Mit der Taufe des Flusskreuzers Connect und der anschließenden Jungfernfahrt von Dordrecht nach Zaandam (Niederlande) ist die amerikanische Reederei Transcend Cruises in den europäischen Markt für Flusskreuzfahrten eingestiegen. Dabei verfolgt sie allerdings ein ganz eigenes Konzept: Das Schiff wurde speziell für den Charter- und Gruppenmarkt entwickelt.
Der Markt dafür sei enorm, verweisen Chief Development Officer Hans Rood und Sales-Manager Johannes Jungwirth auf Deutschland als größten Mice-Markt der Welt sowie auf eine starke Leisure-Nachfrage nach Vollcharter-Angeboten, etwa von Verbänden, Unternehmen, Reiseveranstaltern und Reisebüros.
Allein das Segment der LGBT-Gruppen sei eine hoch interessante Zielgruppe, auch im Geschäft mit Produktpräsentationen stärke „enormes Potenzial“. Und nicht zuletzt könne die Connect auch als Hotelschiff etwa bei Events und Messen eingesetzt werden.
„Gänzlich neues Gruppenangebot“
Welche Art Gruppen auch immer die Connect buchen – sie erhalten Hans Rood und Johannes Jungwirth zufolge ein gänzlich neues Angebot. „Mit diesem Schiff definieren wir Flusskreuzfahrten für Gruppen völlig neu“, so Hans Rood im Gespräch mit CIM.
Schon zur Taufe in Dordrecht hatte Transcend-CEO Gregg Marston betont: „Wir haben jedes Detail dieses Schiffes speziell für Meetings, Incentives, Konferenzen und exklusive Veranstaltungen entwickelt. Unser Ziel war es, eine flexible, hochwertige und nachhaltige Plattform zu schaffen, die den Anforderungen moderner Veranstalter gerecht wird und Erlebnisse ermöglicht, die an Land so nicht realisierbar wären“.

Maßgeschneidert und flexibel
Mit einer Länge von 135 Metern, vier Decks und Platz für bis zu 120 Gäste in 60 Kabinen setzt die Connect den Transcend-Managern zufolge „neue Maßstäbe“ im Segment der Gruppenreisen. Der besondere Clou: Die Kabinen lassen sich bei Bedarf zu 30 luxuriösen Zwei-Zimmer-Suiten zusammenführen und bieten Veranstaltern damit maximale Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Programme.
Ein Schiff voller Hightech
Besser als in vielen Hotels sei zudem das Angebot der fünf vielseitig nutzbaren Veranstaltungsbereiche. Sie eignen sich Hans Rood zufolge sowohl für große Konferenzen als auch kleinere Meetings, Workshops oder Networking-Events.
Selbst das Deck kann genutzt werden: Der dortige LED-Screen funktioniert auch bei Sonnenlicht. Nachts kann er für Image-Werbung oder auch Open-Air-Kino verwendet werden.
Hinzu kämen „modernste Audio- und Videotechnik, zuverlässige Highspeed-Konnektivität sowie umfangreiche digitale Branding-Möglichkeiten“.
Die würden es ermöglichen, das Schiff sowohl innen als auch außen komplett im Design einer Firma zu gestalten, wie es etwa Coca Cola schon mit seinem markanten Rot getan habe, so Johannes Jungwirth. Damit werde das Schiff selbst zur „individuell gestaltbaren Eventplattform“ – und das biete kaum ein Hotel.

Großer Wert auf Nachhaltigkeit
Auch im Bereich Nachhaltigkeit setzt Transcend Cruises neue Maßstäbe. Die Connect wurde nach einem zirkulären Designansatz entwickelt und verfügt über modernste emissionsarme Technologien. Dazu gehören auch optimierte Treibstoff- und Wasserspeichersysteme.
Der geringere Tiefgang des Schiffes ermöglicht zudem eine höhere operative Flexibilität – auch in Zeiten niedriger Wasserstände. Das freilich hat seine Grenzen: Der aktuell sehr niedrige Wasserstand des Rheins führte dazu, dass die Einführungsfahrt nicht wie geplant bis Köln führte, sondern an der holländischen Grenze zu Ende war.
Wachstumskurs in Europa
Die Investoren und Manager von Transcend Cruises sind von ihrem Konzept derart überzeugt, dass ihre Wachstumspläne ambitioniert sind: Bis 2028 soll die Flotte auf vier Schiffe anwachsen, langfristig sind sogar zwölf Schiffe geplant. Sie werden wie die Connect durchweg in Europa – etwa auf Rhein, Donau, Mosel, Main und Rhein-Main-Donau-Kanal sowie auf niederländischen und belgischen Wasserstraßen.
Vor allem auf die bis 2028 folgenden drei Schwesterschiffe setzt Johannes Jungwirth große Hoffnungen: Denn die Limitierung auf 120 Gäste pro Schiff sei eine Herausforderung. Mit mehreren Schiffen könnten gerade große Firmen und Verbände im Zweier- oder Dreierpack unterwegs sein, erste Buchungen dafür gebe es bereits.
365 Tage im Einsatz
Geplant ist, dass die Connect sowie ihre kommenden Schwesterschiffe das ganze Jahr über im Einsatz sind. Die Buchungslage für 2027 sei gut, es gebe im Terminkalender aber auch noch Verfügbarkeiten.
„Wir müssen zurzeit viel erklären und vor allem aufklären. Denn was wir bieten, ist völlig neu auf Europas Flüssen und nicht einfach ein weiteres Flussschiff“, sagt Johannes Jungwirth und ergänzt: „Wir bieten vieles, was vorher auf Flussschiffen nicht möglich war. Und wir sind überzeugt, dass der markt auf uns gewartet hat.“
Weitere Informationen zu Transcend Cruises gibt es auf der Homepage des Anbieters. Das Fact Sheet zur neuen MS Connect kann hier heruntergeladen werden.
Was ist ein zirkulärer Design-Ansatz?
Der Begriff beschreibt in der Schifffahrt eine Konstruktions- und Planungsweise, bei der ein Schiff so entwickelt wird, dass Materialien und Komponenten möglichst lange genutzt, wiederverwendet, repariert, modernisiert und schließlich recycelt werden können.
Konkret bedeutet das:
- Langlebige Materialien
- Modularer Aufbau (Kabinen, Möbel und Technik lassen sich austauschen oder modernisieren)
- Reparaturfreundlichkeit
- Recycling-Fähigkeit (Materialien können am Ende der Lebensdauer sortenrein getrennt und recycelt werden)
- Reduzierter Ressourcenverbrauch (Weniger Materialeinsatz, geringerer Abfall und eine effizientere Nutzung von Energie und Rohstoffen)
Matthias Gürtler
