CIM 2018/5

Reale Begenungsorte

Photo: Vok dams

Während Langlebiges schnell selbstverständlich wird, werten limitierte Editionen Anlässe auf. Temporären Events und Locations ist Aufmerksamkeit sicher.

Photo: CIM/Katharina Brauer

Photo: Milla & Partner/Marco Vedana

Was bleibt? Diese Frage stellt sich im vierten Quartal allen, die das ausklingende Jahr Revue passieren lassen. Der Anker im Gedächtnis funktioniert oft über starke Bilder und Emotionen. Veranstaltungen verankern Inhalte bei ihren Teilnehmern gern mit Inszenierungen, die als Situationen in der Erinnerung Bestand haben. Über den Moment ihrer Präsenz hinaus, entfalten temporär inszenierte Events so nachhaltig eine Wirkung. Wenn die Inszenierung vorbei oder rückgebaut ist, entsteht in der Wahrnehmung eine Leerstelle, die wir auffüllen mit Erinnerung und persönlicher Emotion.

„Temporäre Projekte, unvergängliche Eindrücke“, lautet der Titel der Monographie der Künstler Christo und Jean-Claude. Christo erschuf vom 19. Juni bis 9. September 2018 in Londons Hyde Park mit „Mastaba“ erneut einen Aufmerksamkeitsmagneten. Wer die 20 Meter hohe Pyramide aus 7.506 Ölfässern gesehen hat, behält sie im Gedächtnis. „Die Vergänglichkeit eines Kunstwerks kreiert ein Gefühl der Fragilität und auch Verletzlichkeit und einen Drang, gesehen zu werden, weil wir wissen, dass es schon morgen nicht mehr da ist“, sagt Christo über seine Großprojekte. Zu ihrem Konzept gehört, keine Spuren zu hinterlassen im öffentlichen Raum, wo sie für eine begrenzte Dauer stattgefunden haben.

Temporäre Locations haben Konjunktur. Passgenau planund nach dem Einsatz rückbaubar, sind sie die nachhaltige und kostengünstigere Alternative zum Bestandsbau. Vorbildlich umgesetzt wurde dieses Konzept bei den Olympischen Spielen in London 2012. Kluge Nachnutzungspläne verhindern, dass Locations verwaisen und zu „White Elephants“ werden: Das 54.000 Plätze fassende Olympiastadion hatte 2015 die Rugby- und 2017 die Leichtathletik-WM zu Gast. In Brasilien hingegen sieht die Bilanz nach der FIFA WM 2014 ernüchternd aus: Die zwölf Stadien, darunter das 426 Mio. Euro teure neue Nationalstadion mit 72.000 Plätzen in Brasilia, werden nur sporadisch für Pop-Konzerte genutzt. Im Vorfeld der FIFA WM 2022 verspricht Katar, die Stadien mehrheitlich rückzubauen und sie in Absprache mit der FIFA zu spenden.

Anlässe für üppige Inszenierungen in temporären Locations halten auch Events der Fashion Weeks bereit. Karl Lagerfeld lässt im Oktober 2018 im Grand Palais Paris einen Strand mit echtem Sand und Möwengekreische entstehen, um die neue Kollektion à la „Chanel by the Sea“ in Szene zu setzen.

„Immer wichtiger werden temporäre Locations, weil der Overkill an Kommunikation auf allen Kanälen ständig neue Reize und Wege sucht. Hinzu kommt, dass jede digitalisierte Markenkommunikation den realen Referenzraum, den realen Begegnungsort sucht, also die ,Spatial Experience‘: das räumliche Erleben“, beobachtet Johannes Milla. Die lokale Präsenz und regionale Identifikation werde auch von der internationalen Markenkommunikation gesucht. Der CEO und Kreativdirektor von Milla & Partner realisierte 2017 den Pop-up-Pavillon „Metro Unboxed“ am Rheinufer in Düsseldorf.

