Der Weg ist das Ziel

Dienstag, 03.03.2026

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Mobilität bleibt auch 2026 entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Veranstaltungsstandorten. Zwischen Digitalisierungsschub, Infrastrukturinvestitionen und politischem Kostendruck verändern Airlines, Flughäfen und Bahn ihre Angebote – mit direkten Auswirkungen auf Planungssicherheit, Reichweite und Qualität von Events.
Auf dem Bild ist eine U-Bahn zu sehen, die bei Sonnenuntergang auf einer erhöhten Bahntrasse durch eine Großstadt fährt, während im Hintergrund die Skyline in dichten Nebel gehüllt ist. Die Szene vermittelt das Flair von urbanem Nahverkehr, moderner Infrastruktur und städtischer Mobilität. Das Bild verbindet die Themen Zugverkehr, Sonnenuntergang über der Stadt und Großstadtleben

Mobilität ist und bleibt die große Stellschraube der Veranstaltungsbranche. Photo: cmart7327/iStock

Die Lufthansa Group treibt ihre digitale Transformation mit Nachdruck voran. Bis 2026 sollen alle 850 Flugzeuge der Gruppe mit Highspeed-Internet von Starlink ausgestattet werden. Für Vielflieger, StatuskundInnen und NutzerInnen der Lufthansa Travel ID ist der Service kostenfrei. Lufthansa-CCO Dieter Vranckx ordnet die Maßnahme klar ein: „Wir setzen damit einen entscheidenden Meilenstein für das Premium-Reiseerlebnis unserer Kunden.“ Parallel modernisiert Lufthansa ihr Langstreckenprodukt. Der Airbus A380 erhält neue Business-Class-Suiten mit direktem Gangzugang, zwei Meter langen Betten und variablen Trennwänden für mehr Privatsphäre. Und auch ein Großteil der seit Monaten gesperrten Business-Class-Sitze in der Allegris-Kabine der neuen Boeing-Dreamliner kann nun doch früher als gedacht genutzt werden: 25 von 28 Premiumsitzen werden für Reisen ab 29. März verfügbar sein.

Entscheidend für Veranstalter ist jedoch weniger das einzelne Sitzprodukt als die operative Zuverlässigkeit. Lufthansa-CEO Carsten Spohr zieht eine positive Bilanz: „Der operativ beste Sommer des letzten Jahrzehnts liegt hinter uns – mit einer Regelmäßigkeit von über 99 Prozent und einer zweistellig verbesserten Pünktlichkeit.“

Neue Routen

Der Ausbau internationaler Direktverbindungen stärkt mehrere deutsche Standorte spürbar. Air Canada verbindet Berlin erstmals direkt mit Montreal. Die dreimal wöchentlich bediente Strecke mit dem Airbus A321 XLR schließt eine lange bestehende Lücke im interkontinentalen Netz der Hauptstadt.

Auch Eurowings investiert gezielt in den Flughafen Berlin Brandenburg. Sechs neue Strecken werden aufgebaut, darunter eine Hochfrequenzverbindung nach London-Heathrow mit bis zu zwölf wöchentlichen Flügen.

Im Süden Deutschlands gewinnt Stuttgart an internationaler Relevanz. Condor fliegt die Metropole Dubai künftig viermal wöchentlich direkt an. Condor-CEO Peter Gerber erklärt: „Mit der neuen Verbindung ab Stuttgart reagieren wir auf die große Nachfrage aus der Region und stärken unsere Präsenz in Süddeutschland.“

Über die Partnerschaft mit Emirates ergeben sich zahlreiche Anschlussverbindungen, insbesondere in Richtung Asien und Afrika – ein wichtiger Faktor für global ausgerichtete Veranstaltungen.

Kapazität und Komfort

Auch die Flughäfen selbst rüsten auf. Der Flughafen Frankfurt erweitert Terminal 1 um einen neuen Pier und erhöht die jährliche Passagierkapazität um sechs Millionen. Das Projektvolumen liegt bei 665 Millionen Euro. Neben zusätzlicher Fläche setzt Fraport auf moderne CT-Sicherheitstechnik und zwei neue Premium-Lounges.

