Warum die World Money Fair wächst, während die Messebranche schrumpft

Montag, 14.09.2026

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Ein Gastbeitrag von Goetz-Ulf Jungmichel, Geschäftsführer der World Money Fair
Die World Money Fair 2026. Photo: World Money Fair

Die World Money Fair 2026. Photo: World Money Fair

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im ersten Quartal 2026 verzeichnete die deutsche Messewirtschaft laut AUMA-Daten erstmals seit Jahren rückläufige Kennzahlen, das heißt weniger Aussteller und weniger vermietete Fläche.

Die World Money Fair zeigt eine gegenläufige Entwicklung: Seit dem Relaunch im Jahr 2024 wächst die World Money Fair jährlich um etwa 3 bis 5 Prozent bezüglich verkaufter Ausstellungsfläche. Auch die Anzahl der Aussteller steigt insgesamt, es kommen jedoch immer wieder neue hinzu, die ein altersbedingtes Ausscheiden von Händlern ausgleichen. Zugleich ist unser Publikum seit 2024 im Schnitt 3,6 Jahre jünger geworden.

Wie geht das, wenn der Rest der Branche Fläche abbaut und Aussteller verliert? Mit einer Strategie, die sich von der Logik großer Messen fundamental unterscheidet.

Fokus schlägt Fläche

Die World Money Fair ist bewusst eine Nischenmesse; und genau das ist das stärkste Argument. Während viele Veranstalter auf Skaleneffekte setzen, vertrauen wir auf die Überschaubarkeit eines Marktes, den wir in- und auswendig kennen.

Über 320 Aussteller, darunter Nationalbanken und Prägestätten aus rund 50 Nationen, waren 2026 beteiligt. Viele von ihnen kennen wir persönlich. Diese Nähe ist das Ergebnis von konsequenter Beziehungsarbeit durch das gesamte World Money Fair Team.

Der Friseursalon der Branche

Ich beschreibe unsere Rolle gern so: Wir sind der Friseursalon der Numismatikbranche. Zu uns kommt jeder, mit uns redet jeder. Und wir bekommen vertrauliche Informationen, weil alle wissen, dass wir sie nicht an Wettbewerber weitergeben.

Wir nutzen dieses Wissen ausschließlich, um die Messe für unser Publikum und unsere Aussteller weiterzuentwickeln. Dieses Vertrauen ist die Grundlage von allem.

Ein Vertrauen, das auf absoluter Verlässlichkeit fußt und nicht auf Versprechen: auf dem festen Termin im Januar, dem globalen Branchenauftakt seit Jahrzehnten, auf einer Wiederbeteiligungsrate seitens Aussteller von 82,3 Prozent und einer Wiederbesuchsrate seitens Privat- und Fachbesucher von 76,3 Prozent.

Plan A. Immer.

Ein weiterer entscheidender Faktor: Unser Team ist klein, und das ist Absicht. So treffen wir schnelle Entscheidungen, haben kurze Wege und halten unsere Motivation hoch. Wer mit uns arbeitet, hat einen direkten Draht.

Wir streichen konsequent alle Prozesse, die Effizienz und Ressourcen kosten. Mein persönliches Motto lautet: Es gibt immer nur Plan A. Wer Ressourcen für Plan B einplant, hat in Plan A nicht genug investiert – radikal, aber es zwingt zu Klarheit und Mut.

Gerade dieser Mut ist so wichtig: Die Messebranche neigt dazu, an Bewährtem festzuhalten. „War so, bleibt so“ ist ein Satz, der uns nie weitergebracht hat.

Stattdessen werten wir kontinuierlich Marktdaten aus, führen regelmäßige Branchengespräche, beobachten unsere Marktbegleiter genau und sind bereit für Veränderung, noch bevor der Druck von außen uns dazu zwingt.

So haben wir 2025 mit dem Minting Experience Center ein neues Format eingeführt, das trotz aller vorheriger Bedenken zum echten Publikumsmagneten wurde.

Goetz-Ulf Jungmichel ist Geschäftsführer der World Money Fair GmbH, Berlin. Die nächste World Money Fair findet
vom 28. bis 30. Januar 2027 im Estrel Congress Center Berlin statt. Photo: World Money Fair

Vertrauen als Fundament

Nichts davon funktioniert ohne Eigentümer, die den Rücken freihalten. Kurzfristige Rendite kann nicht mehr das Ziel im Messewesen sein.

Was uns von den Großen unterscheidet, ist unsere Geschichte: Es geht um Menschen, um Haptik, um die Chemie zwischen den Beteiligten. Daraus wächst Vertrauen und treue Kooperationspartner, mit denen wir langfristig planen statt kurzfristig verhandeln.

Wir denken dabei im Team, bleiben zuversichtlich und feiern Erfolge gemeinsam. Modern kommunizieren wir trotzdem: über zeitgemäße Kanäle, die unser jüngeres Publikum erreichen.

Die Messebranche wird nicht kleiner, weil das Format überholt ist. Sie verändert sich, weil Größe allein kein Geschäftsmodell mehr ist. Wer Nähe, Vertrauen und Fokus konsequent zu Ende denkt, kann auch 2026 wachsen.

Goetz-Ulf Jungmichel

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