Die Grenzen zwischen klassischen Tagungsräumen und modernen Arbeitsplätzen verschwimmen zunehmend. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist das b‘mine Frankfurt Airport, das zeigt, wie sich Hotels zu multifunktionalen Office-Destinationen wandeln. In der Welcome Area steht ein Arbeitsbereich zur Verfügung, der sich sowohl für konzentriertes Arbeiten als auch für kollaborative Meetings eignet. Im Mezzanin können die Räume „Meet“ und „Greet“ stundenweise für Videocalls gemietet werden; größere Flächen wie „Gallery“ und „Kitchen“ stehen für umfangreichere Veranstaltungen bereit.
Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt das NYX Hotel Berlin Köpenick mit 14 flexibel nutzbaren Veranstaltungsräumen auf 912 Quadratmetern. Alle Räume verfügen über Tageslicht und moderne Konferenztechnik, der größte bietet Platz für bis zu 300 Gäste. Eine offene Pausen-Lounge schafft Raum für Austausch und Networking.
Digitalisierung verändert die Raumbuchung
Während flexible Raumkonzepte den physischen Rahmen der Tagungshotellerie prägen, setzt die Digitalisierung neue Standards bei der Buchung. Das Sheraton Frankfurt Airport Hotel & Conference Center etwa bietet mit „RealTime Reservation“ ein System, das die Buchung von fünf Boardrooms sowie des Studios 1+2 in Echtzeit ermöglicht. Die Räume sind technisch umfassend ausgestattet und können durch gastronomische Angebote ergänzt werden – eine praktische Lösung für kurzfristige Meetings und Team-Sessions.
Renovierungen schaffen neue Tagungsstandards
Auch etablierte Häuser investieren in ihre Konferenzbereiche. Der Mannheimer Hof – seit der Wiedereröffnung als Leonardo Limited Edition Hotel geführt – modernisierte alle neun lichtdurchfluteten Konferenzräume und stattete sie mit aktueller Tagungstechnik aus. Zusätzlich kann der Innenhof für Veranstaltungen genutzt werden.
Das Radisson Blu Fürst Leopold Hotel in Dessau renovierte seine Tagungsräume vollständig – inklusive Teppichböden, Wandgestaltung und Bestuhlung. General Managerin Claudia Schwalenberg erläutert: „Mit der Renovierung schaffen wir ein noch angenehmeres Umfeld für unsere Gäste und tragen zur Attraktivität des Standorts bei.“
Neueröffnungen erweitern das Angebot
Parallel zur Renovierungswelle entstehen neue Standorte. Das Scandic Stuttgart Europaviertel öffnet im Dezember mit einem Eventbereich für bis zu 150 Personen und acht Konferenzräumen mit Tageslicht. Das Designkonzept „Rooted in place, wrapped in warmth“ stellt regionale Bezüge in den Mittelpunkt. Bronwynn Welsh von Doos Architects betont: „Unser Konzept lebt vom Zusammenspiel von Gegensätzen – roh und raffiniert, historisch und modern, strukturiert und weich.“ Auch das Welcome Hotel Gelsenkirchen erweitert das Tagungsangebot mit neun flexibel gestaltbaren Räumen für bis zu 300 Personen auf 526 Quadratmetern. Das Hotel setzt auf das „Welcome Green“-Konzept und strebt eine Zertifizierung nach dem „Green Sign“-Standard an.
Nachhaltigkeit als fester Bestandteil der Hotellerie
Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr, sondern zentraler Bestandteil der strategischen Ausrichtung vieler Hotelgruppen. Besonders die Scandic Hotels haben sich hier früh engagiert und wurden dafür mit dem Internorga Zukunftspreis 2025 ausgezeichnet. Das Unternehmen setzt seit Jahren auf umfassende Nachhaltigkeitsmaßnahmen – von klimafreundlichen Energiekonzepten über konsequentes Abfallmanagement bis zu saisonaler und regionaler Küche in den Restaurants. Steffen Seichter, General Manager des Scandic Hamburg Emporio, betont: „Nachhaltigkeit ist für uns ein zentraler Bestandteil der Unternehmensidentität.“
Auch die GCH Hotel Group verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Mit dem Konzept „WingsCoin“ können Gäste entscheiden, ob sie auf die tägliche Zimmerreinigung verzichten oder sie aktiv bestellen möchten. Jede Interaktion mit dem System kommt der gemeinnützigen Organisation Project Wings zugute, die sich weltweit für Nachhaltigkeitsprojekte engagiert – darunter der Bau des größten Recyclingdorfs der Welt in Indonesien sowie die Entwicklung von Abfallwirtschaftssystemen. Darüber hinaus setzt sich Project Wings für humanitäre Hilfe, Artenschutz und Umweltbildung ein. CEO Sascha Hampe erklärt: „Mit WingsCoin möchten wir Nachhaltigkeit erlebbar machen und gleichzeitig Projekte fördern, die über unseren Hotelbetrieb hinaus Wirkung entfalten.“
Mehr Raum für Ideen
Die Tagungshotellerie von morgen ist also mehr als nur ein Ort zum Tagen – sie wird zum Raum für Begegnung und Innovation. Flexible Strukturen, digitale Tools und nachhaltige Konzepte bilden das Fundament dieser Entwicklung.
Für EventplanerInnen bedeutet das: mehr Möglichkeiten – und mehr Gestaltungsfreiheit.
Clara Petri
