Südkorea und seiner Hauptstadt Seoul. CIM hat den Leiter des Seoul Convention Bureaus (SCB) Don Byun gefragt, wie die Stadt die Pandemie in den Griff bekommt.

SCB Executive Director Don Byun

CIM: Wie sind die internationalen Reaktionen auf Ihre kürzlich lancierte CAC (cities against Covid-19) Kampagne?

Don Byun: Das Seoul Convention Bureau (SCB) kann sagen, dass die umsichtigen Bemühungen der Stadtverwaltung Seoul, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, hilfreich war. Die Kampagne zielt darauf ab, die Maßnahmen mit anderen Städten, die ähnlichen Situationen weltweit ausgesetzt sind, zu kommunizieren. Einer von SCB’s fundamentalen Werten ist „Verbindung in Partnerschaft“. Wie Seoul’s Bürgermeister Park Wonsoon betont: „Wir leben alle auf einem Planeten. Es gibt keinen Zweifel daran, dass unsere Kooperation und Solidarität sich gegenüber dem Virus durchsetzen wird“.

Was hat Seoul von der MERS Epidemie 2015 gelernt?

Seoul’s Prinzipien zur Kontrolle und Vorbeugung infektiöser Krankheiten basieren auf Schnelligkeit und Transparenz. Da Erfahrung der beste Lehrer ist, hat sich der MERS Ausbruch 2015 als Wendepunkt erwiesen und Seoul und Korea gelehrt, Grundlagen zur Reaktion auf solche Infektionen zu bilden. Seitdem hat sich Seoul an die Prinzipien „Transparenz ist ein erstaunliches Heilmittel im Kampf gegen ansteckende Epidemien“ und „Übertriebene Reaktion ist besser als träge Reaktion“ gehalten.
Solche Prinzipien kommt auch eine Schlüsselrolle dabei zu, den Ausbruch von Covid-19 in Seoul in Angriff zu nehmen. Während manche Länder zögerten, den eigenen Virusausbruch aufzudecken, haben Seoul und Korea unermüdlich getestet, Informationen geteilt und Desinfektionsbemühungen vermehrt. Eine Serie von Schritten – darunter Patiententests, epidemiologische Untersuchung und Quarantäne wurden ohne Verzögerung durchgeführt und verhinderten präventiv Quellen weiterer Infektionen. So war Seoul in der Lage, urbane Dienstleistungen ohne Lockdown oder „Bleib‘ zu Hause“-Auflagen während der Eindämmungsbemühungen beizubehalten.
Jegliche Information zu Covid-19 ist öffentlich zugänglich und wird in transparenter Weise geteilt. Die Covid-19-Seite auf der offiziellen Seite der Stadtverwaltung Seoul listet aktuelle Information zu bestätigten Fällen in der Stadt, deren Aufenthalten und relevante Hilfsquellen zu den Gegenmaßnahmen. Detailliertere Informationen sind auf den Websites jeder Distriktverwaltung abrufbar. Seoul veranstaltet ein tägliches Presse-Briefing zu Covid-19, das live im Internet und auf Youtube zu sehen ist. Über diese Kanäle wird auch die Mitarbeit der Bevölkerung stimuliert.

Wie gelingt es Seoul, das urbane Leben aufrechtzuerhalten?

Die Menschen folgen den Regeln mit exzellenter Kooperation. Die Stadt vertraut ihren Bürgern, dass soziale Distanz gewahrt und öffentliche Hygieneregeln eingehalten werden. Zudem gewährleisten exzellente Lieferdienste, dass Kontakt zu Fremden limitiert werden kann.

Was heißt der Claim „Verwandlung der Krise in Gelegenheit“?

