Ein bisschen Science-Fiction. Die Zimmertür öffnet sich per App, der Roboter-Butler bringt den Champagner, und die Zimmertemperatur stellt sich automatisch auf die gewünschten 22 Grad ein. Was klingt wie ein Zukunftsroman, wird in Las Vegas Realität: Das erste vollautomatische KI-Hotel der Welt öffnet seine Pforten.
Das Otonomus Hotel verzichtet auf einen klassischen Empfang und setzt stattdessen auf digitale Systeme für Buchung, Check-in und Service. Bereits seit März läuft der Betrieb im Soft-opening.
Zwei KI-Systeme bilden das technische Fundament des Hotels: Die Software Firo verwaltet die Zimmerbuchungen und kann mehrere Räume flexibel zu Suiten zusammenlegen – vom Einzelzimmer bis zur Sechs-Zimmer-Suite. Die App Kee fungiert als digitaler Concierge und steuert Raumtemperatur, Beleuchtung sowie Bestellungen, die von Roboter-Butlern ausgeliefert werden. Einen traditionellen Empfangsschalter gibt es nicht – der gesamte Service läuft digital und autonom ab.
Das Buchungssystem orientiert sich am Konzept von Airbnb, kombiniert es aber mit Hotel-Standards. Vor der Ankunft durchlaufen die Gäste einen Onboarding-Prozess, bei dem sie ihre Vorlieben über einen spielerischen Online-Fragebogen angeben. Mit deren Einwilligung wertet das System auch Informationen aus sozialen Medien aus. Daraus erstellt die KI ein Avatar-Profil, das etwa bevorzugte Essensvorlieben und Reinigungswünsche berücksichtigt.
Der Preis pro Übernachtung startet bei etwas über 300 US-Dollar. Gegen Aufpreis können Gäste weitere Details wie die Zimmerlage oder den Serviceumfang anpassen. Das Hotel liegt knapp zehn Minuten vom Las Vegas Strip entfernt – die dezentrale Lage soll die Grundstücks- und Betriebskosten senken. Insgesamt bietet das Haus Platz für mehr als 1.000 Gäste.
Gastfreundschaft neu definieren
Das KI-System lernt während des Aufenthalts kontinuierlich aus dem Verhalten der Gäste. Es speichert, wann sie das Zimmer betreten und verlassen, welche Dienste sie nutzen und welche Präferenzen sie haben. Diese Daten verwendet das Hotel, um künftige Besuche noch besser anzupassen.
Einem Bericht des KI-Fachmagazins IT Boltwise zufolge, betont der Gründer und Geschäftsführer von Otonomus, Philippe Ziade, dass es nicht nur darum gehe, KI um ihrer selbst Willen zu nutzen. Ziel ist es, Gastfreundschaft neu zu definieren, indem genau geliefert wird, was der Gast wünscht.
Trotz aller technischen Möglichkeiten bleiben Fragen offen: Wie werden Reisende auf den weitgehenden Verzicht persönlicher Kontakte reagieren? Welche Datenschutzbedenken ergeben sich aus der umfangreichen Datennutzung? Und wie viel Kontrolle sind Gäste bereit, an die KI abzugeben?
Das Otonomus Hotel könnte ein Testfall dafür werden, wie weit die Digitalisierung in der Hotellerie gehen kann. Der Erfolg wird davon abhängen, ob das Versprechen der perfekten Personalisierung den Verlust menschlicher Interaktion aufwiegen kann.
Felix Hormel