In dem nachhaltigen temporären Bau präsentierten sich 25 Metro-Länder mit einem Stand. Zudem bot er den Besuchern eine Kombination aus analogem und digitalem Erlebnis sowie eine virtuelle Reise durch einen Real-Markt. Offene Treppen zum Rheinufer hin und die Nutzung als Veranstaltungsort des zeitgleich stattfindenden „Düsseldorf Festivals“ laden die Passanten zur Teilhabe ein. Milla weiß, dass Roadshows in Fußgängerzonen und auf öffentlichen Plätzen oft als Belästigungskommunikation erlebt werden. „Die Vereinnahmung des öffentlichen Raums ist die Kehrseite temporärer Locations. Hier sind Sensibilität, genaue Kenntnis des stadträumlichen Erlebens, gutes Design sowie Qualität und Respekt vor dem Publikum gefordert.“

„Pop-up-Stores zur Unterstützung von Events oder Stände im Rahmen von Roadshows und Promotion-Aktionen werden vermehrt eingesetzt“, sagt Wolfgang Altenstrasser, Vok Dams Group. Platzsparenden Transport um die Welt und die Möglichkeit vielseitiger lokaler Anpassungen des modularen Architektur-Kits bewertet der Kommunikationsdirektor als Er folgsfaktor der BASF Creator Space Tour. Sie machte Station in den Städten Mumbai, Shanghai, New York, Sao Paulo, Barcelona sowie Ludwigshafen und bot Branchenexperten eine Plattform zur Erörterung zentraler wirtschaftlicher, umweltbezogener und gesellschaftlicher Herausforderungen. „Verbindendes visuelles Element ist die Architektur der Workshop-Räume. Das Mobiliar fügte sich in die Veranstaltungsorte wie etwa Design-Museen ein und schafft kreative Arbeitsatmosphäre. Auch Transportelemente tragen zum Architektur-Design bei, so dienen Abdeckungen der Kisten als Tische und Whiteboards“, erläutert Altenstrasser. „Die Material- und Farbwahl orientiert sich an dem BASF-CI und schafft ein identitätsstiftendes Erscheinungsbild. Es spiegelte sowohl die Unternehmenskultur der BASF als Initiator von Creator Space als auch die Inspiration der innovativen Formate.“

Dass singulär inszenierte Firmenveranstaltungen an „neuen“, ungewöhnlichen Orten von Mitarbeitern als Wertschätzung wahrgenommen werden und sie dadurch frische Identifikation mit dem Unternehmen erleben, belegt ein von der Stuttgarter Eventagentur eventuality realisiertes Firmenjubiläum. Auftraggeber ist ein Unternehmen aus der Maschinenbau-Branche, das aus diesem Anlass die Produktionsstätte in eine Eventlocation für 2.500 Teilnehmer verwandeln lässt. „Neben einer emotionalen und künstlerisch unterstützen Zeitreise-Show sowie informativem und unterhaltsamem Rahmenprogramm sind wir stolz darauf, den Produktionsausfall so kurz wie nötig und das Erlebnis so groß wie möglich realisiert zu haben“, sagt Oliver Brixel, Geschäftsleitungs-Mitglied eventuality, „selbstverständlich unter Einhaltung aller sicherheitstechnischen Aspekte, die es bei einer temporären Versammlungsstätte zu beachten gilt.“

CIM 2018/5

Reale Begenungsorte

Photo: Vok dams

Während Langlebiges schnell selbstverständlich wird, werten limitierte Editionen Anlässe auf. Temporären Events und Locations ist Aufmerksamkeit sicher.

Photo: CIM/Katharina Brauer

Photo: Milla & Partner/Marco Vedana

Was bleibt? Diese Frage stellt sich im vierten Quartal allen, die das ausklingende Jahr Revue passieren lassen. Der Anker im Gedächtnis funktioniert oft über starke Bilder und Emotionen. Veranstaltungen verankern Inhalte bei ihren Teilnehmern gern mit Inszenierungen, die als Situationen in der Erinnerung Bestand haben. Über den Moment ihrer Präsenz hinaus, entfalten temporär inszenierte Events so nachhaltig eine Wirkung. Wenn die Inszenierung vorbei oder rückgebaut ist, entsteht in der Wahrnehmung eine Leerstelle, die wir auffüllen mit Erinnerung und persönlicher Emotion.

„Temporäre Projekte, unvergängliche Eindrücke“, lautet der Titel der Monographie der Künstler Christo und Jean-Claude. Christo erschuf vom 19. Juni bis 9. September 2018 in Londons Hyde Park mit „Mastaba“ erneut einen Aufmerksamkeitsmagneten. Wer die 20 Meter hohe Pyramide aus 7.506 Ölfässern gesehen hat, behält sie im Gedächtnis. „Die Vergänglichkeit eines Kunstwerks kreiert ein Gefühl der Fragilität und auch Verletzlichkeit und einen Drang, gesehen zu werden, weil wir wissen, dass es schon morgen nicht mehr da ist“, sagt Christo über seine Großprojekte. Zu ihrem Konzept gehört, keine Spuren zu hinterlassen im öffentlichen Raum, wo sie für eine begrenzte Dauer stattgefunden haben.