Bei Ausbruch von Covid-19 gab es dringenden Bedarf, Tests und Behandlungen aufzustocken. Mit innovativen Maßnahmen hat Seoul diagnostische und Versorgungskapazitäten erhöht. Die speziell für Covid-19-Tests bestimmten Kliniken wurden ergänzt um zusätzliche Teststationen vor den Krankenhäusern und Örtlichkeiten, wo sich Masseninfektionen ereignen. Mit der Einrichtung von Drive-in-Teststationen können die Infektionsübertragung und Nahkontakt gering halten werden.
Die Stadt hat ein duales Identifizierungssystem eingeführt, wo Behandlungseinrichtungen nach der Schwere der Symptome des jeweiligen Patienten unterschieden werden: Diejenigen mit schweren Symptomen erhalten eine Behandlung in einem überwachten Notfallbehandlungszentrum, während jene mit milden Symptomen in ein sogenanntes ‚Life Treatment Center‘ als temporäres Behandlungszentrum, überwiesen werden.
Seoul‘s innovative Ideen und detaillierte Maßnahmen waren ausschlaggebend dabei, die Infektion im initialen Stadium in den Griff zu bekommen. Bestes Beispiel ist der Einsatz einer „Notfall-Spezialeinheit“, bestehend aus einem Dutzend Leuten, darunter Epidemiologen und Behördenmitarbeiter, um auf sporadische Masseninfektion zu reagieren. Sie kommt zum Einsatz, sobald sich ein Infektionsherd ereignet. Vor Ort wird dann ein operatives Zentrum eingerichtet, das alles tut, um Infektionen nachzuvollziehen und zu verhindern.
In jüngster Zeit, nachdem viele bestätigte Infektionsfälle in Verbindung zu Ankünften aus Übersee stehen, hat Seoul eine Testeinrichtung im internationalen Ankunftsbereich eingerichtet, die täglich bis zu 1.000 Personen testen kann. Taxis und Notfall-Shuttlebusse vom Flughafen in die Stadt gibt es ebenfalls.

Das SCB schaut nach vorn und lanciert das neue PLUS SEOUL Programm. Welche Vorrechte gewährt es den Kunden?

Das 2020 PLUS SEOUL Programm reduziert die Mindestzahl internationaler Teilnehmer von 500 auf 200 Delegierte. Für Konferenzen, die verschoben sind, jedoch 2020 stattfinden, gibt es, zusätzlich zu der bereits zugesagten finanziellen Unterstützung, 10 Prozent Rabatt. Für Corpoate Meetings und Incentives ist die Mindestteilnehmerzahl von 50 auf 20 reduziert. Zudem gibt es ein weiteres Privileg, das das Unternehmen aus unserem Angebot auswählen kann. Die maßgeschneiderten Produkte hier sind eine Stärke des PLUS SEOUL Programms und wollen das Zugehörigkeitsgefühl des Teilnehmers zu seiner Firma stärken.
PLUS SEOUL hält Optionen bereit, Nachhaltigkeit zu fördern. Dazu gehören maßgeschneiderte Apps, die Papier während der Tagung ersetzen. Eine Spende mit dem Namen der Konferenz an die lokale Organisation gibt dem Kunden Gelegenheit, seine Wertschätzung auszudrücken und etwas zurückzugeben.
Neu aufgelegt sind Tagestour-Programme für Begleitpersonen.

Hat Seoul in naher Zukunft internationale Events zu Gast?

Viele für August geplante Kongresse halten bislang noch an ihrem Datum fest. Diese Events mit über 500 internationalen Gästen haben das PLUS SEOUL Programm beantragt. Doch wir brauchen gemeinsame Bemühungen und Aktionen, etwa die Lockerung von Reiserestriktionen, um die Basis zu legen für eine Fortführung des Veranstaltungsgeschäfts.
Ein Großteil der Welt hält nach wie vor daran fest, sich auf lokaler Ebene mit Lockdown-Maßnahmen gegen das Virus zu wehren. Menschen bewegen sich innerhalb der Begrenzung, die den Kontakt zu Fremden limitiert. Als globale Bürger brauchen wir unsere gegenseitige Unterstützung und müssen fest zusammenhalten um die Krise mit möglichst wenig Schaden für die globale Gemeinschaft zu überwinden.
Seoul wird weiterhin Neuigkeiten der lokalen MICE Industrie teilen und Gelegenheiten suchen, wo die Kooperation die MICE Industrie fördert und das Geschäft in Seoul belebt.

Erhält das SCB Unterstützung vom Staat zur Kompensation der durch Covid-19 hervorgerufenen Verluste?

Das SCB ist Teil der Seoul Tourism Organization (STO) und komplett von der Stadt finanziert. Unsere Aufgabe besteht in der Unterstützung des privaten MICE Industrie Sektors in Seoul. PLUS SEOUL bietet maßgeschneiderte Unterstützung für MICE Events in Seoul durch den privaten Sektor, primär die Seoul MICE Alliance. Mit dem MICE Support Center haben wir ein Notfallreaktions-Aktionszentrum gegründet, das die Branche mit Ratschlägen und wichtigem Gesundheitsmaterial wie Desinfektionsmittel und Masken unterstützt.
Im Zuge der von der Regierung zugesicherten Kompensation stellt das SCB Kompensationen in Höhe von 2,5 Mrd. KRW (18,85 Mio. Euro) exklusiv für Tourismus- und MICE-Betriebe in Seoul bereit. Das wir nicht reichen zum Ausgleich aller Verluste, doch wir sind zuversichtlich, damit die Fortsetzung des privaten Business-Sektors zu sichern.

 

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