Von den 77 im Jahr 2021 geplanten Messen der Nürnberg Messe Group mussten 51 – rund ein Drittel – abgesagt oder verschoben werden. In Folge sank der Umsatz der Gruppe ins Zweistellige: circa 70 Millionen Euro, statt 110 Millionen wie noch im Vorjahr. Immerhin: Die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um weitere Rückschläge abzufedern, haben einen Jahresfehlbetrag von unter 50 Millionen Euro ermöglicht. Der betrug 2020 noch über 68 Millionen Euro. Hierfür habe man die Sach- und Personalkosten gegenüber den Vor-Corona-Planungen um rund 25 Prozent reduziert, heißt es in einer Mitteilung.
Das sind die Zahlen. Doch wie so oft liegen Schatten und Licht nah beieinander. Der Restart im Herbst macht Messe-Chef Peter Ottmann Hoffnung. Dieser habe „mit seiner hohen Kundenresonanz unser Geschäftsmodell Messe eindrucksvoll bestätigt.“ Gleichzeitig hat die Nürnberg Messe die Zeit gut genutzt, um ihre digitalen Angebote und die Reichweite ihrer Messethemen voranzubringen. „Erstmals haben wir mit unseren digitalen Formaten zehn Prozent vom Gesamtumsatz erzielt“, freut sich Ottmann.
Nach rund 19 Monaten ohne Präsenzveranstaltungen hat Nürnberg im Herbst dsen Startknopf gedrückt und die Messen Hubana, Fachpack, it-sa, Feuer Trutz, Con Sozial und Kommunale sowie die Gastveranstaltungen Conumenta, Biogas und Retro Classics Bavaria über die Bühne gebracht.
Auch die Tochtergesellschaften haben Messen auf die Beine stellen können: etwa in Athen sowie erstmals in São Paulo. Die China Diecasting und Craft Beer China in Shanghai konnten, gemessen an Ausstellern und Ausstellungsfläche, im Vergleich zu 2019 bereits wieder an das Vor-Corona-Niveau anschließen und dieses sogar übertreffen, heißt es. Dazu CEO Roland Fleck: „Der Restart hat es gezeigt – unsere Kunden wollen wieder Messen, und zwar live und vor Ort!“
An digitalen Formaten führt trotz allem derweil kein Weg vorbei – und dazu bekennt man sich mit Tatendrang. 2021 seien insgesamt zehn digitale Konzepte weiterentwickelt worden. Die virtuelle Verlängerung etwa der Präsenzveranstaltung Fachpack im Herbst zog 4.300 Teilnehmer – fast 20 Prozent aller Messebesucher – auf die Plattform myFachpack aktiv. Die Feuer Trutz verzeichnete insgesamt über 1.200 digitale Teilnehmer – mehr als ein Drittel der Gäste gesamt.
Die Messe Nürnberg bietet mithin die eigenen Digitalplattformen itsa365 und myBeviale an, welche der IT-Community auch unterjährig zur Verfügung stehen. „Im nächsten Schritt werden wir nun unsere digitalen Formate noch enger mit den Präsenzveranstaltungen verknüpfen und unseren Kunden mit unserer Erfolgsformel ‚onsite plus online‘ 2022 insgesamt sechs hybride Veranstaltungskonzepte anbieten,“ so Geschäftsführer Peter Ottmann.
Und so bahnt sich die Gruppe ihren Weg durch die Krise. Ein gut gefüllter Kalender mit über 100 Messen, Kongressen und weiteren Veranstaltungen macht Mut für 2022 – auch wenn der Jahresauftakt mit Verschiebungen und Absagen erst einmal einen Dämpfer brachte.
Eine ernsthafte Prognose ist indessen nicht möglich. Was das Geschäftsjah tatsächlich bringt, ist zu sehr vom weiteren Verlauf des Pandemiegeschehens weltweit abhängig. Auch stehe die Frage nach der Bereitschaft seitens der Besucher, wieder in ausreichender Zahl an Präsenzveranstaltungen teilzunehmen, weiter im Raum. Die Zeit wird es zeigen.
Am Horizont für die nürnberger Messegesellschaft stehen jedenfalls Produktinnovationen in China mit dem Car Symposium China (22.04.2022) und der Car Battery China/EVTec, die für das zweite Halbjahr 2022 geplant sei. Ebenfalls in China starte erstmals auch die internationale Fachmesse für eingebettete Systeme embedded world China (15.-17.06.2022).
Die Nürnberg Messe Italia plane erstmals die neue Fachmesse zur Leiterplatten-Produktion „Focus on PCB“ am 18.-19.05.2022 in Vicenza. Um zwei weitere Veranstaltungen in Indonesien (21.-23.09.2022) und Dubai (16.-18.10.2022) wachse die Produktfamilie der Coating Shows (Farben und Lacke).

