Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie verändert die Veranstaltungswirtschaft hier und jetzt. In den vergangenen Wochen habe ich mich mit ExpertInnen und KollegInnen aus der Branche darüber ausgetauscht, wie KI unsere Arbeit bereits heute verändert. Besonders spannend war für mich zu sehen, wie stark sich Effizienz und Nachhaltigkeit dabei gegenseitig beflügeln können – wenn wir KI bewusst einsetzen.
Im Gespräch mit Julien Le Bas von Jack Morton wurde deutlich, wie weit die Entwicklung bereits ist. Sein Team arbeitet an KI-gestützten Tools, die ökologische Auswirkungen von Entscheidungen simulieren – vom Standort bis zum Catering. „KI hilft uns, Ressourcen zu sparen und bessere Entscheidungen zu treffen“, erklärte er mir. Gleichzeitig setze das Unternehmen KI als Lerninstrument ein: Der virtuelle Nachhaltigkeits-Agent Isabela Stun begleitet Projekte und sorgt dafür, dass Wissen jederzeit verfügbar bleibt. Trainiert auf alle Themen der Nachhaltigkeit und verknüpft mit der internen Datenbank für Dienstleister und Produkte – dem Jack Atlas – bietet sie in jeder Projektphase konkrete Unterstützung.
Auch Andrea Matthews von Elbgoods bestätigte meine Beobachtung, dass KI in der Eventbranche kein Selbstzweck ist, sondern eine echte Unterstützung. Elbgoods entwickelt Plattformen, die Anbieter und PlanerInnen über Nachhaltigkeitskriterien zusammenbringen – etwa bei der Suche nach regionalen Caterern oder klimafreundlichen Locations. Der dafür entwickelte smarte Filter entstand in Kooperation mit Sustainable Event Solutions. Matthews blickt noch weiter: „Langfristig entstehen komplett neue Modelle – plattformübergreifende Datenpools zur Berechnung von CO₂-Fußabdrücken, dynamische Preisgestaltung basierend auf Nachhaltigkeitswerten oder Agenten, die künftig ganze Eventkonzepte vorschlagen. Das sind Geschäftsmodelle, die nicht nur grün, sondern auch profitabel sind, weil sie Effizienz, Verantwortung und Innovation verbinden.“
Auch eine Unterhaltung mit Alexandra Tamayo von onto[story] zeigte, wie KI zu einem verbindenden Element werden kann: als interaktiver Content, Avatar oder Guide im Event selbst. Ihr KI-Avatar Fabby führt BesucherInnen durch die Welt der Kreislaufwirtschaft – mehrsprachig und datenbasiert. „KI darf kein Lärmverstärker sein“, so Tamayo. „Sie soll Orientierung geben, Wissen übersetzen und Menschen befähigen, nachhaltiger zu handeln.“
Gleichzeitig waren sich alle einig: KI ist nicht automatisch nachhaltig. Der Energie- und Wasserverbrauch vieler Rechenzentren ist enorm. Wenn KI die Veranstaltungswirtschaft wirklich zukunftsfähig machen soll, müssen nachhaltige Rechenzentren, Cloud- und Datenlösungen zum Standard werden.
KI ist kein Hype, sondern ein Wendepunkt. Sie kann zum Motor einer neuen, nachhaltigeren Veranstaltungswirtschaft werden – wenn wir sie bewusst einsetzen. Die Zukunft der Branche liegt nicht im Gegensatz von Digitalisierung und Nachhaltigkeit, sondern in ihrem Zusammenspiel. Wer das erkennt, gestaltet Events, die nicht nur smart, sondern auch sinnvoll sind.
Stefan Lohmann