Temporäre Locations haben Konjunktur. Passgenau planund nach dem Einsatz rückbaubar, sind sie die nachhaltige und kostengünstigere Alternative zum Bestandsbau. Vorbildlich umgesetzt wurde dieses Konzept bei den Olympischen Spielen in London 2012. Kluge Nachnutzungspläne verhindern, dass Locations verwaisen und zu „White Elephants“ werden: Das 54.000 Plätze fassende Olympiastadion hatte 2015 die Rugby- und 2017 die Leichtathletik-WM zu Gast. In Brasilien hingegen sieht die Bilanz nach der FIFA WM 2014 ernüchternd aus: Die zwölf Stadien, darunter das 426 Mio. Euro teure neue Nationalstadion mit 72.000 Plätzen in Brasilia, werden nur sporadisch für Pop-Konzerte genutzt. Im Vorfeld der FIFA WM 2022 verspricht Katar, die Stadien mehrheitlich rückzubauen und sie in Absprache mit der FIFA zu spenden.

Anlässe für üppige Inszenierungen in temporären Locations halten auch Events der Fashion Weeks bereit. Karl Lagerfeld lässt im Oktober 2018 im Grand Palais Paris einen Strand mit echtem Sand und Möwengekreische entstehen, um die neue Kollektion à la „Chanel by the Sea“ in Szene zu setzen.

„Immer wichtiger werden temporäre Locations, weil der Overkill an Kommunikation auf allen Kanälen ständig neue Reize und Wege sucht. Hinzu kommt, dass jede digitalisierte Markenkommunikation den realen Referenzraum, den realen Begegnungsort sucht, also die ,Spatial Experience‘: das räumliche Erleben“, beobachtet Johannes Milla. Die lokale Präsenz und regionale Identifikation werde auch von der internationalen Markenkommunikation gesucht. Der CEO und Kreativdirektor von Milla & Partner realisierte 2017 den Pop-up-Pavillon „Metro Unboxed“ am Rheinufer in Düsseldorf.

In dem nachhaltigen temporären Bau präsentierten sich 25 Metro-Länder mit einem Stand. Zudem bot er den Besuchern eine Kombination aus analogem und digitalem Erlebnis sowie eine virtuelle Reise durch einen Real-Markt. Offene Treppen zum Rheinufer hin und die Nutzung als Veranstaltungsort des zeitgleich stattfindenden „Düsseldorf Festivals“ laden die Passanten zur Teilhabe ein. Milla weiß, dass Roadshows in Fußgängerzonen und auf öffentlichen Plätzen oft als Belästigungskommunikation erlebt werden. „Die Vereinnahmung des öffentlichen Raums ist die Kehrseite temporärer Locations. Hier sind Sensibilität, genaue Kenntnis des stadträumlichen Erlebens, gutes Design sowie Qualität und Respekt vor dem Publikum gefordert.“

„Pop-up-Stores zur Unterstützung von Events oder Stände im Rahmen von Roadshows und Promotion-Aktionen werden vermehrt eingesetzt“, sagt Wolfgang Altenstrasser, Vok Dams Group. Platzsparenden Transport um die Welt und die Möglichkeit vielseitiger lokaler Anpassungen des modularen Architektur-Kits bewertet der Kommunikationsdirektor als Er folgsfaktor der BASF Creator Space Tour. Sie machte Station in den Städten Mumbai, Shanghai, New York, Sao Paulo, Barcelona sowie Ludwigshafen und bot Branchenexperten eine Plattform zur Erörterung zentraler wirtschaftlicher, umweltbezogener und gesellschaftlicher Herausforderungen. „Verbindendes visuelles Element ist die Architektur der Workshop-Räume. Das Mobiliar fügte sich in die Veranstaltungsorte wie etwa Design-Museen ein und schafft kreative Arbeitsatmosphäre. Auch Transportelemente tragen zum Architektur-Design bei, so dienen Abdeckungen der Kisten als Tische und Whiteboards“, erläutert Altenstrasser. „Die Material- und Farbwahl orientiert sich an dem BASF-CI und schafft ein identitätsstiftendes Erscheinungsbild. Es spiegelte sowohl die Unternehmenskultur der BASF als Initiator von Creator Space als auch die Inspiration der innovativen Formate.“

