Mit starken Ergebnissen und ambitionierten Zukunftsplänen präsentieren sich die deutschen Messegesellschaften in Bestform. Nach den herausfordernden Jahren der Pandemie hat die Branche nicht nur den Weg zurückgefunden, sondern eine Dynamik entwickelt, die weit über klassische Geschäftsmodelle hinausgeht. Modernisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit bestimmen den Kurs – und eröffnen EventplanerInnen neue Perspektiven.
Wirtschaftlich in Topform
2024 wird für die großen Messegesellschaften als erfolgreiches Jahr in Erinnerung bleiben. Frankfurt, München, Berlin, Köln, Düsseldorf und Stuttgart melden allesamt starke Zahlen. Die Messe Frankfurt verbucht 775 Millionen Euro Umsatz und einen Überschuss von rund 82 Millionen Euro, die Messe München erreicht 488 Millionen Euro Umsatz bei 70 Millionen Euro Gewinn, und auch die Messe Berlin schließt mit einem historischen Ergebnis von 480,8 Millionen Euro Umsatz und mehr als 50 Millionen Euro Überschuss ab. Bei der Messe Stuttgart zeigt die Entwicklung ebenfalls nach oben: 228,5 Millionen Euro Umsatz und mehr als 1,2 Millionen BesucherInnen spiegeln den anhaltenden Wachstumstrend wider.
Diese wirtschaftliche Stärke versetzt die Häuser in die Lage, umfassend in Infrastruktur, Servicequalität und neue Formate zu investieren – ein Pluspunkt, von dem insbesondere die MICE-Branche profitiert.
Aufbruch in neue Märkte
Ein gemeinsamer Nenner vieler Messegesellschaften ist die konsequente Internationalisierung. Die Messe Frankfurt baut mit der neu gegründeten „Messe Frankfurt Saudi Arabia“ ihre Präsenz im Nahen Osten aus und führt dort bekannte Fachmessen wie die „Beautyworld Saudi Arabia“ oder „Automechanika Riyadh“. Ähnlich aktiv zeigt sich die Koelnmesse, die seit 2023 über zwanzig neue Auslandsmessen gestartet hat und das internationale Geschäft als „Booster für den deutschen Mittelstand“ versteht.
Auch München richtet den Blick stärker nach außen: Unter der Leitung von Bhupinder Singh bündelt das Unternehmen seine Aktivitäten in der sogenannten IMEA-Region, also in Indien, dem Nahen Osten und Afrika. Die „IFAT“ – eine der weltweit wichtigsten Leitmessen für Wasser, Abwasser, Abfall und Rohstoffmanagement – wird 2026 erstmals in Saudi-Arabien ausgerichtet. Berlin wiederum expandiert mit neuen Formaten nach Mexiko und Singapur, während die Messe Düsseldorf mit einem neuen „Gulf Office“ ihre Position in Dubai stärkt. Ab 2026 veranstaltet sie dort die „EuroShop Middle East“ – das Pendant zur Düsseldorfer “EuroShop“, einer der weltweit führenden Messen für den Einzelhandel.
Die deutsche Messewirtschaft wird damit zunehmend global – und schafft internationale Plattformen, die deutsche Themen und Marken weltweit sichtbar machen.
Smarte Formate, digitale Services
Die Digitalisierung verändert auch das Messeerlebnis selbst. Die Messe Düsseldorf arbeitet an einem vernetzten digitalen Ökosystem, das Angebote für Ausstellende und Besuchende deutlich erweitern soll. Das neue MatchmakingTool „Fair Match“ und ein 3D-Hallenplan ermöglichen etwa eine zielgerichtete Vernetzung und bessere Orientierung. Auch Koelnmesse und Messe Frankfurt setzen auf hybride Formate und datengetriebene Services, um physische Begegnungen mit digitalen Reichweiten zu verknüpfen. Das Ziel: ein Messeerlebnis, das persönlicher und zugleich effizienter wird.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor
Kaum ein anderes Thema prägt die Strategien der Messegesellschaften nach wie vor so stark wie Nachhaltigkeit. In Berlin entsteht 2025 auf den Hallendächern die größte Photovoltaikanlage der Stadt mit einer Leistung von 7,5 Megawatt – ein zentraler Baustein der Klimastrategie, die bis 2040 Klimaneutralität vorsieht. München investiert in Solarstrom, LED-Technik und zusätzliche Grünflächen. Die Koelnmesse will bis 2030 klimaneutral wirtschaften – zunächst in Scope 1 und 2, also in den Bereichen des eigenen Energieverbrauchs und der eingekauften Energie. Dazu baut sie unter anderem die größte innerstädtische Photovoltaikanlage Kölns auf dem Dach des Confex. Düsseldorf hat die Klimaziele der Stadt bereits erreicht und setzt auf weitere PV-Anlagen, energieeffiziente Gebäude und neue Gastronomiekonzepte. Stuttgart kombiniert Photovoltaik und LED-Umrüstung mit biodivers gestalteten Außenflächen.
Räume für die Zukunft
Parallel dazu investieren die Häuser in moderne Locations, die unterschiedlichste Eventformate ermöglichen. In Frankfurt feiert die traditionsreiche Festhalle ihr 75-jähriges Bestehen, während bereits an einer neuen Multifunktionshalle gearbeitet wird. München entwickelt das MOC im Münchner Norden weiter. Die Koelnmesse erweiterte ihr Gelände schon vergangenes Jahr um das neue Confex Conference & Exhibition Center, das bereits bis 2030 stark gebucht ist, und kooperiert mit der benachbarten Design Post.
Auch Hamburg meldet sich mit positiven Zahlen und einem neuen Kongressformat, dem „Global Security and Innovation Summit“, zurück. In Düsseldorf wiederum fließen bis 2028 rund 200 Millionen Euro in neue Gebäude und den Neubau des modernen „Messe Düsseldorf Cube“.
Mehrwert durch Service und Kooperation
Neben der Infrastruktur werten viele Messegesellschaften ihre Serviceangebote auf. Die Messe Düsseldorf vergibt das Catering neu an Käfer Gastronomie – mit dem Ziel, Qualität, Vielfalt und Nachhaltigkeit im Messebetrieb weiter auszubauen. Die Hamburg Messe arbeitet mit DB Schenker an einem nachhaltigen Logistikkonzept, das Verkehrsströme reduzieren soll.
Perspektive
Stabil, vernetzt, zukunftsorientiert – so präsentieren sich die deutschen Messegesellschaften derzeit. Sie öffnen neue Märkte, setzen auf digitale Lösungen und Nachhaltigkeit und schaffen damit die Grundlage für eine moderne, widerstandsfähige Eventlandschaft.
Clara Petri
