Von Test zu Tool

Dienstag, 03.03.2026

Execution time: 0.0004 seconds

Künstliche Intelligenz prägt die Messebranche zunehmend. Die AUMA-Studie „Messen im Zeitalter von KI“ zeigt Reifegrad und Potenziale – AUMA-­Geschäftsführer Jörn Holtmeier ordnet die Ergebnisse im Interview mit CIM ein.
Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft AUMA, Photo: Steffen Kugler

Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft AUMA, Photo: Steffen Kugler

CIM: Warum ist Künstliche Intelligenz gerade jetzt ein relevantes Thema für die Messebranche?

Jörn Holtmeier: Künstliche Intelligenz entwickelt sich in der Messebranche gerade von einem experimentellen Thema zu einem konkret genutzten Arbeitsinstrument. Unsere AUMA-Studie zeigt, dass KI nicht mehr nur in einzelnen Pilotprojekten eingesetzt wird, sondern zunehmend den Arbeitsalltag vieler Messeveranstalter prägt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen von Besucherinnen und Besuchern sowie ausstellenden Unternehmen an personalisierte Inhalte, effizientere Prozesse und einen klar messbaren Mehrwert. KI bietet die Möglichkeit, diese Anforderungen skalierbar und datenbasiert zu erfüllen. Deshalb wird sie von Messe­veranstaltern als eine der zentralen Ent­wicklungen der kommenden Jahre eingeschätzt.

Viele Organisationen testen KI nur punktuell. Woran erkennt man echten Mehrwert?

KI ist in der Messewirtschaft bereits weit verbreitet, allerdings auf sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Viele Veranstalter und Aussteller nutzen einzelne Tools, etwa zur Texterstellung oder in Form von Chatbots. Dabei lassen sich bereits Effizienzgewinne erzielen, ohne dass der strategische Mehrwert vollständig ausgeschöpft wird. Der Unterschied zeigt sich darin, ob KI isoliert eingesetzt wird oder ob sie bereits systematisch in Planung, Durchführung und Auswertung von Messen integriert ist. Genau an diesem Übergangspunkt sieht unsere AUMA-Studie den nächsten entscheidenden Entwicklungsschritt für die Branche.

Welche KI-Anwendungen werden im Messekontext heute tatsächlich genutzt?

Im Messekontext kommen derzeit vor allem generative KI, Chatbots sowie Analyse- und Empfehlungssysteme zum Einsatz. Besonders verbreitet sind Anwendungen zur Content- und Texterstellung, virtuelle Assistenten im Servicebereich sowie KI-gestützte Datenanalysen. Auch Marketing-Automation, Besucherinteraktion und erste Matchmaking‑Lösungen gewinnen an Bedeutung. Unsere Studie zeigt, dass viele dieser Anwendungen bereits produktiv genutzt werden, während weitere Einsatzfelder in den kommenden Jahren deutlich an Relevanz gewinnen dürften. KI entwickelt sich damit zunehmend zu einem Querschnittsthema entlang der gesamten Messewertschöpfung.

Die Studie betont, dass KI persönliche Begegnungen nicht ersetzt. Wie ist das gemeint?

Die persönliche Begegnung und die Geschäftsanbahnung bleiben der zentrale Mehrwert von Messen. KI greift nicht direkt in diese Interaktion ein, sondern wirkt vor- und nachgelagert, indem sie Vorbereitung, Orientierung und Nachbereitung verbessert. Gespräche können gezielter zustande kommen und nachhaltiger wirken. KI hilft dabei, relevante Kontakte wahrscheinlicher zu machen, ohne den menschlichen Austausch zu ersetzen. Unsere Studie betont ausdrücklich, dass KI den persönlichen Charakter von Messen stärkt, statt ihn zu verdrängen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Ein anschauliches Beispiel ist KI-gestütztes Matchmaking, das Besucher und Aussteller auf Basis von Interessen, Themen und Zielen zusammenführt. Im Zentrum von Messeveranstaltungen steht nach wie vor die Geschäftsanbahnung durch Networking und passgenaue Kontakte. KI kann dazu beitragen, dass Gespräche mit höherer Relevanz entstehen, statt rein zufälliger Begegnungen auf dem Messegelände. Für BesucherInnen bedeutet das bessere Orientierung, für Aussteller qualitativ hochwertigere Leads. KI erhöht damit nicht die Anzahl der Kontakte, sondern vor allem deren Qualität.

Welche KI-Anwendungsfelder sind besonders gut umsetzbar?

Hohe Potenziale liegen dort, wo KI die Customer Journey vereinfacht. Besonders gut umsetzbar sind KI-gestützte Content- und Textgenerierung, mehrsprachige Chatbots sowie personalisierte Content- und Empfehlungssysteme. Diese sogenannten Quick Wins bieten hohen Nutzen bei vergleichsweise geringem Implementierungsaufwand und eignen sich ideal für den Einstieg.

Was sollten MICE-Profis jetzt konkret tun?

Der Einstieg in KI ist nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und kulturell. Wichtig sind eine offene Innovationskultur, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und klar definierte Pilotprojekte mit messbaren Zielen. KI sollte als kontinuierlicher Entwicklungsprozess verstanden werden. Wer früh Erfahrungen sammelt, verschafft sich langfristig einen Vorteil.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Holtmeier! Clara Petri

Execution time: 0.0004 seconds