Dass singulär inszenierte Firmenveranstaltungen an „neuen“, ungewöhnlichen Orten von Mitarbeitern als Wertschätzung wahrgenommen werden und sie dadurch frische Identifikation mit dem Unternehmen erleben, belegt ein von der Stuttgarter Eventagentur eventuality realisiertes Firmenjubiläum. Auftraggeber ist ein Unternehmen aus der Maschinenbau-Branche, das aus diesem Anlass die Produktionsstätte in eine Eventlocation für 2.500 Teilnehmer verwandeln lässt. „Neben einer emotionalen und künstlerisch unterstützen Zeitreise-Show sowie informativem und unterhaltsamem Rahmenprogramm sind wir stolz darauf, den Produktionsausfall so kurz wie nötig und das Erlebnis so groß wie möglich realisiert zu haben“, sagt Oliver Brixel, Geschäftsleitungs-Mitglied eventuality, „selbstverständlich unter Einhaltung aller sicherheitstechnischen Aspekte, die es bei einer temporären Versammlungsstätte zu beachten gilt.“

  • CIM 2019/1

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  • CIM 2019/1

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  • CIM 2019/1

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  • CIM 2019/1

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    CIM:  Wie viel Advocacy gehört zu Ihrer Aufgabe als Stellvertretende Generaldirektorin der FESE in Brüssel?
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  • CIM 2019/1

    Zuhören, um verstanden zu werden

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CIM 2018/5

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Photo: CIM/Katharina Brauer

Photo: Milla & Partner/Marco Vedana

Was bleibt? Diese Frage stellt sich im vierten Quartal allen, die das ausklingende Jahr Revue passieren lassen. Der Anker im Gedächtnis funktioniert oft über starke Bilder und Emotionen. Veranstaltungen verankern Inhalte bei ihren Teilnehmern gern mit Inszenierungen, die als Situationen in der Erinnerung Bestand haben. Über den Moment ihrer Präsenz hinaus, entfalten temporär inszenierte Events so nachhaltig eine Wirkung. Wenn die Inszenierung vorbei oder rückgebaut ist, entsteht in der Wahrnehmung eine Leerstelle, die wir auffüllen mit Erinnerung und persönlicher Emotion.

„Temporäre Projekte, unvergängliche Eindrücke“, lautet der Titel der Monographie der Künstler Christo und Jean-Claude. Christo erschuf vom 19. Juni bis 9. September 2018 in Londons Hyde Park mit „Mastaba“ erneut einen Aufmerksamkeitsmagneten. Wer die 20 Meter hohe Pyramide aus 7.506 Ölfässern gesehen hat, behält sie im Gedächtnis. „Die Vergänglichkeit eines Kunstwerks kreiert ein Gefühl der Fragilität und auch Verletzlichkeit und einen Drang, gesehen zu werden, weil wir wissen, dass es schon morgen nicht mehr da ist“, sagt Christo über seine Großprojekte. Zu ihrem Konzept gehört, keine Spuren zu hinterlassen im öffentlichen Raum, wo sie für eine begrenzte Dauer stattgefunden haben.

Temporäre Locations haben Konjunktur. Passgenau planund nach dem Einsatz rückbaubar, sind sie die nachhaltige und kostengünstigere Alternative zum Bestandsbau. Vorbildlich umgesetzt wurde dieses Konzept bei den Olympischen Spielen in London 2012. Kluge Nachnutzungspläne verhindern, dass Locations verwaisen und zu „White Elephants“ werden: Das 54.000 Plätze fassende Olympiastadion hatte 2015 die Rugby- und 2017 die Leichtathletik-WM zu Gast. In Brasilien hingegen sieht die Bilanz nach der FIFA WM 2014 ernüchternd aus: Die zwölf Stadien, darunter das 426 Mio. Euro teure neue Nationalstadion mit 72.000 Plätzen in Brasilia, werden nur sporadisch für Pop-Konzerte genutzt. Im Vorfeld der FIFA WM 2022 verspricht Katar, die Stadien mehrheitlich rückzubauen und sie in Absprache mit der FIFA zu spenden.