Fraport-CEO Stefan Schulte bleibt dennoch realistisch: „Während europäische Wettbewerber bereits neue Passagierrekorde erzielten, lag Frankfurt 2025 noch rund zehn Prozent unter den Vorkrisenwerten.“

Für EventplanerInnen sind die Investitionen dennoch relevant: schnellere Sicherheitskontrollen, bessere Lounge-Kapazitäten und stabilere Abläufe verbessern die An-und Abreise für Delegationen, VIP-Gäste und Geschäftsreisende.

Der Flughafen München optimiert seine Prozesse, indem Eurowings ins Terminal 2 umzieht. Damit sind alle Airlines der Lufthansa Group unter einem Dach vereint – Umsteigezeiten verkürzen sich, Abläufe werden effizienter. Stuttgart geht einen weiteren Schritt und übernimmt ab November 2026 die Sicherheitskontrollen in Eigen­regie. Vergleichbare Modelle haben sich bereits in Frankfurt, Berlin und Köln/Bonn bewährt.

Renaissance der Schiene?

Die Deutsche Bahn steht vor dem größten Umbau ihrer jüngeren Geschichte. Unter der neuen Konzernchefin Evelyn Palla werden der Vorstand verkleinert, Strukturen gestrafft und mit drei Sofortprogrammen gezielt in Information, Sauberkeit und Sicherheit investiert. Das Budget dafür beträgt 140 Millionen Euro. Palla beschreibt den Kurs als „einen Weg der vielen kleinen Schritte“.

Für den Veranstaltungsstandort Berlin bringt die neue Dresdner Bahn einen echten Quantensprung. Der Flughafenexpress FEX verbindet den BER künftig im 15-Minuten-Takt mit dem Hauptbahnhof – in nur 23 Minuten. Für Tagesveranstaltungen, Kongresse mit hoher internationaler Beteiligung und hybriden Formaten verbessert sich die Erreichbarkeit deutlich.

Gleichzeitig bleibt die Lage im Fern­verkehr angespannt. Mit einer Pünktlichkeit von 60,1 Prozent erreichte die Bahn 2025 einen historischen Tiefpunkt. Für Event­planerInnen bedeutet das: Bahnreisen sind attraktiv und nachhaltig, erfordern jedoch realistische Zeitpuffer und eine trans-­parente Kommunikation gegenüber Teilnehmenden.

Langfristig wagt die Bahn dennoch den Blick nach vorn. Gemeinsam mit Eurostar wird eine Direktverbindung zwischen Deutschland und London geprüft – ein Projekt mit erheblichem Potenzial für den europäischen MICE-Markt.

Wettbewerbsfähigkeit unter Druck

Trotz vieler positiver Signale sehen Branchenverbände Risiken für den Standort Deutschland. AUMA und BDL warnen vor steigenden Kosten durch Luftverkehrsteuer und Flugsicherungsgebühren. Diese könnten die internationale Erreichbarkeit deutscher Messe- und Kongressstandorte langfristig schwächen. In diesem Kontext bewertet auch der Deutsche Reiseverband (DRV) die vom Bundeskabinett verabschiedete Nationale Tourismusstrategie als wichtiges Signal für die internationale Wettbewerbs-­fähigkeit des Standorts. Mit dem klaren Bekenntnis zu wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen im Luftverkehr, zum Abbau bürokratischer Hürden und zu beschleunigten Visa-Verfahren greift sie zentrale Punkte auf, die nicht zuletzt für Messe-, Kongress- und Geschäftsreiseverkehr unmittelbar relevant sind. DRV-Präsident Albin Loidl betont: „Die Nationale Tourismusstrategie unterstreicht die Bedeutung des Tourismus und der organisierten Reise als wichtige Wachstumsbranche und tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft.“

Mobilität für Events wird 2026 nicht einfacher – aber strategischer. Wer die Entwicklungen aufmerksam verfolgt und kreativ kombiniert, kann Veranstaltungen realisieren, die Effizienz, Nachhaltigkeit und Qualität auf die beste Weise vereinen.

Johanna Palmu

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