Anlässe für üppige Inszenierungen in temporären Locations halten auch Events der Fashion Weeks bereit. Karl Lagerfeld lässt im Oktober 2018 im Grand Palais Paris einen Strand mit echtem Sand und Möwengekreische entstehen, um die neue Kollektion à la „Chanel by the Sea“ in Szene zu setzen.

„Immer wichtiger werden temporäre Locations, weil der Overkill an Kommunikation auf allen Kanälen ständig neue Reize und Wege sucht. Hinzu kommt, dass jede digitalisierte Markenkommunikation den realen Referenzraum, den realen Begegnungsort sucht, also die ,Spatial Experience‘: das räumliche Erleben“, beobachtet Johannes Milla. Die lokale Präsenz und regionale Identifikation werde auch von der internationalen Markenkommunikation gesucht. Der CEO und Kreativdirektor von Milla & Partner realisierte 2017 den Pop-up-Pavillon „Metro Unboxed“ am Rheinufer in Düsseldorf.

In dem nachhaltigen temporären Bau präsentierten sich 25 Metro-Länder mit einem Stand. Zudem bot er den Besuchern eine Kombination aus analogem und digitalem Erlebnis sowie eine virtuelle Reise durch einen Real-Markt. Offene Treppen zum Rheinufer hin und die Nutzung als Veranstaltungsort des zeitgleich stattfindenden „Düsseldorf Festivals“ laden die Passanten zur Teilhabe ein. Milla weiß, dass Roadshows in Fußgängerzonen und auf öffentlichen Plätzen oft als Belästigungskommunikation erlebt werden. „Die Vereinnahmung des öffentlichen Raums ist die Kehrseite temporärer Locations. Hier sind Sensibilität, genaue Kenntnis des stadträumlichen Erlebens, gutes Design sowie Qualität und Respekt vor dem Publikum gefordert.“

„Pop-up-Stores zur Unterstützung von Events oder Stände im Rahmen von Roadshows und Promotion-Aktionen werden vermehrt eingesetzt“, sagt Wolfgang Altenstrasser, Vok Dams Group. Platzsparenden Transport um die Welt und die Möglichkeit vielseitiger lokaler Anpassungen des modularen Architektur-Kits bewertet der Kommunikationsdirektor als Er folgsfaktor der BASF Creator Space Tour. Sie machte Station in den Städten Mumbai, Shanghai, New York, Sao Paulo, Barcelona sowie Ludwigshafen und bot Branchenexperten eine Plattform zur Erörterung zentraler wirtschaftlicher, umweltbezogener und gesellschaftlicher Herausforderungen. „Verbindendes visuelles Element ist die Architektur der Workshop-Räume. Das Mobiliar fügte sich in die Veranstaltungsorte wie etwa Design-Museen ein und schafft kreative Arbeitsatmosphäre. Auch Transportelemente tragen zum Architektur-Design bei, so dienen Abdeckungen der Kisten als Tische und Whiteboards“, erläutert Altenstrasser. „Die Material- und Farbwahl orientiert sich an dem BASF-CI und schafft ein identitätsstiftendes Erscheinungsbild. Es spiegelte sowohl die Unternehmenskultur der BASF als Initiator von Creator Space als auch die Inspiration der innovativen Formate.“

Dass singulär inszenierte Firmenveranstaltungen an „neuen“, ungewöhnlichen Orten von Mitarbeitern als Wertschätzung wahrgenommen werden und sie dadurch frische Identifikation mit dem Unternehmen erleben, belegt ein von der Stuttgarter Eventagentur eventuality realisiertes Firmenjubiläum. Auftraggeber ist ein Unternehmen aus der Maschinenbau-Branche, das aus diesem Anlass die Produktionsstätte in eine Eventlocation für 2.500 Teilnehmer verwandeln lässt. „Neben einer emotionalen und künstlerisch unterstützen Zeitreise-Show sowie informativem und unterhaltsamem Rahmenprogramm sind wir stolz darauf, den Produktionsausfall so kurz wie nötig und das Erlebnis so groß wie möglich realisiert zu haben“, sagt Oliver Brixel, Geschäftsleitungs-Mitglied eventuality, „selbstverständlich unter Einhaltung aller sicherheitstechnischen Aspekte, die es bei einer temporären Versammlungsstätte zu beachten gilt.“

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